Ärger über Schlägereien und Sonnenblumenschalen: Anlieger kämpfen um Image der Altstadt

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Eine beschädigte Altstadtlaterne in der Oberstadt ist wieder durch eine Absperrung gesichert.

Lüdenscheid - Sachbeschädigungen und Lärm: Auch wenn sich die Anlieger über vieles ärgern, so kämpfen sie dennoch um das Image der Altstadt. Ein Stimmungsbild: 

Es ist ein kleines Zeichen des Protests: Eine Ehrenamtliche aus dem Weltladen lockert den Boden rund um den kläglichen Stammrest im Rundbeet vor dem Geschäft auf. Vielleicht, erzählt sie, könne man hier ein paar Ableger von Gartenpflanzen einsetzen. Kostenneutral. Damit’s wenigstens etwas netter aussieht. Der STL habe sein Okay gegeben. 

Bereits im Oktober 2019 wurden zwei der drei Bäume vor dem Alten Rathaus gefällt. Die Hochbeete sollen im Zuge der Altstadtsanierung zwar ohnehin weg. Aber bis dahin ist der Anblick mitten auf der Wilhelmstraße alles andere als schön: Unkraut wuchert ungehindert mannshoch, die Baumbeete vermüllen. „Aus Plastikbechern wachsen keine Blumen“, stellt die Dame mit der Harke nüchtern fest. 

Weiter oben, Richtung Erlöserkirche, fällt ein abgesperrter Laternenstumpf auf. Die Altstadtlaternen brechen gerne mal ab, wenn ein Fahrzeug dagegen fährt. Jedes Mal eine kostspielige Reparatur. Ob diese vor dem Innenstadt-Umbau noch lohnt? Das Brunnenwasser plätschert auf herausgebrochene Pflastersteine. Und vor der Mauer um den Kirchplatz zeugen Schalen von Sonnenblumenkernen von einem weiteren Ärgernis: Die exzessive Knabberei hinterlässt nur schwer zu entfernende Reste. So massiv war die Schalen-Vermüllung vor der Kirche, dass sich Presbyter Olaf Belemann, zuständig für Liegenschaften der Versöhnungskirchengemeinde, genötigt sah, ein Verbotsschild an die Kirchentür zu kleben. 

Weitere Schilder weisen Besucher des Kirchplatzes ausdrücklich willkommen, geben aber ein paar Regeln an die Hand. Anfangs hätten Leute ihre Abfälle extra direkt unter das Schild gelegt, erzählt er: „Manche wollen es nicht verstehen.“

 Er spreche die Leute im Zweifel an: „Ich habe den Eindruck, wir befinden uns auf dem Weg der Besserung.“ Zu den Verhaltensregeln gehört auch, dass Ballspiele vor der Kirche verboten sind. 

Das hat einen entscheidenden Grund, wie Olaf Belemann erläutert. „Wir haben schwere Schäden an den denkmalgeschützten Kirchenfenstern.“ Wegen deutlicher Einbuchtungen in Ballgröße, aber auch mutwilliger Beschädigungen durch Luftgewehrschüsse müssten die Fenster restauriert werden. Doch Ausbau und Richtung der Metalleinfassungen seien sehr teuer: „Das könnten wir nicht stemmen.“ Nun prüfe man die Möglichkeit einer Förderung. 

Sachbeschädigungen und Lärm stören die Altstädter. Zuletzt beklagte Anwohner Otto Bodenheimer in einem Leserbrief, dass nächtliche Ruhestörer eine Scheibe in der Nachbarschaft eingeworfen hätten. 

Eigentlich genießt der Lüdenscheider die Sommer-Atmosphäre in der Altstadt. Aber: „Es geht darum, sich so in dem Umfeld zu bewegen, dass alle klar kommen“, sagt er im Gespräch. „Ich nehme das nicht einfach hin und ärgere mich. Wir müssen am Ball bleiben.“ 

Eben dass will auch Sigrid Schroeder, Vorsitzende des Altstadtvereins. „Es ist ein Miteinander“, sagt sie, „aus Wohnen, Leben, Geldverdienen.“ Letzteres aber bitte nicht bis morgens um 5 Uhr. Diesbezüglich kennt sie ihre Pappenheimer, sie kennt aber auch ihre Nachbarn. „Nur im Gespräch kann man etwas erreichen“, findet sie und bleibt bei Problemen hartnäckig.

 So hartnäckig mitunter, dass sie sich vor einiger Zeit von einer städtischen Mitarbeiterin pauschal Fremdenfeindlichkeit unterstellen lassen musste. Das könne es nun auch nicht sein, ärgert sie sich bis heute: „Es gibt in jeder Gesellschaft solche und solche.“ 

Erst, als es ein Mäuse- und Rattenproblem gegeben habe, sei Bewegung in das Thema Vermüllung gekommen. Mittlerweile sei das einstige Problemhaus verkauft. Mit dem neuen Besitzer sei man im Gespräch, die Chemie stimmt. Das ist wichtig, weil die Nachbarschaft in den Altstadtgassen naturgemäß enger ist als in Neubaugebieten auf der grünen Wiese. 

Dass es in den vergangenen Wochen gleich mehrere Polizeimeldungen von Auseinandersetzungen in der Oberstadt gegeben hat, beunruhigt sie und ihre Mitstreiter ebenfalls. 

Nun hat sich der Altstadtverein offiziell an den Bürgermeister gewandt. Der habe versprochen, sich des Themas anzunehmen. Zum Glück fahre die Polizei häufiger Streife, das erhöhe das Sicherheitsgefühl. 

Man selbst sei bemüht, Auffälliges zu dokumentieren – damit die Altstädter ernst genommen werden mit ihren Sorgen. Zugleich wird auf vielen Wegen versucht, Kunden in die Stadt, in die Geschäfte zu locken, die Verweildauer zu erhöhen, Gründe dafür zu schaffen, dass Lüdenscheid auch in der Umbauphase als lohnenswertes Einkaufs- und Gastroziel gilt.

 Ein Beispiel sind die Langer-Donnerstag-Veranstaltungen des Gastro-Vereins. Zwei der musikalischen Sommerabende an fünf Oberstadt-Stationen sind bereits gelaufen – für den Vorsitzenden Marc Tegtmeyer ein vielversprechendes Konzept. Ein Baustein von vielen, die das Image der Innenstadt prägen.

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