Amtsgericht: Diesmal Raserei im Namen des Vaters

Lüdenscheid - Für den Tatvorwurf der Urkundenfälschung reicht’s offenbar nicht. Aber dafür muss sich der 60-Jährige, arbeitsloser Kfz-Kaufmann aus Lüdenscheid, diesmal wegen falscher Verdächtigung vor Strafrichter Thomas Kabus verantworten. Seine Vorliebe für schnelle und edle Sportwagen und entsprechende Fahrweise ist nahezu stadtbekannt – und sorgt jetzt für den 13. Eintrag ins Vorstrafenregister.

Im niederbayrischen Straubing an der Donau wars, wo die Radarfalle mal wieder zuschnappte. Wie schnell der Lüdenscheider war, wird im Prozess nicht erörtert. Es spielt keine Rolle mehr. 380 Euro hat es ihn jedenfalls gekostet und einen Monat Fahrverbot. Verkehrsrechtlich ist die Sache also abgehakt.

Aber dass er im Anhörungsbogen log, den ihm die dortige Straßenverkehrsbehörde zusandte – das nimmt ihm der Staatsanwalt übel. Denn aus dem Formular geht hervor, dass nicht der Angeklagte, sondern dessen Vater – heute 80 Jahre alt und durch zwei Schlaganfälle versehrt – durch Straubing gerast ist wie ein Verrückter.

Der Raser gibt sich freundlich und redselig. „Irrwitzigerweise“, sagt er zu Richter Kabus, „habe ich ganz normal unterschrieben“. Aber das sei nichts Besonderes. „Ich unterschreibe seit Jahren alles für meinen Vater.“ Und zieht die passende Vollmacht seines Erzeugers aus der Tasche. Das Problem: Er unterschreibt stets mit dem vollen Namen seines Vaters und nicht mit seinem eigenen und dem Zusatz „im Auftrag“ oder „in Vertretung“.

Ein bayrischer Beamter aber, der den ausgefüllten Anhörungsbogen auf den Tisch bekam, wurde stutzig und kam zu dem Schluss: Der Mann auf dem Blitzerfoto kann keine 80 Jahre alt sein. Sein Verdacht: Da hat der Fahrer seinen eigenen Vater falsch verdächtigt. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage.

„Ich hab’s gemacht“, sagt der 60-Jährige auf die Frage des Anklägers auf die Frage nach dem Warum. Und lacht. „Sie wissen doch, warum.“ Er hätte auf dem Bogen ja auch ein falsches Geburtsdatum angeben können. „Aber ich bin nicht kriminell!“ Immerhin wollte er seinen Papa nicht reinreißen, sondern sich selbst schützen.

Dafür verurteilt ihn Richter Kabus zu einer Geldstrafe von 1000 Euro. Der Verurteilte grinst: „Ist schon okay!“

Von Olaf Moos

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