Aktion "Reportertausch 2018"

Blick von außen: Auf Ochsentour durch den Stilleking

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Glück gehabt: Die Herde Heckrinder, die die Landschaft im Naturschutzgebiet Stilleking offen hält, hatte sich hier zu einer Auszeit niedergelassen.

Lüdenscheid - Wer in Lüdenscheid zur „Ochsentour“ im Naturschutzgebiet Stilleking aufbrechen will, der sollte besser vorbereitet sein als Hermann Hinrichs aus dem platten Emsland auf seiner ganz persönlichen Ochsentour für die Aktion "Reportertausch 2018". Hier ist sein Bericht.

Von Hermann Hinrichs

Wer in Lüdenscheid zur „Ochsentour“ im Naturschutzgebiet Stilleking aufbrechen will, der sollte besser vorbereitet sein, als ich es am Mittwoch auf meiner ganz persönlichen Ochsentour war. Dabei habe ich nicht nur Antworten auf die Frage gefunden, wie viel Raum Lüdenscheid der Natur bietet.

Die Schwierigkeiten fingen schon damit an, den richtigen Ausgangspunkt meiner Wandertour zu finden: eine exakte Adresse für das Navigationsgerät war nicht aufzutreiben, die Werkshagener Straße ist lang und immer wieder tauchten blaue Hinweisschilder für Wanderer auf.

Für Eingeweihte: die Beschilderung auf der Homert.

Nach einem Hinweis am Straßenrand auf die Homert und den Stilleking habe ich allerdings vergeblich Ausschau gehalten. Das Kleinod im Süden der Stadt war aber dann doch nicht gut genug vor mir versteckt.

Obwohl: Im Nachhinein hätten sich meine Beine sicher darüber gefreut. Erst ging es leicht bergauf zur schön angelegten Homert, dann auf die sogenannte Ochsentour durch den Wald steil bergab ins Tal zu den Heckrindern, von denen natürlich weit und breit keines zu sehen war.

Ich muss gestehen, die aufziehenden dunklen Wolken kamen mir nicht ganz ungelegen, so fiel die Entscheidung, lieber doch keinen Rundgang zu wagen, mit gutem Gewissen leicht. Ärgerlich nur, dass keines der Heckrinder zu sehen war.

Aber einem früheren Milchviehhalter bleibt kein Rind verborgen: Nach wenigen Metern Rückweg und einem letzten Abschiedsblick über die Schulter war in der Ferne doch etwas zu sehen und auch recht nah am Zaun - Regen und Rückweg mussten warten.

„Städtischer Gebirgswald“

Wieder oben auf der Homert angekommen war meine Ochsentour endlich zu Ende und ich war um eine Erkenntnis reicher: Für einen unsportlichen Flachländer wie mich ist ein gepflegter Aufstieg wie dieser, eine Herausforderung.

Der Stadtparks bietet auch Raum für kleine Naturschauspiele wie dieses.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die drohende Mühsal im Stilleking bekam ich aber schon im riesigen Stadtpark, der aus meiner Warte eher den Namen „Städtischer Gebirgswald“ verdient hätte. Unter einem Stadtpark versteht ein Papenburger ein Gelände von überschaubarer Größe, gestaltet mit einer Mischung aus Bäumen sowie gut gepflegten Grün- und Wasserflächen gepaart mit einem ordentlichen Spielplatz.

Dennoch hat der Lüdenscheider Stadtpark seinen ganz eigenen Reiz, der mir zeigt: es geht auch anders. Der Wald bietet viel Raum, um zur Erholung ins Grüne zu kommen sowie Kindern die Möglichkeit, Natur zu erleben und auch zu begreifen. Dafür steht besonders der liebevoll angelegte „Waldgarten“.

Im Stadtpark geht es nicht nur um Erholung, hier üben Kinder in ihrem eigenen Waldgarten auch den Umgang mit der Natur.

Spärlich fällt allerdings der Spielplatz aus, der aufgrund seiner geringen Größe wohl keinen großen Andrang verkraften kann. Die Waldbühne lässt dagegen wieder einen Gedanken aufblitzten, den ich beim Gang durch Lüdenscheid öfters hegte: Ich bin hier in der „Stadt des Löwenzahns" angekommen.

Egal, ob an den Straßenrändern, auf Verkehrsinseln, auf Sperrmüll befrachteten Hinterhöfen, vor dem Ehrenmal an der Parkstraße und auf der Waldbühne im Stadtpark, der Löwenzahn ist präsent. Noch präsenter im Stadtgebiet sind nur die vielen Bäume, die allerorten ihre Plätze behalten oder gefunden haben – eine tolle Sache, gerade angesichts dessen, dass es wohl auch in Lüdenscheid so manchen „laubscheuen“ Bürger geben dürfte.

Hermann Hinrichs, unser Mann von der Ems-Zeitung

Sparsam ausgefallen erscheint indes die Ausstattung der Bäume mit Nistkästen. Bei allen meinen Abstechern ins Grün habe ich gerade mal insgesamt gut ein Dutzend gezählt, von denen fast alle an einer Stelle im Stadtpark aufgehängt waren. Da ließe sich im Sinne der Vogelwelt sicher noch mehr erreichen.

Für meinen Geschmack lässt die Stadt Lüdenscheid „innen wie außen“ der Natur viel Raum. Klar, es geht immer mehr, es geht immer besser – aber wenn man wie ich aus einer Region stammt, in der so gut wie sämtliche Flächen intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, dann kann man als Naturliebhaber nur neidvoll auf Lüdenscheid schauen. - Herrmann Hinrichs

Aktion #ReporterTausch2018

Die Aktion „#ReporterTausch2018“ des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger ermöglicht es auch dem Redakteur Hermann Hinrichs von der Ems-Zeitung in Papenburg, für einen Woche in einer anderen Redaktion zu arbeiten.

Er ist 44 Jahre alt und seit elf Jahren als Lokalredakteur tätig. In dieser Woche nimmt er die Stadt Lüdenscheid unter die Lupe und berichtet Serie über die Eindrücke, die er auf seinen Streifzügen gesammelt hat.

Währenddessen arbeitet LN-Reporter Olaf Moos eine Woche lang bei den Nürnberger Nachrichten in Neumarkt in der Oberpfalz.

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