Amtsgericht: Eine Räuberin wird vermessen

Lüdenscheid - Wenn es stimmt, was sie sagt, dann ist sie nur durch einen ganz blöden Zufall in diesen Schlamassel geraten. . Dann ist sie nicht diejenige, die am 23. März 2014 um 21.14 Uhr eine Tankstelle an der Altenaer Straße überfallen hat. Aber die Staatsanwältin hält sie für schuldig.

Mit einer Pistolen-Atrappe in der Hand soll die Lüdenscheiderin 3725 Euro erbeutet haben. „Geld her, los, gib das Geld her!“

Die Angeklagte, eine zierliche 31-jährige Erzieherin, nicht vorbestraft, wirkt angespannt, wie übernächtigt. Kein Wunder: Raub wird laut Strafgesetzbuch mit Gefängnis nicht unter einem Jahr geahndet. Ihr Strafverteidiger, Rechtsanwalt Dirk Löber, bemüht sich um den Eindruck von Gelassenheit und Optimismus. Auch kein Wunder: Er hat ein paar Argumente in petto, die seine Mandantin zweifelsfrei entlasten sollen.

Da ist zum Beispiel die Kassiererin der Tankstelle. Laut Verteidiger Löber kennt die junge Frau die Angeklagte persönlich, hat aber gegenüber der Polizei eine Frau mit anderem Aussehen beschrieben. Nämlich die Täterin, die auch auf einer Videosequenz der Überwachungskamera zu sehen ist. Der Rechtsanwalt fordert die Einholung eines anthropologischen Sachverständigen-Gutachtens. Das soll belegen, dass Gesichtszüge, Körpergröße und Länge der Gliedmaßen der Räuberin nicht mit denen der Angeklagten übereinstimmen. Das Schöffengericht stimmt zu. Richter Thomas Kabus sagt: „Der Antrag kann zielführend sein.“

Außerdem kündigt Dirk Löber an, der Verwertung der polizeilichen Ermittlungsergebnisse widersprechen zu wollen. Denn seine Mandantin sei nicht als Beschuldigte belehrt sondern von der Polizei über ihre Rolle im Verfahren getäuscht worden. Zu den Erkenntnissen der Fahnder gehören auch ihre DNA-Spuren, die an einem Pullover gefunden wurden. Den Pullover wiederum hat die Räuberin laut Überwachungsvideo bei dem Überfall getragen.

Das sind schwerwiegende Indizien, die für die Schuld der Angeklagten sprechen. Doch der Verteidiger gibt eine Erklärung ab. Danach war seine Mandantin am Abend des 23. März tatsächlich unterwegs, sie habe „kurz nach der Tat in der Nähe gejoggt“. Dabei habe sie den fraglichen Pullover zufällig am Boden gefunden, ihn aufgehoben, kurz übergestreift, aber wieder ausgezogen. „Sie wollte ihn mit nach Hause nehmen und waschen.“

Die Richter setzen das Verfahren aus. Ein Gutachter soll die Frau auf dem Video vermessen. Neuer Termin von Amts wegen.

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