Amtsgericht: Ein Einbrecher und seine Helfer

Lüdenscheid - Über diesen Einbruch wurde schon in einem anderen Zusammenhang geschrieben. Ende September zeichnete die Polizeiführung zwei Lüdenscheider für deren Zivilcourage aus.

Sie waren einem VW Polo mit vier verdächtigen Insassen nachgefahren, nachdem in Stüttinghausen eingebrochen worden war. Während der Verfolgung alarmierte das Pärchen die Polizei. Am Nattenberg endete die Flucht. Nun befasst sich die Strafjustiz mit dem Quartett.

Sehr bald nach Prozessbeginn sind nur noch drei der vier Angeklagten übrig. Das Erweiterte Schöffengericht stellt das Verfahren gegen einen 26-Jährigen ein – „wegen der im übrigen zu erwartenden Strafe“, heißt es. Er gilt nämlich in den Augen der Staatsanwaltschaft als Initiator der Schießerei im Juni auf der Wehberger Straße und muss sich deshalb seit Mittwoch – wie berichtet – wegen versuchten Mordes vor dem Hagener Schwurgericht verantworten.

Einer der Angeklagten, ein vielfach vorbestrafter Beschaffungskrimineller (39), Vater einer neunjährigen Tochter, nimmt die Schuld auf sich. Und will die Mitangeklagten aus der Schusslinie ziehen. „Ich bin da eingestiegen, dann habe ich die Sachen genommen.“ Es geht um nicht allzu wertvollen Modeschmuck und eine alte Schreckschusspistole.

Zurück auf der Straße, mit der Beute unter der Trainingsjacke, ruft er einen Kumpel an. Der, 31 Jahre alt, eine fünfjährige Haftstrafe abgesessen und noch 23 Monate Bewährung offen, sitzt mit dem Fahrer des VW Polo in einem Café an der Werdohler Straße und berichtet: „Wir haben ihn dann am Malterscheid abgeholt.“ Im Auto habe er den Schmuck und die Waffe gesehen, „da war ich natürlich interessiert“. Er habe helfen wollen, „das Zeug zu veräußern“. Gegenüber der Polizei hat er im Ermittlungsverfahren gesagt: „Der bietet mir öfter mal Sachen an.“

Der nicht vorbelastete Fahrer des Fluchtwagens ist „irgendwie da reingeschlittert“, so der Vorsitzende Richter Jürgen Leichter. Aber er ist nicht rechtzeitig ausgestiegen und wird wegen Beihilfe zu 4500 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Einbrecher muss eineinhalb Jahre ins Gefängnis, sein knasterfahrener Kumpel für zehn Monate. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Olaf Moos

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