Abgelenkt vom Smartphone

Hört jemand zu? Grüner Ratsherr "überführt" Lüdenscheider Politiker mit diesem Trick

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Was auf den Smartphones der Ratsherren so spannend ist, ist nicht bekannt. 

Lüdenscheid - Ein grüner Ratsherr hat die Nase voll. Während der Reden hört niemand zu, alle wischen auf ihren Smartphones. Dann hat er eine Idee.

„Da starren manche auf ihre Smartphones, statt zuzuhören.“ Starke Kritik übt Grünen-Fraktionschef Otto Bodenheimer an der Disziplin im Rat.

Normalerweise gilt die Ratssitzung, in der der städtische Haushalt verabschiedet wird, als die Stunde der Fraktionen und damit der Politik. Gerne spricht man von einer „Sternstunde der Demokratie“, denn diese Ratssitzungen gelten als zentrale Plattform zur Darstellung unterschiedlicher politischer Positionen. 

Otto Bodenheimer (Grüne)

Nicht so bei der letzten Ratssitzung dieses Jahres. Otto Bodenheimer, Fraktionsvorsitzender der Grünen, meinte zu Beginn seiner Haushaltrede, er freue sich, dass man in diesem Jahr auf die Anhebung der Grundsteuer und der Gewerbesteuer verzichte. 

"Schlafstunde der Demokratie"

Keiner rührte sich, obwohl dies nicht stimmte. „Daran erkenne ich, dass hier niemand zuhört“, beschwerte er sich über die mangelhafte Konzentration und die Unaufmerksamkeit der Ratsmitglieder und der Stadtverwaltung. 

Vorsätzliche Missachtung der Redner

„Ich habe das im Vorfeld meiner Rede beobachtet und dachte mir, jetzt mache ich mal einen Test. Da beschäftigen sich viele mit ihrem Smartphone, daddeln rum, hören nicht zu und missachten damit demonstrativ den Redner, der da vorne steht und sich im Vorfeld bei der Formulierung seiner Rede viel Mühe gegeben hat. Das war keine Sternstunde der Demokratie. Das war eine Schlafstunde der Demokratie. Ich war kurz davor, die Rede einfach abzugeben fürs Protokoll und sie gar nicht zu halten.“ 

„Ich finde das unmöglich“ 

Bodenheimer legt damit den Finger in eine Wunde, die immer wieder aufbricht – nicht nur in Ratssitzungen ist der Griff zum Smartphone und die typische Wischbewegung über den Bildschirm zu beobachten – ob vor Kopf bei den Verwaltungsvertretern oder unter den Politikern. 

Wenn es bimmelt, kostet es fünf Euro Strafe

Dabei haben sie sich selbst eine Strafe von fünf Euro auferlegt, wenn mitten in den Sitzungen das Handy bimmelt. Das hält manche offensichtlich nicht davon ab, ihr Gerät auf Stumm zu schalten und dennoch den ein oder anderen Blick aufs Mailverzeichnis zu werfen oder Botschaften zu versenden. 

„Ich finde das unmöglich“, betont Otto Bodenheimer.

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