Amtsgericht: „Ein bisschen Widerstand“ gab es wohl

Lüdenscheid - „Ich glaube, ich habe ein bisschen Widerstand geleistet“, sagt der Angeklagte. Wohin er den Türsteher der Diskothek am Rathausplatz mit der Faust getroffen hat – „weiß ich nicht mehr“.

Und ob er „nüchtern, angetrunken oder vollständig besoffen“ war, wie Strafrichter Thomas Kabus fragt, beantwortet der 23-Jährige mit „Ich bin ganz gut dabeigewesen“. Inklusive Angriff auf Polizisten. Es war in der Halloween-Nacht.

Deshalb könnte es sein, dass das Blut in dem einen oder anderen Gesicht geschminkt war. Denn die Zeugenaussagen variieren. Mal hat einer der stämmigen „Türer“ Nasenbluten, mal der vermeintliche Angreifer. Der Angeklagte sagt, die Sicherheitsleute hätten „sowieso einen Pick auf uns“ gehabt. Die Betriebsleiterin der Disko berichtet, der 23-Jährige habe ihren Mitarbeiter „an die Wand geklatscht“. Aber andererseits habe sie „gar nichts mitgekriegt“. Und sowieso: Auseinandersetzungen in ihrem Laden seien „eher die Ausnahme“.

Dass Keilereien zwischen Gästen oder mit Türstehern hier „eher normal“ sind, darin ist sich Richter Kabus mit den Polizisten einig, die einer nach dem anderen aussagen. Aber das ist nicht angeklagt. Und lässt sich auch in diesem Fall nicht aufklären. Staatsanwältin Bettina Hirschberg zieht die Notbremse und beantragt, das Verfahren einzustellen.

Bleibt also der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Da stimmen die Beamten im Zeugenstand überein. „Der war wie weggetreten“, sagt einer. „Unglaublich aggressiv“, sagt ein anderer. „Der hat versucht, mich zu treten“, sagt der nächste. Aber er hat nicht richtig getroffen. Darum ergeht das Urteil nur wegen Widerstandes in Tateinheit mit versuchter Körperverletzung: sechs Monate mit Bewährung.

Dass er nicht in den Knast muss, hat der Verurteilte unter anderem seinem Verteidiger Jörg Placidus zu verdanken. Immerhin ist der 23-Jährige auch mit zehn Vorstrafen „ganz gut dabei“. Aber er ernährt Freundin und Töchterlein, geht nun regelmäßig arbeiten und segelt „in ruhigem Fahrwasser“, so der Rechtsanwalt.

Billig kommt sein Mandant aber nicht davon. Er muss zum Antigewalt-Training – und 2100 Euro bezahlen.

Von Olaf Moos

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare