Sammelsystem soll caritative Verbände stärken

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Michael Lücker, Viola Link (Verbraucherberatung) und Guido Bartsch vom Märkischen Kreis bei der Vorstellung des Altkleiderprojekts.

Lüdenscheid - Etwa 60 Kleidungsstücke kauft ein Deutscher im Jahr. Das sind rund 14 Kilogramm, was einem übervollen Wäschekorb entspricht. 16 Teile davon landen in der Altkleidersammlung.

„Wo bleibt der Rest?“, ist eine der Fragen, die sich die Verbraucherberatung und der Märkische Kreis stellen. Und wie kann gesichert werden, dass Altkleider nicht kommerziellen Sammlern in die Hände fallen, sondern die Werte für die Arbeit gemeinnütziger Organisationen erhalten bleiben?

Vor diesem Hintergrund hat der Fachdienst Umweltschutz des Kreises eine Kooperationsvereinbarung mit 26 Partnern geschlossen, um Altkleider flächendeckend und haushaltsnah einzusammeln. In Lüdenscheid stehen derzeit 60 Behälter an 44 Standorten. Sie sind in aller Regel mit einem Kooperationslogo gekennzeichnet. Partner in Lüdenscheid sind Kolpingwerk, Awo, DRK und die Johanniter.

Ein Container pro 1000 Einwohner

Weitere zertifizierte Abgabestellen in Lüdenscheid sind die Kleiderkammer der Kirche St. Joseph und Medardus, „Klamöttchen“ (Kreuzkirchengemeinde), die Kleiderkammer des Diakonischen Werks, das Kinder-Kleiderstübchen „Pinocchio“ der Caritas und das Second-Hand-Warenhaus Traumland des Perthes-Werks.

Die Einführung der flächendeckenden Sammlung mit einem Container pro 1000 Einwohner bietet dem Kreis zugleich die Möglichkeit, gewerbliche Sammlungen zu verbieten. Bei 56 beantragten Sammlungen geht es in 28 Fällen um Altkleider. Diese Sammlungen werden oder wurden bereits untersagt, auch mit dem Risiko juristischer Auseinandersetzungen.

Informationen zum Thema gibt es über einen kostenlosen Flyer der Verbraucherzentrale an der Altenaer Straße und bei einem Info-Stand auf dem Stadtpark-Fest am 29. Juni. Neue Rufnummer der Umweltberatung: 0 23 51/3 79 50 05.

Mit der gebrauchten Kleidung wird offenbar gutes Geld verdient, haben die Verbraucherberater Michael Lücker und Viola Link hochgerechnet. Rund 430 Euro ist eine Tonne Altkleidung wert. Und dafür gehen kommerzielle Sammler auch das Risiko ein, illegal Container aufzustellen oder, seltener, waschkorbweise Straßenzüge abzusammeln.

Lediglich fünf bis zehn Prozent lassen sich nicht mehr verwerten. Der Großteil kann weiter getragen werden, Baumwolle kann man recyceln, unbrauchbare Reste zu Dämmstoffen, Filz oder Putzlappen verarbeiten. Hunderte Millionen Euro werden damit jedes Jahr umgesetzt. Fließt es nicht an caritative Organisationen, „entzieht man den Gemeinnützigen die Grundlage ihrer Arbeit“, sagt Guido Bartsch vom Märkischen Kreis.

Kaufverhalten hinterfragen

Das müsse auch Anlass für Verbraucher sein zu hinterfragen, wie man selbst mit Kleidung umgeht, wie das eigene Kaufverhalten sei, so Viola Link als Beraterin. Sinnvoll aus ökologischer wie ökonomischer Sicht sei natürlich, Kleidung lange zu tragen, sie weiterzugeben und sie schließlich über eine caritative Organisation zu entsorgen. - flo

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