Busch-Jaeger und WKM

Zwei Aktien von Lüdenscheider Firmen 

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Die Busch-Jaeger Metallwerke haben 1933 Aktiem für 100 Reichsmark ausgegeben.

Lüdenscheid – Über Aktien Anteile an Firmen zu erwerben, ist gerade in Zeiten niedriger Zinsen eine beliebte, wenn auch spekulative Geldanlage. Dass Unternehmen sich auf diese Weise Kapital beschaffen, um Investitionen tätigen zu können, ist nicht neu. Im Virtuellen Museum zeigen wir zwei Aktien von Lüdenscheider Unternehmen aus den 1930er-Jahren: Eine über 1000 Reichsmark der Westfälischen Kupfer- und Messingwerke, vorm. Caspar Noell, aus dem Jahr 1936, die andere von den Busch-Jaeger Metallwerken aus dem Jahr 1933 über 100 Euro.

Die Geschichte der Aktien und damit der Finanzierung von Investitionen über den Verkauf von Anteilen, die nach einem Geschäftserfolg entsprechende Gewinne abwerfen sollen, geht auf die großen Handelskompanien des 17. Jahrhunderts zurück. Sie ist eng verbunden mit der Kolonialisierung und dem Handel mit den damals aus europäischer Sicht noch entlegenen Teilen der Welt. 

Die erste deutsche Aktiengesellschaft war die „Handels-Compagnie auf denen Küsten von Guinea“, später in Brandenburgisch-Afrikanische Handelskompanie umbenannt. Sie wurde von Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, am 17. März 1682 ins Leben gerufen. Etwa zehn Jahre später wurden ihre Aktivitäten nach Amerika ausgeweitet, aber im Gegensatz zu anderen europäischen Handelskompanien jener Zeit war ihr kein großer und langfristiger wirtschaftlicher Erfolg beschieden.

Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge der sich immer stärker ausbreitenden Industrialisierung, gewannen Aktien zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt um in die Infrastruktur, beispielsweise mit dem Bau von Bahnstrecken oder Telegrafen- und Telefonleitungen, zu investieren. Aber auch für produzierende Unternehmen gewann diese Möglichkeit der Finanzierung an Bedeutung. Mitte des 19. Jahrhunderts regelte das Königreich Preußen, zu dem die Grafschaft Mark und damit auch Lüdenscheid gehörte, das Börsenwesen und das Aktienrecht erstmals in einem Gesetzbuch. Damit konnten branchenunabhängige Aktiengesellschaften gegründet werden. 1850 existierten in Preußen 130 Aktiengesellschaften, bis 1870 kamen 295 hinzu.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt Blütezeit des Aktienwesens

Nachdem der Norddeutsche Bund 1870 ein neues Aktiengesetz eingeführt hatte, erlebte das Aktienwesen in Deutschland eine Blütezeit, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 anhielt. Auch kleinere Unternehmen nutzten nun Aktiengesellschaften als Rechtsform zur Finanzierung. In jener Zeit wurden auch die Westfälischen Kupfer- und Messingwerke (WKM) in Lüdenscheid – im Jahr 1898 – und Vorgänger-Unternehmen der Busch-Jaeger Metallwerke in Aktiengesellschaften umgewandelt. 

WKM geht zurück auf eine Firma, die Caspar Noell 1836 am Vogelberg gegründet hatte. Nach und nach kamen weitere Werke, insbesondere im Rahmedetal, wo die Wasserkraft genutzt wurde, hinzu. Die Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er-Jahre war für die WKM eine schwierige Zeit. Bis 1933 ging die Beschäftigtenzahl deutlich zurück. Die vorliegende Aktie datiert aus dem Jahr 1936, das war die Zeit, für die eine erfolgreiche Sanierung des Unternehmens dokumentiert ist. Bis in die 1990er-Jahre waren die WKM in Lüdenscheid ansässig, zuletzt unter anderem mit der Produktion von Haushaltsgeräten. Der letzte Standort des Unternehmens in Lüdenscheid an der Altenaer beziehungsweise Wiesenstraße ist heute zum einen Sitz des Gartencenters Kremer und zum anderen für den Bau der neuen Feuer- und Rettungswache vorgesehen.

Einen nominellen Wert haben solche historischen Aktien nicht mehr, aber unter Umständen haben Sammler Interesse daran.

Die Aktie von Busch-Jaeger ist datiert auf den 1. April 1933. Erst Ende 1932 war der Firmenname in Busch-Jaeger Lüdenscheider Metallwerke AG geändert worden. Zuvor hatten die elektrotechnischen Fabriken F. W. Busch und Gebr. Jaeger AG, die auf einen Zusammenschluss der Firmen Gebr. Jaeger, damals noch in Schalksmühle, und F.W. Busch AG im Jahr 1926 zurückgingen – und die Lüdenscheider Metallwerke AG (vorm. Jul. Fischer & Basse) fusioniert. Sowohl die Firma Gebr. Jaeger und die Firma Busch waren Ende des 19. Jahrhunderts in Lüdenscheid gegründet worden und erlebten mit der zunehmenden Verbreitung der Elektrizität ihren Aufschwung. Bis heute ist der Name Busch-Jaeger weltweit ein Begriff in der Elektro-Branche. Die Busch-Jaeger Elektro GmbH hat ihren Sitz nach wie vor in Lüdenscheid, inzwischen am Freisenberg, und ist ein Unternehmen der ABB-Gruppe. Die ehemaligen Busch-Jaeger Metallwerke an der Altenaer Straße hatten nach dem Zweiten Weltkrieg wechselnde Besitzerstrukturen. 2012 wurde das Unternehmen von der Lebronze-Gruppe in Frankreich übernommen und firmiert seitdem unter dem Namen Lebronze alloys Germany GmbH.

Historische Aktien sind nicht mehr börsennotiert, sie haben aber oftmals für Sammler einen gewissen Wert. Auch von WKM und Busch-Jaeger sind Aktien wie die beiden vorliegenden durchaus noch auf Verkaufsportalen im Internet zu finden.

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