Ausblick und Rückblick

Altstadtorgel als „Leuchtturm“ für Musik im Märkischen Kreis

Altstadtorgel Erlöserkirche Lüdenscheid Orgelweihe November 2018
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Im November 2018 wurde die Altstadtorgel eingeweiht.

Lüdenscheid – Als 2014 die Führer-Orgel in der Erlöserkirche aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden musste, wurde es still im ältesten Gebäude Lüdenscheids. Viele Bürger bedauerten diese Stille – und einige ergriffen die Initiative, getrieben von dem Wunsch, in der Altstadt ein musikalisches Zentrum entstehen zu lassen.

Nach zweijähriger intensiver Vorbereitungszeit erreichten engagierte Lüdenscheider 2016 die Anerkennung einer Stiftung durch die Bezirksregierung in Arnsberg. Gelungen war dies, weil großzügige Stifter zusammen zwei Drittel der Anschaffungssumme aufbrachten und die Behörde ihnen zutraute, das verbleibende Drittel durch Spenden einzuwerben. Bei Gründung der Stiftung gingen die Verantwortlichen von einer Investition in die Orgel in Höhe von 850.000 Euro aus. Da die Orgel einige Register mehr erhalten hat als ursprünglich geplant, kostete sie am Ende etwas über 900.000 Euro.

Die Orgel wurde am 3. November 2018 eingeweiht. Gebaut wurde eine besondere Orgel, die, so Hans-Christian Semmler als Vorstand der Stiftung Altstadtorgel, die „wie ein Leuchtturm der Musik im Märkischen Kreis strahlt.“ Entstanden ist mit 41 Registern und fast 3000 Pfeifen eine symphonische Orgel. Der Salzkottener Orgelbauer Albert Baumhoer wollte mit dieser Orgel sein Meisterwerk schaffen und machte einen guten Preis aus. Semmler: „Tatsächlich gibt es nur wenige Aufträge für eine Orgel, die sich in ihrer Konzeption kompromisslos an den seinerzeit revolutionären französischen Orgelbauer, Akustiker und Erfinder Aristide Cavaillé-Coll (1811 - 1899) anlehnt. Entstanden ist ein großartiges Instrument, auf dem viele Organisten spielen wollen.“

Der Blick aufs Geld

Zur Freude der Stiftung Altstadtorgel ist das Instrument dank der Spendenbereitschaft Lüdenscheider Bürger und einiger Enthusiasten außerhalb der Stadtgrenzen vollständig bezahlt. Der Bau der Orgel sei „ein ganz großer Erfolg. Die Ziele der Stiftung reichen jedoch wesentlich weiter. Der Stiftungszweck ist die Förderung von Kunst und Kultur durch die Förderung von Musikveranstaltungen in Lüdenscheid mit einem Schwerpunkt auf dem Orgelspiel“, sagt Semmler.

Der Rückblick

Im Oktober 2019 fand ein Meisterkurs für Improvisation statt. Junge Organisten wurden von herausragenden Musikern in der Kunst der konzertanten Improvisation geschult. Den Abschluss bildete ein Konzert von Meistern und Schülern. Aufgrund der Resonanz plant die Stiftung eine solche Akademie für jedes zweite Jahr. Im Februar 2020 veranstaltete die Stiftung ein Singer-Songwriter-Event, das nicht nur mit talentierten jungen Musikern, sondern auch durch eine beeindruckende Lichtinstallation und den Einsatz vieler junger Leute aus der Gemeinde überzeugte.

Kreiskantor Dmitri Grigoriev, Orgelsachverständiger Martin Rieker, Alhard Graf von dem Bussche-Kessell als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Altstadtorgel und Peter Ewers, Organist und Buchautor zu Aristide Cavaillé-Coll (von links) waren in der Planungsphase schnelll überzeugt, mit dem Ehepaar Baumhoer die richtigen Partner für den Orgelbau gefunden zu haben.

Auch diese Veranstaltung soll der Beginn einer Reihe sein. Das nächste Songwriter-Konzert ist bereits für den 27. Februar 2021 geplant. Kooperationen gibt es auch mit dem Kulturhaus: Im Oktober 2019 brillierte der Dozent für Orgel-Literaturspiel und Improvisation an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford Christoph Grohmann, in einem Meisterkonzert der Kulturhausreihe an der Altstadtorgel. Am 6. November diesen Jahres werden der Kreiskantor Dimitri Grigoriev und der Bass-Bariton Klaus Mertens geistliche Werke aus drei Jahrhunderten aufführen.

Der Ausblick

Am 3. Oktober wird Thierry Escaich, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten, Improvisatoren und Organisten, ein Orgelkonzert geben. Am 21. November nimmt die aktuelle MKK-Stipendiatin Lisa Hummel zum Thema „Feuer, Wasser, Luft und Erde“ an der Orgel Platz. Sie wurde aufgrund ihrer herausragenden Begabung von der Märkischen Kulturkonferenz mit dem Stipendium ausgestattet.

Songwriter Binyo spielte auf Einladung der Stiftung Altstadtorgel in der Erlöserkirche.

„Wir glauben, dass wir durch eine Vertiefung der Zusammenarbeit der Akteure im hiesigen Umfeld einen wichtigen Beitrag leisten, die Attraktivität der Altstadt und von Lüdenscheid insgesamt zu erhöhen“, so Semmler. Neben den bereits bestehenden Kooperationspartnern besteht ein enger Kontakt zu einigen privaten und öffentlichen Musikschulen des Märkischen Kreises. Darüber hinaus arbeitet die Stiftung an ihrer Außendarstellung, hofft auf Mund-zu-Mund-Propaganda und bemüht sich um eine Vernetzung mit den Social Media-Kanälen anderer Veranstalter. Die Kosten hält die Stiftung möglichst gering. So arbeiten das Kuratorium und auch der Vorstand ehrenamtlich. Feste Mitarbeiter gibt es nicht, gegenüber der Stiftung werden von den freien Mitarbeitern nur wenige Stunden abgerechnet. Allerdings können für die Veranstaltungen keine kostendeckenden Eintrittspreise verlangt werden. „Wir sind daher auf Zuwendungen von Spendern angewiesen, die unsere Arbeit schätzen“, sagt Semmler.

Die Patenschaften für die Orgelpfeifen, sind, so heißt es seitens der Stiftung, gut angenommen worden. Für die Hälfte der Pfeifen besteht inzwischen eine Patenschaft. Semmler: „Ich denke, es ist ein wunderbares Geschenk zum Geburtstag aber auch zur Hochzeit jemandem einen Ton zu schenken. Aber auch zu Ehren Verstorbener sind Patenschaften eingegangen worden. Die andere Hälfte der Pfeifen wartet noch auf Paten. Ich sage gern, dass jeder Euro seinen Klang hat. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch die weiteren Pfeifen vermittelt werden können.“

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