Von der Firma Hueck gefertigt

Kochgeschirr für unterwegs im Virtuellen Museum

+
Kompakt, handlich und praktisch präsentiert sich das Wandergeschirr. 

Lüdenscheid - Wer auf längeren Wanderungen unterwegs ist, tut auch heute noch gut daran, sich Verpflegung mitzunehmen. Wie viel wichtiger war das in früheren Zeiten, als das Wandern immer beliebter, die Infrastruktur mit gezeichneten Wegen und Zufahrten für Autos oder öffentliche Verkehrsmitteln zu den Wanderstrecken aber längst noch nicht im heutigen Ausmaß gegeben war. Ein Zeugnis früherer Lagerfeuer-Romantik wird heute Teil des Virtuellen Museums: ein Wandergeschirr aus Aluminium.

Konkret handelt es sich um ein Kochgeschirr, das unter der Bezeichnung „Wanderheil“ vertrieben wurde. Dies ist auch deutlich auf der Oberseite des Deckels eingraviert. Hergestellt wurde dieses praktische Utensil unter anderem von der Firma Eduard Hueck in Lüdenscheid, die noch heute Aluminium verarbeitet, aber für gänzlich andere Einsatzbereiche. 

Ein ganz ähnliches Kochgeschirr hatte Rainer Assmann vor einiger Zeit auf einem Trödelmarkt in Norddeutschland entdeckt und ebenfalls den Museen zur Verfügung gestellt. Auch dieses stammt aus Lüdenscheider Produktion. So sieht man lebhaft die Verbreitung der heimischen Produkte.

Wandern wird zur Massenbewegung

Das Objekt dokumentiert sowohl heimische Industriegeschichte als auch einen Aspekt der Gesellschaftsgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Denn seit dem 19. Jahrhundert wurde das Wandern als Freizeitaktivität immer beliebter. Der mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert vor allem im Bürgertum neu aufgekommenen Naturbegeisterung folgten die Romantiker des frühen 19. Jahrhunderts, die das Wandern mit der Entdeckung der Landschaft als Inspiration für Kunst salonfähig machten.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Institutionalisierung des Wanderns. Vereine wurden gegründet – wie auch die SGV-Abteilungen in Lüdenscheid und Umgebung – Wanderwege und -karten entstanden ebenso wie Schutzhütten und Aussichtstürme. Mit Ende des 19. Jahrhunderts und Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte das Wandern neue Bevölkerungsschichten. 

Mit dem Riemen konnte das Geschirr am Rucksack befestigt werden.

Die Naturfreundehäuser, in denen billig übernachtet werden konnte, erschlossen das Wandern und die damit verbundenen Ferien auch ärmeren Schichten. Mit der ebenfalls in dieser Zeit aufkommenden Wandervogelbewegung begehrten unter anderem Schüler und Studenten durch ihre Flucht in die Natur gegen die Gesellschaft der Kaiserzeit auf. Letztlich wurde das Wandern zur Erholung und als Urlaub immer populärer – und damit auch die Notwendigkeit, eine entsprechende Ausrüstung zu schaffen.

 Das Kochgeschirr lässt sich nicht zuletzt deshalb auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datieren, weil auf dem Deckel, neben dem Namen „Wanderheil“, auch die Abkürzung DRGM (Deutsches Reich Gebrauchsmuster) eingraviert ist. Dabei handelte es sich um eine Möglichkeit, Produkte vor Nachahmung zu schützen, die in Deutschland 1891 eingeführt wurde. Das DRGM galt bis 1945.

Unternehmen passen ihre Produkte dem Zeitgeist an

Die einzelnen Teile des Geschirrs lassen sich ganz einfach ineinander stapeln, sodass nur noch ein handlicher Topf übrig bleibt, der mit einem Lederriemen nicht nur zusammengehalten wird, sondern auch an einem Rucksack befestigt werden kann. Auseinandergenommen zeigen sich ein kleiner Brenner sowie ein Topf mit Deckel zum Erwärmen mit Speisen und ein Wasserkessel, die genau auf den Brenner passen. Der Kessel verfügt zudem über einen Kaffeefilter. Mit dieser Ausrüstung stand also einem ausgiebigen Wanderausflug, unter Umständen auch mit einer Übernachtung im Freien, nichts entgegen.

Gleichzeitig zeigt dieses Geschirr, wie die traditionsreichen Lüdenscheider Unternehmen sich mit ihren Produkten immer wieder dem Zeitgeist angepasst haben. Die Firma Eduard Hueck fertigte nicht als einzige in Lüdenscheid solche Wandergeschirre, sie mag aber als ein typisches Beispiel für die innovationsreiche Geschichte der Lüdenscheider Unternehmen gelten.

Das Kochgeschirr bietet alles, was man für das Zubereiten einer warmen Mahlzeit und eines heißen Getränks braucht. 

Gegründet wurde das Unternehmen 1814 durch die Gebrüder Hueck als „Fabrik in diversen Knöpfen und Handlung in Eisen-, Stahl- und Messingwaren“. Seit 1864 wird die Firma unter dem Namen Eduard Hueck geführt. An der Loher Straße nahm 1879 ein dampfgetriebenes Messingwalzwerk den Betrieb auf. 1908 folgte die erste Strangpresse. Das Walzwerk in Elspe für Aluminium- und Messingbleche entstand 1938. Beide Standorte gibt es noch heute. Aluminiumgeschirre oder wie zuvor auch für den Jugendstil typische Gebrauchsartikel aus Zinn werden aber schon lange nicht mehr gefertigt. 

Dagegen ist das Wandern bekanntlich heute wieder voll im Trend – Entspannung und Erlebnisse in der Natur, mit dem Rucksack unterwegs zu sein, als Gegenpol zu einer immer hektischeren Alltagswelt. Wer weiß, vielleicht sind sogar noch „Wanderheil“-Kocher irgendwo in Betrieb. Sie dürften kaum anders funktioniert haben als ein heutiger Campingkocher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare