Akademischer Titel oder Funktionsbezeichnung?

Lüdenscheid - Oberstaatsanwalt Ulrich Hettwer sagt, der Arzt habe seinen Professoren-Titel in Belgien gekauft. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe sagt, der Arzt dürfe sich Dr. nennen, aber nicht Prof.

Der Mediziner auf der Anklagebank, 59 Jahre alt, mit Praxis in der Innenstadt, behauptet, er habe sich dem Wunsch der Ärztekammer längst gebeugt und den umstrittenen akademischen Titel aus Internet und Briefkopf getilgt.

Und dann ist da noch der Dortmunder Strafverteidiger Ralf Neuhaus, auch ein Prof. Dr., Sachverständiger im Rechtsausschuss des Bundestages – und wohl nicht nur deshalb prädestiniert, seinen gerichtsbekannten Mandanten zu vertreten. Der Rechtsanwalt weist auf die zweite Arztpraxis seines Mandanten hin. Die befindet sich in Speyer, Rheinland-Pfalz. Und dort sowie in Bayern und Sachsen-Anhalt sei „die Führung ausländischer akademischer Titel genehmigungsfrei“.

In NRW jedoch nicht, aber „ich war natürlich ganz stolz und habe mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht“, sagt der Angeklagte. Denn der Dekan der belgischen Privatuniversität für das europäische Management (PEM) habe ihm den Titel angedient, „er wollte einen medizinischen Bereich aufbauen“. Keine Rede von Titel-Kauf.

Der Justiziar der Ärztekammer in Münster tritt in den Zeugenstand und spricht von einer „kessen Situation“. Auf die schriftliche Aufforderung, den Titel „Prof.“ vor dem „Dr.“ abzulegen, habe der Beschuldigte per Brief geantwortet, „auf dem stand der Professor hinter dem Namen und nicht davor“. Prof. Dr. Neuhaus sagt: „Das ist dann kein Titel, sondern Funktionsbeschreibung.“ Der Arzt sei ja wirklich Professor an der PEM. Und: „Wir brauchen keinen Freispruch.“

Der Ankläger beantragt also die Einstellung des Verfahrens. In Speyer darf der Dr. auch Prof. sein, in Lüdenscheid nicht. Und im Internet auch nicht. Auf „jameda.de“ kann man ihn jedoch noch besuchen, den „Prof. Dr.“.

Von Olaf Moos

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