Nach Vorfall auf Spielplatz

„Allerletzte Therapiechance“: Haftstrafe von 14 Monaten für Exhibitionisten

Lüdenscheid/Hagen - Der Exhibitionist, der sich am 24. Mai auf dem Spielplatz an der Kerksigstraße mehreren Kindern in schamverletzender Weise gezeigt hatte, bekommt eine letzte Chance.

Die 1. große Strafkammer des Landgerichts verurteilte den 55-Jährigen wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes zwar zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Auch eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung kam nicht in Betracht. Doch das Gericht ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, wodurch der Angeklagte eine allerletzte Therapiechance erhält. „Die Kammer hält es für unbefriedigend, den Angeklagten einfach einzusperren und nach 14 Monaten wieder zu entlassen“, begründete der Vorsitzende Richter Marcus Teich die Entscheidung. Gleichzeitig machte er mit Blick auf die vom Alkoholmissbrauch stark geschädigte Leber des 55-Jährigen deutlich, „dass sein Leben ganz schnell zuende sein wird, wenn er so weitermacht“. Begünstigt wurde die Entscheidung der Kammer dadurch, dass der letzte Versuch zu einer Therapie sehr lange her war. Allerdings sei dieser Versuch grandios gescheitert, begründete der Richter eine intensive Diskussion der Kammer vor der Urteilsverkündung.

Dass die Enthemmung durch den Alkohol eine Rolle beim Rückfall in alte Verhaltensmuster gespielt hatte – daran hatte niemand Zweifel. Doch das Gutachten des forensischen Psychiaters Dr. Bernhard Bätz attestierte dem 55-Jährigen ansonsten eine weitgehende Schuldfähigkeit, und so gab es keine Argumente für eine dauerhafte Einweisung des Angeklagten in eine geschlossene psychiatrische Klinik. Bedauern über einen verkorksten Lebensweg schwang mit, als Bernhard Bätz feststellte: „Unter günstigeren Umständen hätte er schon etwas aus sich machen können.“ Diese Feststellung stützte der Psychiater durch einen Sprachtest, der dem Angeklagten eine „gute verbale Intelligenz“ attestierte – gegen alle Vorbegutachtungen, die von einer geringen Intelligenz ausgegangen waren. „Er hat einiges drauf, was er leider nicht umgesetzt hat.“

Dass er sehr konstruktiv über seine Zukunft nachdenken kann, machte der Angeklagte vor dem Urteil deutlich: Immer wieder versicherte er, wie gerne er aufs Land ziehen würde, um vor den Versuchungen der Stadt einigermaßen sicher zu sein. Auch er hatte die Kammer um die Einweisung in eine Entzugsklinik gebeten, um ihm eine letzte Chance zu eröffnen, das Leben, an dem er doch hänge, noch eine Weile fortführen zu können.

Aufmerksamkeit für den Täter ist das Eine, der Blick auf die Opfer das Andere. Staatsanwältin Dorothée Jacobi erinnerte in ihrem Plädoyer an die Bedeutung des Schutzraums Spielplatz: „Die Bevölkerung und die Kinder müssen sich darauf verlassen können, dass die Kinder einen geschützten Bereich haben, in dem man sie unbeaufsichtigt spielen lassen kann.“

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