„Allein der Tag“ präsentiert Album auf Musikkassette

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Freunde der härteren Gangart kamen bei der Musik von „Allein der Tag“ auf ihre Kosten.

Lüdenscheid - Musiker, die ihr aktuelles Album auf Musikkassette veröffentlichen, müssen schon Idealisten sein. Dies trifft wohl auf die Formation „Allein der Tag“ zu, die ihren zweiten, selbst produzierten Longplayer „Kap Hoorn“ im Panoptikum vorstellte.

Wer das Werk der aus Lüdenscheid und Halver stammenden Musiker mit insgesamt fünf längeren Stücken hören möchte und kein Kassettendeck mehr besitzt, kann es sich kostenlos bei Spotify anhören sowie bei I-Tunes oder Amazon erwerben. Sebastian Schlepps, Bandmitglied von „Allein der Tag“, verteidigt die Vorzüge der Musikkassette, auf der die Band bereits ihr erstes Album herausgebracht hat: „Wir finden die Kassette einfach extrem gut, weil sie einen authentischen Klang hat“, meint der Gitarrist und Sänger.

Freilich ist ihm auch bewusst, dass der Verbreitungsgrad dieses Mediums nicht mehr allzu groß ist. „Jüngere haben uns schon ungläubig angestarrt und gefragt, was das komische Ding eigentlich ist und was man damit machen kann“, erzählt er. Umso höher sei der Sammlerwert der in sehr kleiner Auflage publizierten Alben in der Szene, meint der Musiker mit einem Augenzwinkern.

Musikalisch ordnet Sebastian Schlepps den Stil der Combo, die durch Patrick Gajda (Bass, Gesang), Jan Trester (Schlagzeug, Gesang) und Tom Homberg (Gitarre, Keyboard, Gesang) komplettiert wird, als „experimentellen Screamo“ und Post-Rock ein. Die 2010 gegründete Formation setzt sich aus Musikern einiger ehemaliger Bands der heimischen Szene –- „Identify the Stereotypes“, „Banish the Thoughts of Day“, „Perfect Funural Wheather“ und „Kleinstadtchaoten“ – zusammen.

Bevor die heimischen Musiker ihr bretthartes Werk mit deutschen Texten auf der Bühne vorstellten, eröffnete die Formation „Bangks“ aus Solingen den Abend und servierte kompetenten Indie-Rock vom Feinsten. Insbesondere die ersten drei Songs, die vom Debüt-Album der Band stammen, zeichneten sich durch ein klares Konzept sowie prägnante Keyboard- und Gitarrensounds aus und präsentierten sich eingängig, ohne jedoch zu mainstreamig rüberzukommen.

Besonders im Gehörgang haften blieben direkt zum Auftakt „Lost & Hate“ und „Head Up In The Sky“ sowie das atmosphärische „Lost And Found“. Zwischendurch sorgte die Combo, die sich aus Tim Sluiters (Keyboard, Gitarre, Gesang), Marius Goetze (Schlagzeug, Gesang), Marcel Heinrichs (Gitarre) und Sascha Thielmann (Bass) zusammensetzt, mit Reggae-Sounds („Wild Life“) sowie einem harten Gitarrenbrett („Shadows“) für Abwechslung. Es war allerdings bedauerlich, dass die Feinheiten der kompetent geschriebenen, hörenswerten Songs oft im ohrenbetäubenden Brachialsound untergingen, der wohl locker eine größere Halle hätte beschallen können und wahrhaft die Ohren bluten lies. Für die gewählte Soundanlage war die Kneipe an der Humboldtstraße definitiv zu klein.

Gleiches galt für die teils hammerharten Songs der Gruppe „Allein der Tag“, die neben den fünf Stücken ihres Tape-Albums weitere Songs aus ihrem Repertoire präsentierte. Die Lieder auf „Kap Hoorn“ drehen sich allesamt um jenen wilden Ort, an dem Atlantik und Pazifik aufeinandertreffen. „Atlantik“ und „Pazifik“ hießen somit auch die Opener des Auftritts, unter anderem gefolgt von „Allein der Tag“, dem ersten Song der Band. Während sich Sebastian Schleeps als Shouter erster Güte betätigte, verließ Gitarrist Tom Homberg auch gerne mal die Bühne, um dem Publikum ein wenig direkter einzuheizen. Insgesamt handelte es sich um einen Abend für Freunde der härteren musikalischen Gangart sowie Besitzer eines widerstandsfähigen Gehörs. - Von Björn Othlinghaus

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