Alkohol, Drogen, Fäkalien

Anlieger ärgern sich über "Penner-Bänke" in Einkaufsstraße: "Katastrophe"

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Am helllichten Tag wird in die Blumenrabatten oder an Hauswände uriniert.

Lüdenscheid – Sie liegen auf den Bänken und schlafen, zerborstene Bier- und Schnapsflaschen und Kippen liegen auf dem Gehweg und in den hübsch bepflanzten Beeten, Passanten werden angepöbelt, Bedürfnisse werden in den Hinterhöfen verrichtet.

Was sich auf den Bänken im Bereich Knapper Straße in Höhe der Börsenstraße und der Friedrichstraße abspielt, bringt die dort ansässigen Geschäftsleute an den Rand ihrer Geduld. Als „Katastrophe“ bezeichnet es eine dort ansässige Geschäftsfrau – „ganz schlimme Zustände“ benennt es eine andere. 

Kurzum: Es ist für Kunden und Geschäftsleute eine Zumutung und wirft ein schlechtes Bild auf die Innenstadt. Aus Angst vor Bedrohung wollen die Geschäftsleute nicht namentlich genannt werden, aber alle sind sich einig: „Hier muss sich etwas ändern. Je mehr Alkohol im Spiel ist, umso lauter und aggressiver wird es.“ 

Auf der Bank in Höhe der Einmündung zur Börsenstraße ist es besonders schlimm. Tag und Nacht lungern dort zwielichtige Gestalten herum, es wird am helllichten Tag in die Blumenrabatten oder an Hauswände uriniert. Auch die Hinterhöfe, die eigentlich als Kundenparkplätze dienen sollen – oder auch die Wendeplatte an der Börsenstraße – gelten in der Szene anscheinend als offizielle Toilette. 

Die Bank an der Knapper Straße/Ecke Börsenstraße, eingerahmt von Blumenrabatten, hat bei verärgerten Bürgern und Geschäftsleuten mittlerweile den Ruf als „Pennerbank“.

„Zwischen den Autos werden Fäkalien hinterlassen, was wir da schon wegmachen mussten, ist unglaublich. Schreitet man ein und versucht es zu unterbinden, wird man bedroht“, sagt eine Geschäftsfrau verzweifelt. „Selbst unsere männlichen Mitarbeiter trauen sich nicht mehr einzuschreiten, wenn am helllichten Tag die Hose runtergelassen wird oder Passanten angepöbelt werden. Sie haben Angst vor Bedrohung“, schildert eine Geschäftsfrau die Umstände. 

Die Stammkunden des „Samtkragen“ können das bestätigen. „Wir sehen sie immer im Hinterhof verschwinden.“ Ein weiterer Treff in der Alkoholiker-Szene sind die Bänke an der Bushaltestelle „Rathausplatz“ und an dem Taxistand an der Einmündung zur Friedrichstraße. Auch hier gilt: Je später der Tag, umso höher der Alkoholpegel und umso aggressiver die Stimmung. 

In einigen Geschäften haben Obdachlose Hausverbot

In einigen Geschäften haben die Obdachlosen bereits Hausverbot, weil sie die Kunden oder das Personal angegangen sind. „Auch der Geruch nach Alkohol und Urin ist nicht zumutbar“, so die Angestellten unisono. Die Geschäftsleute berichten übereinstimmend von dunkelhäutigen jungen Männern, die aus ihrer Umhängetasche Drogen verkaufen. „Die kommen immer zu zweit oder dritt und dann wechseln kleine Pakete den Besitzer. Die Bänke, die eigentlich für Bürger, die sich bei ihrem Stadtbummel eine Pause gönnen wollen oder auf den Bus warten, gedacht waren, haben bei den Bürgern mittlerweile den Ruf „Pennerbank“. 

Vorschlag: Aufenthaltszeit begrenzen

„Die Bänke müssen weg“, so der Appell einer Geschäftsfrau. Ein Anwohner regt an, die Aufenthaltszeit per Schild zu begrenzen und Sozialarbeiter einzusetzen. Ein ansässiger Geschäftsmann schlägt vor, das Alkoholverbot auf diese von Obdachlosen besiedelten Flächen auszuweiten. 

Alkoholverbot gilt am Knapp nicht

Denn bislang gilt das Alkoholverbot laut der Ordnungsrechtlichen Verfügung der Stadt Lüdenscheid lediglich im Bereich von Bushaltestellen und Buswartehallen, des Platanenhains auf dem Rathausplatz, der Sitzstufenanlage vor dem Rathaus zwischen Altenaer Straße und Rathausplatz, des Neumann-Brunnens auf dem Sternplatz und des öffentlichen Platzes „Rosengarten“ zwischen Schillerstraße und Jockuschstraße.

Wieder andere hoffen, dass die Stadt an einer anderen Stelle einen Aufenthalts-Treffpunkt einrichtet. „Am Rande eines Parks beispielsweise. Es könnten einige Bänke aufgestellt werden, Mülleimer, Toiletten und vielleicht ein kleines überdachtes Häuschen, wo sich die Leute auch bei Regen hineinsetzen können.“ 

Das sagt das Ordnungsamt

Ordnungsamtsleiterin Martina Von Schaewen ist die Problematik bekannt. „Solange die kein Alkoholgelage haben, Leute angehen oder anbetteln, haben wir keine Rechtsgrundlage einzuschreiten.“ Laut Rechtsprechung sei das sozialübliches Verhalten, was hinzunehmen sei. Sie weist aber daraufhin, dass bei Pöbeleien das Ordnungsamt Platzverweise aussprechen könnte. 

Das sagt der Bürgermeister

Aufgrund der Beschwerden habe es bereits Gespräche mit dem Bürgermeister, dem Ordnungsamt und der Polizei gegeben. Bürgermeister Dieter Dzewas verspricht: „ Wir werden im Rahmen unserer eng begrenzten rechtlichen Möglichkeiten alle Optionen prüfen, um eine Belästigung für Anlieger zu vermeiden.“ 

Das sagt die Polizei

Und Polizeisprecher Christof Hüls erklärt: „Die sitzen außerhalb der Alkoholverbotszone. Bislang wurde uns keine Häufung von Straftaten angezeigt, sodass wir keine Möglichkeit haben einzuschreiten.“ Der Polizeisprecher rät: Bei konkreten Beobachtungen solle unmittelbar Kontakt mit der Polizei aufgenommen werden. Wichtig sei auch eine konkrete Personenbeschreibung. CG

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