Wie Adolf zu Stefan wird: Namensänderungen sind keine Seltenheit

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Statt Adolf nur noch Stefan: Einmal gab es diesen Fall der Namensänderung im Märkischen Kreis. Einfach durchzusetzen ist das aber nicht, triftige Gründe müssen erklärt und vor allem nachgewiesen werden.

Lüdenscheid - Der eigene Name ist etwas sehr persönliches. Nach Belieben darüber verfügen darf man aber nicht – eine Änderung bedarf sehr triftiger Gründe. Doch warum lässt man seinen Namen überhaupt ändern?

Bianka Drachsler aus dem Lüdenscheider Kreishaus weiß: Selten liegt das daran, dass er nicht gefällt. „Der Vorname“, ein Film von Sönke Wortmann, läuft seit Oktober in den Kinos. Dabei dreht er sich vor allem um eine Frage: Was bewegt Eltern dazu, ihr Kind in der heutigen Zeit Adolf zu nennen? 

27 Menschen mit diesem Namen leben in Lüdenscheid. Jüngst hinzugekommen ist aber keiner, wie die Stadt auf Nachfrage erklärte. „Es sind alles Jahrgänge von 1925 bis 1960“, sagt Stadtsprecherin Marit Schulte. Doch klar ist: Einfach so, selbst bei einem geschichtlich gesehen überwiegend negativ behafteten Namen wie Adolf, wird keine Namensänderung bewilligt.

Jährlich 50 bis 60 Anträge auf Namensänderung

„Das ist sehr schwierig und kostenintensiv“, sagt Bianka Drachsler, die als Verwaltungsfachangestellte bei der Ausländerbehörde für Namensänderungen zuständig ist. Jährlich werden in Lüdenscheid etwa 10 bis 15 Anträge eingereicht, kreisweit sind es 50 bis 60. „Es braucht triftige Gründe, um seinen Namen zu ändern. Und die muss man auch erklären und nachweisen können.“ 

An einen sehr speziellen, aber seltenen Fall im Märkischen Kreis kann sich Drachsler erinnern: „Tatsächlich kam ein Adolf zu uns, der ein großes Problem mit seinem Namen hatte“, erzählt sie. „Die Familie konnte attestieren, dass der Junge aufgrund seines Vornamens psychische Beeinträchtigungen im täglichen Alltag hatte. Wenn uns solche Beurteilungen von Ärzten oder Psychologen vorliegen, genehmigen wir in der Regel den Wunsch des Antragstellers.“ 

Bei der Ausnahmeregelung gab es aber einen Vorteil: Adolf war der zweite Name des Jungen. „Er hieß auch Stefan und hat den Namen Adolf einfach streichen lassen.“ 

Namen werden meistens nur vereinfacht

Die meisten Anträge kämen aber von Menschen, deren Namen eine schwierige Aussprache oder Schreibweise haben, weil sie etwa aus dem Ausland kommen. „Die Namen werden dann meistens angepasst.“ Häufiger seien auch Anträge für Pflegekinder: „Wenn absehbar ist, dass sie bei einer Familie bleiben, wollen sie oft den Familiennamen ändern. Dabei geht‘s ums Zugehörigkeitsgefühl“, sagt Drachsler. 

Günstig ist das nicht: 154 Euro werden in der Regel für den Vornamen und 512 Euro für den Nachnamen fällig – pro Person. Variieren können die Kosten je nach Alter und bei Sonderfällen. Übrigens: Wer nur die Reihenfolge seiner Vornamen ändern möchte, hat es leichter. Seit dem 1. November ist das direkt beim Standesamt möglich.

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