Für Petra Crone ist das Kapitel Bundestag jetzt endgültig beendet

Abschied mit guten Gefühlen

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Vom Büro fiel der Blick auf den grünen Innenhof – ein idyllischer Fleck inmitten der parlamentarischen Hektik. - Fotos: Eiber

Märkischer Kreis/Berlin  - Staubige Baufahrzeuge, klimatisierte Reisebusse aus dem In- und Ausland, blitzblanke Regierungs- und Diplomatenkarossen, rücksichtslose Rad- und Motorrollerfahrer und ein buntes Heer an Fußgängern mit Kameras, Aktentaschen oder Brötchentüten in der Hand – an der Kreuzung Dorotheenstraße/Wilhelmstraße ist tagsüber eine Menge los.

Der Verkehrsknoten liegt nur wenige Meter vom Berliner Reichstag und dem Boulevard Unter den Linden entfernt. In einem Eckgebäude sind Abgeordnete des Deutschen Bundestags untergebracht. In den vergangenen Tagen mussten Haustechniker und Möbelpacker ein paar Extraschichten schieben. Viele zogen aus, noch mehr müssen untergebracht werden. Auch für Petra Crone ist jetzt endgültig Schluss.

Heute tritt das neue Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen und löst damit den alten Bundestag und seine Mandatsträger ab. Für die Kiersper Sozialdemokratin sind acht Jahre Abgeordnetentätigkeit in der Bundeshauptstadt damit ein Stück Geschichte. „Die Zeit ist wie im Flug vergangen.“ Das Büro in dem Eckgebäude ist längst ausgeräumt. Viele Erinnerungsstücke, die Schreibtisch, Schränke und Wände schmückten, wurden in Kisten verpackt, dazu kiloweise Akten, Broschüren und Magazine verstaut und an die Kiersper Heimatadresse geschickt. Der Abschied von den engen Berliner Mitarbeiterinnen Antje Kniffka, Susan Grzybek, Anna Conrad und Sandra Lechelt, die alle eine neue berufliche Zukunft gefunden haben, ist ihr nicht leichtgefallen, die Kollegen im Wahlkreis, Doris Petermeier (Lüdenscheid) und Heiko Becker (Olpe), bleiben in nachbarschaftlicher Verbindung. Die Entscheidung, auf eine dritte Kandidatur zu verzichten, fiel vor rund einem Jahr. „Jetzt können auch mal Jüngere ran“, sagt die 67-Jährige. Somit war der Auszug nicht mit einer persönlichen Enttäuschung verbunden.

Davon gibt es rückblickend aus einer „sehr arbeitsreichen, spannenden und aufregenden Zeit“ zum Glück auch nicht viele. In ihrer Zeit im Parlament arbeitete sie in den Ausschüssen „Ernährung und Landwirtschaft“ sowie „Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ mit, hatte dort die Schwerpunkte „Seniorenpolitik, Pflege, Gleichstellung und demografischer Wandel“ beziehungsweise „Wald, Forst und Jagd“. 

Akten, Broschüren und persönliche Erinnerungen aus einer achtjährigen Arbeitszeit im Parlament – alles fand Platz in zahlreichen Kisten und Kartons.

Die Reform der Pflegeberufe, die sie verantwortlich für die Fraktion ausgearbeitet hat, das Lohntransparenzgesetz, das zu mehr Lohngerechtigkeit zwischen männlichen und weiblichen Kollegen in Betrieben führen soll, die Mitarbeit am 7. Altenbericht und schließlich die Aufgaben als demografiepolitische Sprecherin ihrer Fraktion haben die tägliche Arbeit bestimmt. Besonders auffällig wird der Brückenschlag zwischen Wahlkreis und Berlin im Bereich Demografie. Die in ihrem Wahlkreis verankerte Arbeitsgruppe, die eine sich wandelnde Alterstruktur thematisiert, hat sich selbst verändert – aus einer kleinen Runde ist ein 50-köpfiger Kreis von Akteuren aus ganz unterschiedlichen Bereichen gewachsen. Die Treffen mit Vertretern von Gewerkschaften, Politik, Wirtschaft, Kirchen und Wissenschaft ist ihr auch über das Bundestagsmandat hinaus gerade für die ländliche Region wichtig. „Wir machen auf jeden Fall weiter“, unterstreicht Petra Crone nachdrücklich.

Dass in ihre Berliner Zeit gleich drei Wahlen zum Bundespräsidenten stattfanden, bleibt ihr wegen der ungewöhnlichen Atmosphäre der Bundesversammlung nachhaltig in Erinnerung. „Das war schon ein besonderes Gefühl mit einem bunten Bild.“ Das wurde wegen des großen AfD-Blocks bei der Wahl von Frank-Walter Steinmeier aber eingetrübt. „Da merkte man schon eine Stimmungsänderung.“ Der Aufschwung der Populisten bei der Bundestagswahl bereitet ihr erhebliche Sorgen. „Wir müssen Politik besser erklären und intensiver zuhören“, sind ihre Ratschläge. Doch man dürfe nicht alles bei den Parteien abladen. „Der Bürger hat auch eine Holschuld, um sich zu informieren. Wir können als Abgeordnete und Kandidaten nicht mit jedem Einzelnen reden, müssen aber zeigen, was Demokratie bedeutet.“

„Die Arbeit hat sich gelohnt“

Einsatz, Entscheidungswille und Präsenz im Wahlkreis haben sich in den vergangenen Jahren beim politischen Gegner rumgesprochen – auch im „schwarzen“ Kreis Olpe. Frau, Sozialdemokratin und nicht katholisch – mit solchen „Handicaps“ war es vor acht Jahren kein einfacher Start. „Bei Veranstaltungen wurde ich ganz einfach ignoriert“, erinnert sie sich noch heute. „Nach einiger Zeit hatte sich die Einstellung total gedreht. Deshalb kann ich heute mit gutem Gewissen sagen: Die Arbeit hat sich gelohnt.“ Jetzt bleibt mehr Zeit für das, was in den Jahren zu kurz gekommen ist: Sport, Kultur und vor allem die Familie.

Ganz loslassen von Berlin wollen sie und ihr Mann, der häufig mit an die Spree reiste, übrigens nicht. In der Altbauwohnung in Wilmersdorf stehen keine Umzugskartons. „Die behalten wir.“

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