Lüdenscheiderin absolvierte Praktikum

Alina Bartscher nach einem Jahr aus China zurück

Alina Bartscher (rechts) musste sich in Shanghai auch von ihrer Sprachpartnerin Siyu verabschieden.

Lüdenscheid/Shanghai -  Ein halbes Jahr hat die Lüdenscheiderin Alina Bartscher im 8800 Kilometer entfernten Shanghai verbracht. Dort absolvierte sie ein Praktikum bei der Außenhandelskammer. Immer wieder berichtete sie für Yourzz von ihren Erfahrungen. Jetzt ist ihre Zeit in China zu Ende.

„Plötzlich ging alles ganz schnell. Gefühlt war ich gerade erst in China angekommen, doch nun rückte der Abflugtermin näher. Am letzten Wochenende in Shanghai laden Julian und ich Freunde und Kollegen zu deutscher Kartoffelsuppe ein. Auch wenn ich einige aus der Runde mit Sicherheit wiedersehen werde, fällt der Abschied schwer.

Am nächsten Tag beginnt der Krieg mit den Koffern. Leider haben wir deutlich mehr Gepäck als bei der Anreise. Am Abreisetag bringe ich Julian zum Transrapid, der zum Flughafen fährt, da sein Flug vor meinem liegt. Trotz der Hitze trage ich lange Jeans und eine Jacke, da sie einfach nicht mehr in den Koffer passten.

Wie am Vormittag fahre ich die Rolltreppe hinab und steige rechts in die Metro. Der Zug fährt los, wir unterhalten uns, um uns herum plappern Chinesen, die Ansage der Stationen hört man kaum. Irgendwann schaue ich nach, welche Station wir aussteigen müssen. Der Schreck ist groß: Vormittags hatten wir eine andere Rolltreppe genommen, und diesmal hätten wir links einsteigen müssen, nicht rechts. Hätte ich doch noch einmal auf den Plan geschaut. Als wir zurück an der Station sind, wo wir eingestiegen waren, fährt irgendwo gerade der letzte Transrapid des Tages ab. Als wir an der Metrolinie ankommen, die auch zum Flughafen führt, ist die letzte Bahn vor fünf Minuten abgefahren.

Zum Glück warten draußen schon Taxen auf die Zuspätkommer. Zum Glück bin ich rechtzeitig aufgebrochen, sodass ich noch genügend Zeit bis zum Abflug habe. Im Flieger nicke ich rasch ein. Irgendwann fährt mir eine Stewardess mit dem Essenswagen gegen den Fuß. Mein linkes Auge juckt verdächtig. Beim Zwischenstopp in Moskau ist es zu einem Schlitz zugeschwollen. Die Klimaanlage im Taxi und meine Bindehaut haben sich wohl nicht vertragen. Halb blind irre ich über den Moskauer Flughafen, bis ich mein Abfluggate gefunden habe. In Düsseldorf erschwert mir das tränende Auge die Suche nach meinem Gepäck. Ich sehe kaum etwas, habe keinen einzigen Euro in der Tasche und meine deutsche SIM-Karte funktioniert nicht. Zum Glück laufe ich zufällig aus dem Ausgang heraus, an dem meine Eltern warten.

Zwei Tage später kann ich dank Augentropfen wieder klar sehen, dass ich nicht mehr in China, sondern im beschaulichen Lüdenscheid bin. Es erscheint mir fast unverschämt einfach, im Supermarkt einfach zu fragen, wenn ich etwas nicht finde. Niemand hupt, kein unbeleuchteter Elektroroller naht mit atemberaubendem Tempo auf dem Gehsteig, kein, mit 100 gestapelten Kartons beladenes Fahrrad weit und breit. Was früher normal war, kommt mir jetzt ungewohnt vor.

Ich bin gern wieder in Deutschland, aber China fehlt mir ein bisschen. Auf Dauer könnte ich mir nicht vorstellen, in einer Metropole wie Shanghai zu leben – zu weit sind die Distanzen im Alltag, zu groß die Hektik. Doch mein halbes Jahr in China war voller unvergesslicher Erfahrungen.“

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