630 Jugendliche in Aktion

Lüdenscheids Schüler nutzen „Freiräume für dich“

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Gepflegter Horror beim Workshop „Narben, Wunden und Blessuren schminken“ in der Stadtbücherei.

Lüdenscheid - Was macht man als Lüdenscheider Jugendlicher mit einem geschenkten schulfreien Nachmittag? Dank des Aktionstages „Freiräume für dich“ haben Leni, Lynn-Emelie, Martha und Pauline an diesem Mittwochnachmittag keine Mühe, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

„Ich habe den Flyer in der Schule bekommen und habe mich sofort für das Handhäkeln entschieden“, erklärt die zehnjährige Leni. Die Idee von „Freiräume“ finden sie und ihre Häkelgenossinnen toll. Pauline betont: „Da waren soviel prima Sachen dabei. Ich hätte gern noch mehr Workshops besucht.“

44 verschiedene Aktionen

44 verschiedene Aktionen haben die Freiräume-Macher vom Stadtjugendring für den Veranstaltungsmarathon vorbereitet. Dazu gehört auch der Breakdance-Workshop mit Tanztrainer Lino. Er hat sich vor dem Eingang des Rathauses postiert, hat Turnmatten ausgelegt – und zieht die Jugendlichen magisch an. Schnell hat sich eine Gruppe von rund 20 Jugendlichen zusammengefunden, die mit Lino die ersten Bewegungsabläufe und Figuren einstudiert. Halsbrecherisch sehen die Verrenkungen aus. Aber es geht alles gut.

Narben- und Blessuren aus dem Farbkasten

So, als sei alles fundamental schiefgelaufen, sehen die Jungen und Mädchen aus, die im Aktionsraum der Stadtbücherei auf dem Boden sitzen. Blaue, rote und schwarze Wunden und Narben zieren die Gesichter. Die Jugendlichen warten aber nicht auf einen Krankenwagen, der sie zur Erstversorgung ins Klinikum bringt. „Wir haben am Narben- und Blessuren-Schminkkursus teilgenommen“, erklären Gina und Nora. Gina gesteht, dass sie auf Horror generell und auf Horrorfilme im Speziellen „total abfährt“. Gut, dass die „Freiräume“-Macher die richtige Aktionsidee für sie und ihre Vorliebe auf Lager haben.

Fahnenschwenken statt Schulstress

Im Bürgerforum des Rathauses warten derweil Frederik und sein Vater Dirk Rudzio auf den Beginn des Fahnenschwenker-Workshops. „Ich interessiere mich für Schützenfeste. Und die Fahnenschwenker fand ich schon immer ganz besonders großartig.“ Frederik ist seine Begeisterung anzusehen. Vater Dirk Rudzio erzählt, wie wichtig er Aktionen wie „Freiräume für dich“ findet und dass er das G8-Abitur sofort abschaffen würde – „wenn ich was zu sagen hätte“. Schulstress pur sei das für die Kinder und Jugendlichen.

„Freiräume für dich“ in Lüdenscheid

Taschennäh-Workshop in der VHS

Am Schulstress liege es nicht, dass sie so selten zum Nähen komme, gibt die 17-jährige Conni ohne zu zögern zu. „Ich habe einfach zu viele Hobbys. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dass dieser Taschennäh-Workshop in der VHS angeboten wurde.“ Die Aktion „Freiräume für dich“ ist bei Conni sehr gut angekommen. „Schade, dass man nur eine Veranstaltung besuchen konnte. Ich hätte gern noch mehr gemacht.“ Conni hofft aber, dass es eine Wiederholung des Aktionstages geben wird. „Dann bin ich garantiert wieder mit dabei.“

Mit dem "Kasper" durch den Bikepark

Zur gleichen Zeit jagt Mike Kaspar, Inhaber des Geschäftes „Radsport Kasper“, gemeinsam mit 15 Jungen und Mädchen im Bikepark hinter der CVJM-Kinder- und Jugendfreizeitsstätte Audrey’s über die Pisten. Im Audrey’s selbst ist ebenfalls jede Menge los. Mehr als 50 Mädchen sitzten, gebeugt über Tiegel und Töpfchen, zusammen und rühren ihren eigenen Lipgloss an. Audrey’s-Leiter Michael Heide-Gentz kann den Ansturm auf diesen Workshop kaum fassen: „Ich glaube, ich werde verrückt.“ Einige Teilnehmerinnen müssen mit ihren Lipgloss-Mischungen in den Außenbereich des CVJM-Heims ausweichen.

"Feldschlacht" mit Schlagknüppeln und Morgensternen

Wild geht es im CVJM-Heim an der Mathildenstraße zu. Dominik Büscher vom CVJM hat für seine Gruppe gleich zwei Angebote auf Lager: Jugger und Fingerrocket. Zuerst beschießen sich die Jugendlichen mit Gummieinmachringen (Fingerrocket). Dann geht es beim Jugger martialisch mit Schlagknüppeln und Morgensternen zur Sache. „Das sieht schlimm aus – ist aber total ungefährlich“, beruhigt Dominik Büscher. Und stürzt dann mit seinem Jugger-Team auf die gegnerische Mannschaft los. „Eine echte Feldschlacht. Geil“, freuen sich die Jungen und Mädchen über das Spiel, das eine Mischung aus Handball, Fechten und Rugby ist. Jede Menge Spaß haben die Teams, prügeln aufeinander ein, juchzen und freuen sich am Ende, sichtlich erschöpft, über den fairen Kampf, den sie sich geliefert haben. Und sie haben einen Wunsch. „Die Aktion war super. Hoffentlich gibt es bald wieder eine ‘Freiräume’-Aktion.“

Rund 630 Jugendliche haben sich beteiligt

Und nicht nur die Teilnehmer waren begeistert, sondern auch die Organisatoren. Ihre Bilanz fällt besser aus, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen ausgemalt haben. Rund 630 Jugendlichen haben an den verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Die Zahl beeindruckt, auch weil viele Schüler aus Lüdenscheid genau in dieser Woche auf Klassenfahrt unterwegs sind oder ihren Schulabschluss feiern. 41 Veranstaltungen wurden durchgeführt – nur drei mussten abgesagt werden.

„Ein Bombenerfolg“ ist die einhellige Meinung der „Freiräume“-Macher. „Die Jugendlichen aus Lüdenscheid haben den Hintern hochgekriegt und die Chance, die ihnen ‘Freiräume für dich’ geboten hat, genutzt. Das ist großartig“, sagt Michael Tschöke mit einem breiten Lachen.

"Freiräume" sind noch nicht vorbei

Der Erfolg motiviert alle: „Für uns sind die ‘Freiräume’ nicht vorbei – wir wollen gerne noch mehr auf die Beine stellen. Wir werden gucken, was geht und werden planen.“ Zu gut und groß sind die Netzwerke geworden, die die Beteiligten in den vergangenen 18 Monaten knüpfen konnten. Zu groß war die Begeisterung der Veranstalter der Aktionen und der Teilnehmer. Zu unbürokratisch und großzügig waren die Spenden der Sponsoren und Unterstützer. Das alles muss jetzt genutzt werden, darf nicht wieder brachliegen und einschlafen – sind sich die Organisatoren um Michael Tschöke einig. „Wir machen definitiv weiter.“

 

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