Briefe im Container – Gericht verurteilt Postbote

Lüdenscheid - Fest stand bisher nur, dass am 12. März rund 350 Briefe in einem Altpapiercontainer an der Parkstraße lagen – und dass der zuständige Briefträger alle Vorwürfe zurückweist. Seit Donnerstag allerdings ist der 31-Jährige verurteilt und muss wegen Verletzung des Postgeheimnisses eine Geldstrafe von 1600 Euro bezahlen.

Die Post AG hat nach einem arbeitsgerichtlichen Verfahren an der außerordentlichen und fristlosen Kündigung ihres Briefträgers nicht festgehalten und sie in eine ordentliche und fristgerechte Entlassung verwandelt. Rechtsanwalt Andreas Moriße zieht daraus den Schluss, dass die internen Ermittler der Post ihrem Ex-Kollegen nichts nachweisen konnten.

In seinem Plädoyer sagt er unter anderem: „Es geht nur um die Frage, ob sich die Sendungen im Verfügungsbereich meines Mandanten befanden.“ Das sei nicht sicher, „und wenn er sie nicht hatte, dann konnte er die Sendungen auch nicht unterdrücken,“ so Moriße.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer nimmt diese Einschätzung „einigermaßen amüsiert zur Kenntnis“, wie er sagt. Denn die Rücknahme des sofortigen Rausschmisses könne auch arbeitsrechtliche Strategie sein. Und die Vernehmung der Zeugen, unter ihnen zwei hochrangige Postbedienstete, hat nach Rahmers Meinung jeden Zweifel ausgeräumt. „Ich frage mich ernsthaft, wie man an seiner Täterschaft zweifeln kann.“

Als der Angeklagte am frühen Morgen des Tattages im Stützpunkt an der Noltestraße die Briefe für den Bezirk 72 – Stüttinghausen – sortiert, hat er es mit Sendungen zu tun, die teilweise schon im Hagener Briefzentrum vorsortiert wurden. Es gilt, sie so zu ordnen, dass sie später zum Laufweg passen. Wie eine Ladung davon im Altpapier landen konnte, wisse er auch nicht, sagt der Angeklagte. „Diese Sendungen habe ich nie in der Hand gehabt.“

Doch nach dem zufälligen Fund der Briefe durch eine Passantin kommt für die höheren Dienstgrade und die Strafverfolger keine vernünftige Alternative in Betracht. Ein Zeuge: „Ich hatte den Eindruck, die Sendungen sind schon sortiert in den Container geworfen worden.“ Es waren ausschließlich Briefe für diesen einen Bezirk.

Und ein missgünstiger Kollege etwa, der aus Racheglüsten Sendungen für einen fremden Bezirk verschwinden lassen hat? „Nein“, sagt Rahmer. Es sei dem Angeklagten lästig gewesen, und er habe die Briefe aussortiert, um sie zu entsorgen. Er habe als einziger die Gelegenheit und ein eigenes Interesse daran gehabt. Strafrichter Thomas Kabus schließt sich in volem Umfang an.

Von Olaf Moos

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