Abriss von historischem Gebäude im MK: Das Gift ist noch im Boden

friedrichstraße lüdenscheid
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Der kontaminierte Boden an der Friedrichstraße 11 wurde nach Angaben des Verbands für Flächenrecycling und Altlastensanierung abgedichtet.

Über mehrere Jahrzehnte gelangte das krebserregende Gift Chrom 6 vom Gelände der Galvanik Schweitzer in Lüdenscheid nahezu ungefiltert ins Grundwasser. Proben auf dem ehemaligen Firmensitz vor etwa zwei Jahren ergaben alarmierende Überschreitungen des Grenzwerts für Chrom 6 sowie für die ebenfalls gefährlichen per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC).

Lüdenscheid – In der Folge wurden alle Gebäude auf dem Grundstück an der Friedrichstraße 11 abgerissen (wir berichteten). Jetzt soll der kontaminierte Boden entfernt werden.

Nach dem Abriss vor etwa einem Jahr wurde die Oberfläche auf dem Gelände nach Angaben von Inken Passe komplett abgedichtet, „um zu verhindern, dass die Schadstoffe über das Sickerwasser ins Grundwasser gelangen.“ Passe ist zuständige Projektleiterin beim Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV), der die aufwendige Sanierung des Innenstadt-Grundstück in Zusammenarbeit mit Märkischem Kreis und Stadt Lüdenscheid koordiniert.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl71.911 (Stand: 31.12.2020)

Der nun von einem Gutachter vorgelegte Sanierungsplan befinde sich in der Abstimmung mit den beteiligten Behörden. Derzeit werde für die Altlastensanierung ein Vertrag zwischen AAV und Stadt erarbeitet, bestätigte Stadtsprecherin Marit Schulte-Zakotnik gegenüber unserer Zeitung die aktuellen Entwicklungen. Liegt dieser vor, werden die politischen Gremien – voraussichtlich im Herbst – informiert und beteiligt.

Abriss von historischem Gebäude im MK: Vollständige Beseitigung als Ziel

Ziel des Sanierungsplans ist die nahezu vollständige Beseitigung des kontaminierten Bodens auf dem ehemaligen Galvanik-Standort. Das bedeutet, dass das verseuchte Material ausgekoffert und anschließend fachgerecht entsorgt werden muss. Läuft alles nach Plan, sollen die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen. Die Nachbarn und die Öffentlichkeit würden in diesem Fall rechtzeitig informiert. Nach der Sanierung könne die Fläche wie geplant für einen Neubau genutzt werden, sagt Inken Passe. Was genau dort entstehen soll, verriet Stadtsprecherin Schulte-Zakotnik allerdings noch nicht. Die Stadt ist seit etwa vier Jahren Eigentümerin. Nur dadurch war nach der Entmietung des Wohnhauses eine schnelle Altlastensanierung der Fläche möglich.

Zuletzt hatte der AAV durch mehrere Schürfen auf dem Gelände die örtliche Verteilung der Schadstoffe präzisiert. Die Konzentration der Giftstoffe sei bei den Untersuchungen im Bereich der Erwartungen gewesen und nicht zu vernachlässigen, sagt Projektleiterin Passe. Also deutlich über den Grenzwerten. Der Grund für die hohe Belastung: Das Betriebsgelände der Galvanik Schweitzer war sehr eng bebaut. Der Hallenboden war zudem durchlässig. Schadstoffe versickerten so auf sehr kleiner Fläche über viele Jahre ungefiltert im Boden und reicherten sich dort an.

Neben den Bereichen mit hohen Chrom-6-Konzentrationen macht der Altlastensanierer-Verband auch beim erst jüngst in den Fokus geratenen PFC an der Friedrichstraße keine Kompromisse mehr und beseitigt die Schadstellen komplett. Damit ist der Job des AAV in Lüdenscheid aber noch nicht erledigt. Auch nach der Altlastensanierung bleiben die Experten an Bord und sollen fortlaufend das Grundwasser im Bereich der Friedrichstraße kontrollieren.

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