Amtsgericht: Anwalt wittert Falschaussagen

Lüdenscheid - Es ist schon der fünfte Anlauf. Doch der Drogenprozess gegen einen 19fach vorbestraften Kfz-Mechaniker (37) muss abermals vertagt werden. Denn eine wichtige Zeugin fehlt schon wieder. Und vor allem: Strafverteidiger Andreas Trode hat sich in zwei Kriminalpolizisten verbissen, bezichtigt sie offen der Falschaussage und verlangt Aufklärung.

Es ist der 29. Oktober 2013. Ein anonymer Anrufer petzt der Polizei, dass sie den Mann samt seinen Drogen in der Wohnung seiner ehemaligen Partnerin einsammeln kann. Zwei Kripo-Beamte fahren zur Friedrichstraße, die Ex-Lebensgefährtin des Gesuchten öffnet und verrät ihren Verflossenen. Die Polizisten betreten die Wohnung. Der Verdächtige flieht im Schlafanzug durch ein Klofenster und lässt eine Handvoll Marihuana und ein Schlüsselbund zurück.

Die Schlüssel gehören zu einem Café an der Bahnhofstraße, das der Mann betreibt. Hier finden die Fahnder in einer Registrierkasse knapp fünf Gramm Kokain und eine Namensliste auf einem Bierdeckel.

Rechtsanwalt Trode hat schon in der Ermittlungsakte Angaben darüber vermisst, ob die Polizisten die Ex des Angeklagten bei dem Überraschungsbesuch überhaupt ordnungsgemäß belehrt haben. Denn laut Gesetz hätte sie die Durchsuchung ohne richterlichen Beschluss auch verweigern können, weil sie und nicht der Verdächtige in der Wohnung lebt.

In einer früheren Vernehmung hat die 32-jährige Beamtin laut Trode die Frage nach einer Belehrung verneint. Jetzt bejaht sie sie und verweist ansonsten auf ihren Chef. Der räumt immerhin ein, sich an eine Belehrung zu erinnern, aber „sicher nicht so formvollendet“. Im übrigen habe die Frau die Polizei sowieso unterstützt.

Damit nicht genug. Andreas Trode wittert auch bei der Durchsuchung des Cafés Unreinheiten. So hätten sich die Beamten vor dem Zutritt zwar telefonisch einen richterlichen Beschluss besorgt. Seltsamerweise ist aber bei der später zugesandten schriftlichen Ausfertigung des Beschlusses ausdrücklich von einem Abstellraum hinter dem Café die Rede. „Woher wussten Sie von einem Abstellraum?“, fragt der Jurist den Polizisten – und argwöhnt, dass die Durchsuchung ohne Grünes Licht vom Ermittlungsrichter stattgefunden hat.

Behält der Verteidiger Recht, dürften die Erkenntnisse und die gefundenen Drogen in beiden Fällen nicht verwertet werden.

Das Verfahren wird am 2. Juli um 13 Uhr im Saal E 28 des Amtsgerichts fortgesetzt.

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