Alle Christen im MK feiern heute Ostern? Mitnichten

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Dilber und Snezana Azirovic gehören dem serbisch-orthodoxen Glauben an. Beim Ostereier-Wettkampf kann nur einer Gewinnen. Der Verlierer gibt sein Osterei ab.

Lüdenscheid – Inmitten bunter Ostereier zelebrieren Christen weltweit den größten christlichen Feiertag – das Osterfest. Griechen, Russen, Rumänen, Serben, als Teil der insgesamt 200 Millionen orthodoxen Christen weltweit, feiern aber an einem anderen Tag.

Doch wie kann es sein, dass die orthodoxe Glaubensgemeinschaft das Osterfest an einem anderen Tag feiert, und welche Bräuche pflegen sie? In diesem Jahr feiern Katholiken und Protestanten die Auferstehung Christi am 21. April. Die orthodoxe Gemeinschaft am 28. April. 

Grund dafür: Die evangelische und katholische Kirche richtet sich nach dem Gregorianischen Kalender. Die orthodoxe Kirche allerdings nach dem Julianischen. Dieser beginnt einige Tage später. Die orthodoxe Kirche sieht die Patriarchen als die höchsten Vertreter an. Der serbische Patriarch Irinej Gavrilovic hat seinen Sitz zum Beispiel in Belgrad. 

Eine eigene Familien-Ikone

In der serbisch-orthodoxen Kirche gibt es viele goldverzierte Bilder von Jesus und anderen Heiligen – sie heißen Ikonen. Jeder gläubige Haushalt besitzt eine eigene Familien-Ikone. Auch die Messen in den Kirchen werden in einer besonderen Sprache gehalten, die heute nicht mehr gesprochen wird. Dabei handelt es sich um Altkirchenslawisch. 

Eine Gemeinsamkeit haben alle Christen: Die Fastenzeit beginnt sieben Wochen vor dem Fest. In diesem Jahr begann die Fastenzeit für die orthodoxe Glaubensgemeinschaft am 11. März. Es wird sich vegan ernährt. Wer fastet, verzichtet auf Fisch, Fleisch und Milchprodukte. 

Es wird noch strenger

In der orthodoxen Karwoche, die in diesem Jahr am 22. April beginnt, wird es noch strenger. Ab Gründonnerstag den 25. April, verzichtet man zusätzlich auf Öl. In der Karwoche gibt es jeden Tag eine Messe. Diese dauern in der orthodoxen Kirche sehr lange. Gründonnerstag erstreckt sie sich über vier Stunden. 

Während der Messe ist es erlaubt, die Kirche zu verlassen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder dazuzustoßen. 

  • An Gründonnerstag wird die Kreuzigung Jesu nachgestellt. Das Licht in der Kirche wird gelöscht. Ein Kreuz wird durch die Kirche getragen. 
  • An Karfreitag wird am sogenannte „Epitaphios“ gebetet. Dabei handelt es sich um eine Art Altar. Er soll das Grab Jesu darstellen. 
  • An Karsamstag wird es laut. Alle klopfen auf Kirchenbänke, um an das Erdbeben vor der Auferstehung Jesu zu erinnern. 
  • An Ostersonntag wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. 

Tradition ist es, dass die Frauen am Morgen des Gründonnerstags, die Ostereier färben. Früher war es üblich, die Eier ausschließlich in Rot zu färben, da diese Farbe das Blut Jesu symbolisiert. Heutzutage werden die Eier in verschiedene Farben und Mustern gefärbt. Das erste Ei soll aber ein rotes sein. Es wird als der Hüter der Heimat „Cuvarkuca“ bezeichnet und in der Kirche gesegnet. 

Dieses rote Ei wird das gesamte Jahr über aufbewahrt und soll der Familie Glück und Freude bringen. Die Serbinnen backen „Uskrsna pogaca“, ein traditionelles Osterbrot, das ebenfalls ein rotes Ei ziert. 

Haus gilt als gesegnet

Während der Auferstehungs-Messe werden Osterkerzen angezündet und der Priester verkündet: „Mir Boziji, Hristos se rodi“ – „Jesus ist auferstanden“. Die Menschen in der Kirche beglückwünschen sich gegenseitig mit den Worten „Hristos Vaskrs!“ und „Vaistinu Vaskrse!“ – „Jesus ist geboren!“ und „Er ist wahrhaftig geboren!“. 

Nach der Messe wird das heilige Licht mit nach Hause genommen. Es wird eine Öllampe unter der Familien-Ikone angezündet und mit dem Ruß ein Kreuz an der Eingangstür markiert. Damit gilt das Haus als gesegnet. Anschließend versammelt sich die Familie am Ostertisch. 

„Ich gebe mir immer sehr viel Mühe beim Decken des Ostertisches. Schon meine Mutter hat das früher immer getan, sagt Snezana Azirovic, die seit ihrer Kindheit das Osterfest feiert. 

Wettbewerb mit den Ostereiern

Der älteste am Tisch, meistens der Hausherr, nimmt sich ein rotes Osterei. Daraufhin gibt er jedem Familienmitglied ein rotes Ei in die Hand und der Wettbewerb beginnt: das Aneinanderschlagen der Ostereier. 

Derjenige, dessen Ei heil bleibt, der gewinnt und bekommt das zerschlagene Ei des Verlierers. Das Essen wird mit einem Osterei begonnen, erst dann darf man sich an den anderen Speisen bedienen. 

Die griechisch-orthodoxe Gemeinde lädt am 27. April, ab 22 Uhr in das Gotteshaus Maria Königin an der Kölner Straße 95 ein. Da mit sehr vielen Besuchern gerechnet wird, findet die Messe nicht in der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Nektarios statt. 

Die serbisch-orthodoxe Gemeinde feiert am 28. April an der Graf–Eberhard–Straße 1 in Altena. Die Messe beginnt um 10 Uhr.

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