Amtsgericht: Einbruch oder Auftragsjob?

Lüdenscheid - Der Schlüssel passt nicht. Also muss ein Kuhfuß her! Schließlich hat man einen Auftrag. Der Vermieter will ja, dass die Wohnung ausgeräumt wird. Deren Bewohner, ein älterer Junggeselle, ist einsam in seinem Bett gestorben. Die Polizei hat dann das Schloss ausgetauscht – und als die Nachbarn ihr Werk begonnen haben, ein Verfahren wegen Einbruchs eingeleitet. Nun sitzt das Duo (47 und 26 Jahre alt) vor Strafrichter Andreas Lyra und kann alles erklären.

Es sind nicht die allerbesten Verhältnisse in dem Mietshaus an der Kölner Straße. Die beiden Angeklagten beziehen Hartz IV, der jüngere der beiden ist alleinerziehender Vater eines einjährigen Sohnes. „Die Mutter hat ihn abgegeben.“ Der Hausbesitzer, ein Mann aus Werdohl, will die Wohnung des toten Junggesellen neu vermieten.

Der ältere der Angeklagten – Frau und Töchterchen verfolgen den Prozess im Gerichtssaal – sagt: „Der Vermieter hat gesagt, die Sachen aus der Wohnung könnten wir behalten, statt einer Bezahlung.“ Als erstes holen sie – es ist der 24. Mai – eine Digital-Kamera, einen Flachbildfernseher und ein Teleskop aus der Wohnung. Sein Kumpel neben ihm sagt: „Wir mussten erstmal lüften, die ganze Bude stank.“

Die Frage aber, ob nicht die ganze Geschichte stinkt und der Hausbesitzer die beiden Mieter tatsächlich ermächtigt hat, die Bude gegen Naturalien zu entrümpeln, wird die Justiz noch länger beschäftigen.

Wie die beiden Männer ins Visier der Ermittler geraten sind, bleibt im Prozessverlauf im Dunkeln. Klar ist: Die Polizei hat die Sachen des Toten bei ihnen gefunden, die Verdächtigen haben die Gegenstände bereitwillig wieder rausgerückt, ein Schaden ist also nicht entstanden – abgesehen von der kaputten Tür. Aber Einbruch ist Einbruch. „Sie können meine ehemalige Lebensgefährtin fragen“, sagt der Jüngere zum Richter. „Die hat die Absprache mitgekriegt.“

Im Polizeiprotokoll steht, dass der Vermieter behauptet, von einer solchen Absprache nichts zu wissen. Deshalb hat Richter Lyra ihn vorgeladen. Aber der Mann aus Werdohl schwänzt den Prozess. Eine Nachbarin von der Kölner Straße sagt, er habe gar keine Ladung gekriegt. „Der war in der Türkei.“ Und jetzt könne er spontan nicht kommen. „Die haben ihm die Karte geknipst.“ Der Richter verhängt eine Ordnungsstrafe von 300 Euro wegen unentschuldigten Fernbleibens.

Es sieht ganz gut aus für die beiden Nachbarn auf der Anklagebank. Lyra: „Ich kann mich täuschen, aber im Moment neige ich dazu, Ihnen zu glauben.“ Einstellen möchte er das Verfahren aber nicht. „Wir ziehen’s durch!“ Der Hausbesitzer muss in den Zeugenstand, die Ex des jüngeren und die Ehefrau des älteren Angeklagten auch.

Neuer Termin von Amts wegen.

Von Olaf Moos

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