Cecelia ist in Lüdenscheid gut angekommen

Isatu Koroma ist glücklich, endlich ihre kleine Halbschwester Cecelia in den Armen halten zu können. - Foto: Günter Ozdyk

LÜDENSCHEID - Cecelia löffelt ein wenig Joghurt aus einem Becher und spielt dann weiter. Dabei brabbelt sie fröhlich vor sich hin, zeigt immer wieder, was sie gerade in Beschlag genommen hat – ein zweijähriges Kind eben. Was so selbstverständlich klingt, ist es gar nicht. Denn Cecelia ist erst vor gut einer Woche aus dem Ort Ghana in Sierra Leone am Frankfurter Flughafen gelandet und anschließend nach Lüdenscheid gekommen, nachdem sie ihre Halbschwester Isatu Koroma abgeholt hatte.

„Das ist alles noch ganz frisch. Jetzt muss ich wieder Windeln wechseln“, sagt die 48-Jährige und lacht. Schon mehr als 20 Jahre lebt sie in Lüdenscheid, hat zwei erwachsene Söhne, die jetzt plötzlich eine kleine Schwester haben. „Das ist noch ganz ungewohnt. Manchmal denke ich, sie ist auf Besuch“, sagt der 23-jährige Daniel, der in Dortmund eine Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann macht.

Große Unterstützung durch das Jugendamt

Cecelia wird zum Glück aber bleiben, denn Isatu Koroma hat sie adoptiert, nachdem zuerst ihr Vater und dann Mitte des vergangenen Jahres auch noch ihre Mutter in Sierra Leone verstorben waren. „Für so einen Fall gibt es in Sierra Leone keine Sorgerechtsregelungen“, beschreibt sie die Probleme, die zu lösen waren, damit Cecelia nicht als Waise aufwachsen musste. Zahlreiche Papiere mussten ausgestellt werden, um die beiden zusammenzuführen und der Kleinen in Lüdenscheid wieder eine Familie zu geben. Große Unterstützung erfuhr Isatu Koroma von Gabriele Teutenberg vom städtischen Jugendamt, dem Verein für Tages- und Pflegeeltern (Tupf) und dem Landesjugendamt. Um sich auf ihre Halbschwester und die neuen Aufgaben, die mit der Adoption verbunden waren, vorzubereiten, absolvierte sie ein Seminar. Das Jugendamt begleitet sie auch weiterhin.

Auch das Ausländeramt und die Botschaft waren involviert. „Es war teilweise ein schwieriger und langer Prozess“, sagen Günter und Margret Ozdyk vom CVJM, die durch ihre guten Verbindungen nach Sierra Leone dafür sorgten, dass Isatu Koroma dort bei befreundeten Entwicklungshelfern umsonst wohnen konnte, während die letzten Formalien vor Ort zu klären waren.

Glücksbringer übernehmen Flugkosten

Und auch der Verein Glücksbringer der Lüdenscheider Nachrichten sprang ein, um die Flugkosten in Höhe von rund 2500 Euro, die die 48-Jährige nicht aufbringen konnte, zu finanzieren. Auf den Aufruf in den LN kamen so viele Spenden zusammen, dass sie abgedeckt werden konnten. Noch am Freitag spendete die Bingo-Gruppe des Awo-Ortsverbandes 150 Euro für Isatu und Cecelia Kuroma. „Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen, die mich unterstützt haben. Das war und ist ein sehr schönes Gefühl, so gut aufgehoben zu sein.“

Cecelia ist inzwischen eingeschlafen – tief und fest. Schlapp liegt sie auf dem Schoß ihrer Mama, ist angekommen in ihrer neuen Familie. Die vielen neuen Eindrücke haben sie ein wenig geschafft – kein Wunder. - von Martin Messy

Wer gut erhaltene Anziehsachen für Cecelia hat, kann sie im CVJM-Heim an der Mathildenstraße abgeben. Auch wer eine Vier-Zimmer-Wohnung in Brügge zu vermieten hat, kann sich dort melden.

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