Ärztlicher Notdienst: Bitte um Geduld

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Dennis Schwenck startet zu seiner fünften Schicht als Johanniter-Fahrer für den diensthabenden Notfallarzt im Fahrdienstbezirk Lüdenscheid, der drei Kreise umfasst. -

LÜDENSCHEID ▪ Viele Pannen im neu organisierten ärztlichen Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) haben auch in Lüdenscheid nicht nur Patienten verärgert. Es gab beispielsweise unnötige stundenlange Wartezeiten wegen großer Kommunikationsprobleme nach Anruf der zentralen Notrufnummer.

So erging etwa ein Auftrag der Zentrale an den Lüdenscheider Fahrdienstwagen für einen Einsatz in Siegen, während der Siegener Wagen gleichzeitig nach Lüdenscheid beordert wurde („ein Programmierfehler“). Etliche schmerzende Kinderkrankheiten räumen Johanniter-Regionalvorstand Hartmut Ecker und Andreas Daniel, KVWL-Pressesprecher, im Gespräch mit den LN ein.

„Aber es wird Tag für Tag besser“, sagt Ecker. Die Koordination klappe immer reibungsloser, die Zahl der Beschwerden gehe spürbar zurück. Wie berichtet, haben die Johanniter den Fahrdienst der diensthabenden Notfallärzte übernommen und insgesamt 300 neue Arbeitsplätze geschaffen, elf davon in Lüdenscheid.

Der Fahrdienstbezirk Lüdenscheid umfasst den Märkischen Kreis, den Kreis Olpe und den Kreis Siegen-Wittgenstein. Dazu wird noch der Hochsauerlandkreis bedient, erläutert Eckert. Wie für jeden Kreis stehen für den Märkischen Kreis insgesamt vier Fahrzeuge mit unterschiedlichen Einsatzzeiten zur Verfügung. Im wochentäglichen Einsatz (18 bis 8 Uhr) fährt ein Wagen die vollen 14 Stunden, ein zweiter von 18 bis 23 Uhr. Mittwochs fährt einer komplett von 13 bis 8 Uhr, ein zweiter von 13 bis 23 Uhr. Und an den Wochenenden fahren alle vier Wagen rund um die Uhr.

Eingesetzt werden sie von der zentralen Warte, wo unter der einheitlichen Rufnummer 01 80/ 5 04 41 00 sämtliche Notrufe eingehen. Dort sitzen laut Daniel Fachkräfte, die alle eine medizinische Aus- oder Vorbildung haben. Sie teilen den Anrufern zum einen die nächste Notfallpraxis mit (im Märkischen Kreis gibt es zwei, eine im Lüdenscheider Klinikum, eine im Iserlohner St.-Elisabeth-Hospital) oder vermitteln bei Bedarf einen Hausbesuch. Diesen organisiert dann ein Disponent, der den nächstgelegenen Notfalldienstwagen beauftragt. Je nach Zahl der Anrufer könne es aber wie früher auch eine Warteliste geben, die der Arzt je nach Diagnose und Dringlichkeit abfährt. Sind die Wagen in einem Kreis ausgelastet, werden Ärzte aus anderen Kreisen, die noch Luft haben, dorthin geschickt.

„Wir bekommen die Adresse des Notfall-Patienten direkt in unser Navigationsgerät eingegeben“, erklärt Dennis Schwenck, einer der neu eingestellten Johanniter-Fahrer, die alle auch eine Sanitätshelfer-Ausbildung absolviert haben. Der 22-jährige Lüdenscheider muss bei Schichtbeginn zum diensthabenden Notfallarzt fahren, der irgendwo im Märkischen Kreis sitzt. Der Disponent in der Zentrale kann an seinem Monitor sehen, wo die GPS-ausgestatteten Einsatzfahrzeuge gerade exakt sind und wieviele Einsätze sie noch haben.

An den ersten sechs Einsatztagen seien in Westfalen 4716 Hausbesuchsfahrten registriert worden, 489 in den drei Kreisen des Fahrdienstbezirks Lüdenscheid, sagt Daniel. Der Großteil davon an den Wochenenden. Er bittet alle Beteiligten noch um Geduld. Je nach Entwicklung könnten bei Bedarf in Kreisen mit hohen Einsatzzahlen durchaus die Arzt-Wagenkapazitäten erhöht werden. - wok

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