„Niemand kommt aus Spaß“

Patientengebühr für die Notaufnahme? Das sagen die Ärzte des Klinikums

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Prof. Dr. Jan Galle (rechts), Direktor des Zentrums für Innere Medizin, und Markus Bald, Leiter der Notaufnahme, sprechen sich klar gegen eine Notaufnahme-Gebühr aus.

Lüdenscheid - Um den Patientenstrom in der Notaufnahme zu steuern, fordert der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, eine Gebühr. Das sagen die Märkischen Kliniken zu dieser Idee.

Prof. Dr. Jan Galle, Direktor des Zentrums für Innere Medizin, und Markus Bald, Leiter der Notaufnahme, widersprechen aus mehreren Gründen. Bald: „Das Experiment mit Zuzahlungen hatten wir bereits vor einigen Jahren. Das System hat sich als ungeeignetes Instrument erwiesen. Warum sollten wir das jetzt wiederholen?“

Die Menschen würden vielmehr aus Sorge und Angst um ihre Gesundheit angetrieben, die Notaufnahme aufzusuchen. „Es macht sich niemand in der Nacht aus Spaß oder Langeweile auf den Weg zu uns. Wer um 3 Uhr kommt, hat Not. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Patienten zu erziehen.“ 

Der KBV-Vorsitzende hatte seinen Vorschlag mit dem Hinweis begründet, dass immer mehr Menschen mit Schnupfen oder anderen Lappalien in die Notaufnahme strömten und dort das Personal überlasteten. „Ziel muss sein, dass wir nur noch diejenigen in den Notaufnahmen haben, die später auch stationär behandelt werden müssen“, sagte er. Alle anderen müssten ambulant versorgt werden – und bezahlen.

"Gebühr träfe die falsche Klientel"

Für Prof. Galle träfe eine Gebühr die falsche Klientel. „Finanziell nicht so gut gestellte Patienten werden dann nicht zu uns kommen und dringend behandlungspflichtige Erkrankungen verschleppen. Genau diesen Fall wollen wir nicht.“ Seit rund fünf Jahren hat sich die Situation am Klinikum mit der Notfallpraxis ohnehin etwas entschärft.

Sie ist Anlaufstelle für Patienten außerhalb der Sprechstundenzeiten der niedergelassenen Ärzte, kümmert sich um leichtere Fälle und entlastet damit die Notärzte. Die 116117 ist die Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes – überall in Deutschland. Die Notfallpraxis im Lüdenscheider Klinikum ist räumlich in den Bereich der Notaufnahme integriert. Dort werden alle Patienten von einem medizinischen Koordinator empfangen, der entscheidet, ob die weitere Behandlung in der Notfallpraxis oder in der Notaufnahme erfolgen muss. „Das führt dann manchmal dazu, dass die Schnupfen-Patienten bei den Kollegen etwas schneller drankommen.“ 

Doch die Zeiten in der Notfallpraxis sind eingeschränkt: montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 22 Uhr, mittwochs und freitags von 13 bis 22 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 8 bis 22 Uhr. „Eine Ausweitung der Präsenz wäre natürlich ideal für uns. Davon würden Notaufnahme und Patienten profitieren.“

Das verdeutlichen auch zwei Zahlen: 43.000 Menschen kamen im vergangenen Jahr in die Notaufnahme, 7000 in die Notfallpraxis.

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