Stromtrassen-Ausbau zwischen Dortmund und Dauersberg

Doppelt so hoch wie bisher: Amprion plant Riesen-Strommasten im MK

Strommasten Amprion Rosmart Ausbau
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Doppelt so hoch wie vorher sollen die Amprion-Strommasten werden.

Es ist eine Landschaft der Gegensätze: Wald und Wiesen prägen das Bild der Ansiedlungen Brunscheid, Wettringhof und Rosmart vor den Toren der Stadt ebenso wie Gewerbebetriebe und stark befahrene Straßen. Ein weiteres Charakteristikum im Grenzgebiet zwischen Lüdenscheid, Altena und Werdohl: die von überall sichtbaren Hochspannungsleitungen. Und genau dieses Elektro-Geflecht samt zugehöriger Masten soll sein Gesicht künftig verändern.

VON SEBASTIAN SCHMIDT

Lüdenscheid – Der Grund dafür: ein Stromtrassen-Ausbau zwischen Dortmund-Kruckel und Dauersberg in Rhein-Pfalz durch den Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Die geplante Höchstspannungsleitung soll insgesamt 126 Kilometer lang sein und auch 36 Kilometer über den Märkischen Kreis führen. Zu diesem Zweck will die Firma Amprion die im Gebiet Brunscheid, Rosmart und Wettringhof bereits vorhandene Stromtrasse nutzen und ausbauen. Im Klartext heißt das einen Austausch der bisherigen Masten gegen fast doppelt so hohe und eine deutlich stärkere Spannung in den Leitungen. Das aber stößt bei Anwohnern auf Skepsis.

Da ist etwa Hans-Georg Schmalenbach. Der Brunscheider sieht durch das Projekt eine „Landschaftsverschandlung“ und mögliche Gesundheitsgefahren. Zur Erinnerung: Viele Menschen wollen nicht in direkter Nähe von Hochspannungsleitungen mit ihren elektro-magnetischen Feldern wohnen – aus Angst vor Gesundheitsstörungen. Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Herz-Kreislauf-Probleme oder auch ein erhöhtes Krebsrisiko sind die Stichwörter.

Gleichzeitig bemängelt Schmalenbach das von der Arnsberger Bezirksregierung in dieser Angelegenheit in Gang gesetzte Informationsverfahren. Das sieht grob so aus: Über das Projekt beziehungsweise dessen 2. Planänderungen kann man sich bis Ende Februar über auf der Internetseite der Bezirksregierung informieren. Bis zum 15. März können Bürger dann schriftlich Einwendungen gegen die Planungen erheben. Dazu Schmalenbach: „Man muss also regelmäßig Internetseite und Amtsblatt der Bezirksregierung studieren, ansonsten gehen die Termine an einem vorbei.“ Seine ironische Anmerkung: „Ein Hoch auf unsere Demokratie.“

Allerdings: Auch beim Fachdienst Stadtplanung und Geoinformation der Lüdenscheider Verwaltung sind die Projektpläne noch bis Ende Februar für die Öffentlichkeit einsehbar. Dafür ist eine telefonische Anmeldung nötig.

Man muss also regelmäßig Internetseite und Amtsblatt der Bezirksregierung studieren, ansonsten gehen die Termine an einem vorbei.

Hans-Georg Schmalenbach

In den Rathaus-Amtsstuben hat sich vor wenigen Tagen auch Hans-Georg Schmalenbach über den Trassen-Ausbau informiert. Seine Eindrücke: „Strommasten und Hochspannungsleitungen gibt es in unserem Gebiet ja schon viele Jahrzehnte. Daran haben wir uns gewöhnt. Die aktuellen Planungen haben aber eine ganz andere Dimension. So sollen die neuen Masten bis 74 Meter hoch sein, knapp doppelt so wie die alten. Eigentlich unvorstellbar.“ Vor der 2. Planänderung waren bis zu 80 Meter Masten vorgesehen. Sorge bereitet Schmalenbach auch, dass die Spannung in den Leitungen künftig um ein Drittel steigen soll – auf dann 380 000 Volt (380 Kilovolt).

Die Amprion GmbH

In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber – Tennet TSO, 50Hertz Transmission, TransnetBW und Amprion –, die die Regie über das Höchstspannungsnetz führen. Die Amprion GmbH betreibt nach eigenen Angaben mit 11 000 Kilometern Höchstspannungsleitungen. „In einem Netzgebiet, das von Niedersachsen bis zu den Alpen reicht, transportieren wir Strom mit Spannungsstufen von 220 und 380 Kilovolt. Um unser Netz auch künftig sicher und zuverlässig betreiben zu können, verstärken wir es und bauen es bedarfsgerecht aus.“ Amprion hat rund 2000 Mitarbeiter. Der Sitz ist Dortmund.

Derzeit formuliert Schmalenbach an seinen Einwendungen gegen das Projekt und führt dabei mögliche Gesundheitsgefahren und Landschaftsbeeinträchtigungen als Argumente an. Sein Vorschlag: die Erd-Verlegung der Stromleitungen.

Eine Anfrage zu technischen Details des Projekts hat die Firma Amprion bislang nicht beantwortet. Zu finden ist die Bekanntmachung online unter www.bezreg-arnsberg.nrw.de unter Bekanntmachungen (30. Januar).

Einzusehen sind die Pläne derzeit auch beim Fachdienst Stadtplanung und Geoinformation, Zimmer 535, Rathausplatz 2, nach Terminabsprache (Tel. 0 23 51 / 17 13 05; 17 26 92 montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr, sowie freitags von 8 bis 12 Uhr.

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