Spiel mit jeder Körperfaser

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Neuer Stipendiat der Märkischen Kulturkonferenz: Nikola Komatina.

Lüdenscheid - Er ist ein Gewinnertyp, ein Künstler – und was das geflügelt Wort angeht, kommt Kunst bekanntlich von Können: Nikola Komatina ist der neue Stipendiat der Märkischen Kulturkonferenz.

Für das kommende Jahr sicherte sich der serbische Musiker im Kulturhaus durch sein Können jeden Monat eine Unterstützung in Höhe von tausend Euro. Im Rahmen des Auswahlkonzertes, bei dem sich fünf ausgesuchte Akkordeonisten vorstellten, spielte Komatina Werke von Olsen, Rameau, Moszkowski und sang ein traditionelles Roma-Lied im eigenen Arrangement.

Mit Marko Kassl hatte sich die Märkische Kulturkonferenz in diesem Jahr den Juror aus dem ausgeschriebenen Fach „Akkordeon“ mit ins Boot geholt. Neben Frank Zabel, dem Vorsitzenden der MKK, Ulrich Frenschkowski, seinem Stellvertreter Detlef Seidel, Gerhard Michalski (Oper Düsseldorf) und dem Pianisten Rainer Maria Klaas komplettierte der versierte Akkordeonist die Jury. Ihr gegenüber nahmen Neza Torkar, Manuela Maria Glock, Nenad Ivanovic, Julius Schepansky und Nikola Komatina mit ihren Instrumenten Platz. In einer Vorauswahl waren die Musiker Mitte August bereits bestimmt und angeschrieben worden, nachdem sie sich durch ihre jeweiligen Musikhochschule per CD-Einspielungen beworben hatten.

Neza Torkar eröffnete beim Auswahlkonzert die Vorträge mit dem Stück „Without a Title, Op. 72“ des dänischen Komponisten Poul Rovsing Olsen. Gewöhnungsbedürftig waren im Folgenden vor allem die Werke zeitgenössischer Komponisten wie beispielsweise „De Profundis“ aus der Feder Sofia Gubaidulinas, deren Disharmonien sich nur zögerlich im Bühnensaal des Kulturhauses auflösten. Töne, die mit einem Standardakkordeon nicht erreichbar sind und für deren Interpretation man ein spezielles Instrument mit einem Extra-Manual benötigt. Töne aber auch, die an den Hochschulen des Landes und bei jungen Interpreten auf Gegenliebe stoßen, bei traditionsorientierten Konzertgängern, die ein Akkordeon mit sakralem Orgelklang, Tango oder fröhlicher Liedbegleitung in Verbindung bringen, wohl eher nicht.

Die Akkordeonistin Manuela Maria Glock schien ihr Akkordeon mit jeder Faser ihres Köpers zu verinnerlichen. Gebannt der Gesichtsausdruck, mit zum Teil unfassbarer Geschwindigkeit flogen die Finger zwischen Pachelbel, Scarlatti und dem „Flashing“ des 2010 in Oslo verstorbenen norwegischen Komponisten Arne Nordheim über die Tasten. Nenad Ivanovic, 1988 in Serbien geboren und Student an der Hochschule für Musik in Freiburg, brachte Musik von Rameau, Malich und Moszkowski mit nach Lüdenscheid, Julius Schepansky, jüngsten Teilnehmer unter den Musikern, eröffnete seinen Vortrag mit „De Profundis“. Schöne Geste am Rande: Er ließ seine Gedanken in papierner Form vor seinem Auftritt an das Publikum verteilen.

Der Schlussakkord des Abends gehörte schließlich Nikola Komatina, auf seine Art ein Entertainer, dem nicht die Spur von Nervosität anzumerken war. Vielmehr betrat er mit einem gewinnenden Lächeln die Bühne, nahm Platz, wischte Hand und Instrument ab und spielte ebenfalls Olsens „Without a Title“. Nach den ersten Tönen schien es bereits, als würde der Student aus Detmold Geschichten mit seinem Akkordeon erzählen. Nikola Komatina konnte auf Erfahrung in Wettbewerben dieser Art zurückblicken, hatte er doch bereits in einem solistischen Auswahlvorspiel in Hamburg das begehrte Stipendium der Alfred-Toepfer-Stiftung gewonnen. Er ist Preisträger etlicher Akkordeon- und allgemeiner Musikwettbewerbe in Serbien, Polen und Deutschland, Preisträger der Hochschulwettbewerbe in Detmold und wurde 2013 mit dem Musikpreis der GWK (Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit) ausgezeichnet. Die Verbreitung folkloristischer Musik liegt dem Serben am Herzen, so würzte er seinen Vortrag ebenso selbstvergessen wie emotional mit einem gesungenen traditionellen Roma-Lied im eigenen Arrangement, bei dem das Akkordeon zum Begleitinstrument degradiert wurde.

Im Anschluss an die Vorträge zog sich die Jury zur Beratung zurück, bevor sie am späten Abend im Foyer bekanntgab: Der Stipendiat heißt Nikola Komatina. Der junge Musiker wird nun im Märkischen Kreis in den kommenden Monaten immer mal wieder zu hören sein, erste Kontakte wurden noch im Bühnensaal geknüpft. Der Dank der Veranstalter gilt wie in jedem Jahr vor allem den Arbeitgeberverbänden aus Iserlohn und Lüdenscheid sowie den Sponsoren, die in jedem Jahr dafür sorgen, dass Stipendien wie diese überhaupt vergeben werden können.

Am 23. Oktober wird um 19.30 Uhr die Ausstellung des Märkischen Stipendiums für Bildende Kunst/Fotografie in der Städtische Galerie Iserlohn am Theodor-Heuss-Ring 24 eröffnet. Am 3. November (Dienstag) beginnt um 18 Uhr die Auswahllesung für das Stipendium Literatur 2016 in der Stadtbücherei Lüdenscheid am Graf-Engelbert-Platz. Offiziell vergeben werden die Stipendien dann am 22. November ab 11 Uhr in den Städtischen Museen. Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.

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