Ärzte sehen keine Alternative zum Vollstreik

Dr. Bernhard Schwilk

LÜDENSCHEID ▪ „Wir sehen keine Alternative zum Vollstreik“, stellte Jürgen Weber vom Streikkomitee der Klinikärzte gestern fest.

„Bisher hat unser Streik nicht die Auswirkungen gehabt, die wir uns wünschen würden“, sagte er. Nun hätten die Ärzte überlegt, wie sie eine nachhaltigere Wirkung erzielen könnten. „Auf der anderen Seite wollen wir unsere schwerstkranken Patienten auch weiterhin nicht im Stich lassen“, betonte Dr. Weber.

Ein Thema während der Streikvollversammlung sei der Vorwurf gewesen, den Dr. Bernhard Schwilk gegen die Lüdenscheider Klinikärzte erhoben haben soll. Wie berichtet, soll der Medizinische Geschäftsführer des Klinikums erklärt haben, die Ärzte würden sich ein zweites Einkommen sichern, indem sie Überstunden aufgeschrieben hätten, die nicht indiziert gewesen seien.

Im Gespräch mit den Lüdenscheider Nachrichten sagte Dr. Schwilk: „Dieser Vorwurf richtet sich nicht gegen den Einzelnen, sondern gegen das Kollektiv.“ Insbesondere gegen die leitenden Ärzte, die für die Organisation zuständig seien. „Wir hatten in den ersten vier Monaten dieses Jahres in Lüdenscheid deutlich weniger Patienten als 2009 und mehr Ärzte“, stellte er fest. Dennoch seien mehr Überstunden aufgeschrieben worden als im Vorjahr. „Das ist ein strukturelles Problem und nichts Persönliches“, erklärte der Privatdozent und meinte: „Ärzte fühlen sich häufig pauschal angegriffen.“ Zudem seien längst nicht alle Mediziner im Klinikum empört.

Welche Regelung es künftig bezüglich der Überstunden geben soll, wollte der Medizinische Geschäftsführer nicht „mit der Zeitung diskutieren“: „Das Thema steht hier auf der Agenda.“

Manfred Heise vom Betriebsrat wollte sich zu dem Vorwurf, den Dr. Schwilk gegen die Klinikärzte erhoben haben soll, gestern nicht äußern. „Der Betriebsrat würde sich darum kümmern, wenn die Ärzte uns dazu auffordern würden.“ Bisher sei das aber noch nicht geschehen, erklärte Heise.

Bevor Dr. Schwilk Medizinischer Geschäftsführer in Lüdenscheid wurde, war er am Universitätsklinikum Charité in Berlin tätig – unter anderem als Leiter der Stabsstelle Klinische Organisation. In dieser Position habe er Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet, sagte Dr. Kilian Tegethoff, Gesamtpersonalratsvorsitzender der Charité. „OP-Pflegekräfte wurden damals abgebaut, weil angeblich zu viel Personal da war“, berichtete Tegethoff. Doch dann seien die Effekte, die Dr. Schwilk im Rahmen des Reorganisationsprojektes vorhergesagt hatte, nicht eingetreten. Dr. Tegethoff: „Wir hatten große Schwierigkeiten, wieder qualifiziertes Personal zu finden.“ - cwi

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