Acht Jahre Haft nach massenhaftem Missbrauch

LÜDENSCHEID/HAGEN ▪ Nahezu regungslos sitzt Jörg B. in seiner blauen Anstaltskleidung auf der Anklagebank des Hagener Landgerichts. Gerade hat der 47-Jährige, der zugegeben hatte, die Tochter einer Bekannten mehrfach sexuell angefasst zu haben, sein Urteil erfahren: Acht Jahre Haft – unter Einbeziehung älterer Urteile.

„Nach und nach keimten sexuelle Wünsche und Gelüste in dem Angeklagten auf“, so die Vorsitzende Richterin am Dienstag in der Urteilsbegründung. Sie fasste die Beziehung zwischen Täter und Opfer noch einmal zusammen: Im Jahr 2004 hatte der Lüdenscheider Mutter und Tochter in einem Schwimmbad kennengelernt, die Erwachsenen hatten sich angefreundet, es war zu häufigen Besuchen des Angeklagten gekommen. Für die Mutter wohl zu häufig, denn nach einiger Zeit hatte sie den Kontakt zu Jörg B. abgebrochen.

Ende 2005 war es zu einem zufälligen Wiedersehen gekommen. Hatte sich der Kontakt nach dem Kennenlernen eher auf die Mutter konzentriert, war nun eine enge Beziehung zwischen dem späteren Opfer und dem Lüdenscheider entstanden. Richterin: „Er sorgte für ihr persönliches und schulisches Fortkommen, verbrachte viel Freizeit mit ihr und übernahm erzieherische Aufgaben.”

Irgendwann hatte Jörg B. jedoch gemerkt, dass er sich auch sexuell für das Mädchen interessierte. Kurz vor ihrem zwölften Geburtstag war es zu einem ersten verbotenen Übergriff gekommen. “Beim ersten Mal wehrte sich das Mädchen noch. Sie konnte mit der Tat nichts anfangen”, so die Vorsitzende Richterin gestern. Nachdem der Angeklagte dem Mädchen gedroht hatte, sie dürfe bei Widerstand nicht mehr zu ihm kommen, und er würde ihr auch nicht mehr helfen, hatte das Opfer die weiteren, immer massiver werdenden Übergriffe über sich ergehen lassen. „Das Mädchen war von den Drohungen beeindruckt. Von da an konnte der Angeklagte frei schalten und walten und sich des Mädchens je nach Bedarf bedienen.”

Ursprünglich waren 251 Taten angeklagt. Darunter auch der Besitz kinderpornografischen Materials. Diese Vorwürfe wurden jedoch eingestellt, da sie im Vergleich zu den übrigen Taten als untergeordnet anzusehen waren. Erheblich strafmildernd wirkte sich das Geständnis des Lüdenscheiders aus, da er dem Opfer damit eine Aussage vor Gericht ersparte. Gegen ihn sprachen jedoch 19 Vorstrafen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Während Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreter Dominik Petereit für acht Jahre Freiheitsstrafe plädierten, forderte Verteidiger Jörg Luckas eine Strafe von sieben Jahren und drei Monaten. Es bleibt abzuwarten, ob es eine Revision gibt. - jape

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