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Abitur im Krankenhaus: Schüler aus MK leidet unter seltener Schmetterlingskrankheit

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Von: Monika Salzmann

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Der 19-jährige Can Yetimoglu bekommt sein Abiturzeugnis von der Schulleiterin und der Jahrgangsstufenleiterin in einer Berliner Klinik.
Nachträglich überreichten Geschwister-Scholl-Schulleiterin Michaela Knaupe (rechts) und Jahrgangsstufenleiterin Anja Johannvordersielhorst dem 19-jährigen Can Yetimoglu sein Abiturzeugnis. © Jakob Salzmann

Das Abiturzeugnis in Händen halten zu können, ist für Can Yetimoglu aus Lüdenscheid ein großer Glücksmoment. Er leidet unter einer seltenen Krankheit.

Lüdenscheid – Bei der Zeugnisvergabe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums lag der Lüdenscheider Can Yetimoglu, der an der äußerst seltenen Schmetterlingskrankheit in ihrer schwersten Erscheinungsform leidet, in Berlin im Krankenhaus. Per Videokonferenz schaltete die Schule den Abiturienten zur Abiturfeier hinzu.

KrankheitSchmetterlingskrankheit
Lateinischer NameEpidermolysis bullosa

Abitur im Krankenhaus: Can Yetimoglu aus Lüdenscheid leidet unter Schmetterlingskrankheit

Nachträglich überreichten ihm Schulleiterin Michaela Knaupe und Jahrgangsstufenleiterin Anja Johannvordersielhorst sein Zeugnis. „Es war eine angenehme, schöne Zeit am Geschwister-Scholl-Gymnasium“, sagt Can Yetimoglu, der durch seine Krankheit, deren Auslöser eine Genveränderung ist, von klein auf an ein Leben mit starken Einschränkungen gewöhnt ist.

Wie bei einem Schmetterling – daher der Name Schmetterlingskrankheit (Epidermolysis bullosa) – reagiert seine Haut selbst auf leichte Berührung heftig mit Blasen und offenen Wunden. Zudem sind auch die inneren Organe von der Krankheit betroffen. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid richtete eigens einen Raum mit Liege für ihn her, wo er seine Verbände wechseln und sich zurückziehen konnte, wenn es ihm nicht gut ging.

Seine Leistungskurs-Arbeiten schrieb er teilweise im Liegen, da er nicht stundenlang auf den normalen Klassenstühlen sitzen konnte. „Es gab zwischendurch Phasen, die schwierig waren“, räumen Michaela Knaupe und Anja Johannvordersielhorst rückblickend auf die Schulzeit des 19-Jährigen ein, der stets eine Integrationshelferin an der Seite hatte.

Schüler aus Lüdenscheid schreibt Abiturklausuren teilweise im Liegen

Häufige Krankenhausaufenthalte und damit verbundene Fehlzeiten in der Schule sowie psychische Probleme, als Leidensgenossen aus seiner Selbsthilfegruppe jung verstarben, machten die Mittelstufe für den Jugendlichen zu einer besonders schwierigen Zeit. „Aus Fürsorge war eine Förderschule im Gespräch.“

Von Can kam jedoch die klare Ansage, am Gymnasium bleiben und sein Abitur machen zu wollen. „Can hat dann die achte Klasse wiederholt.“ Die Klasse, in die er dadurch kam, erwies sich für ihn im Nachhinein als goldrichtig. Seine Mitschüler nahmen damals Kontakt mit dem Verein Glücksbringer, einer Initiative der Lüdenscheider Nachrichten, auf, um einen elektronisch gesteuerten Rollstuhl für Can anschaffen zu können.

Abitur im Krankenhaus: Lüdenscheider will studieren

Mit dem Abitur in der Tasche möchte der 19-Jährige jetzt studieren. „Etwas Kommunikatives“, sagt er. Ein handwerklicher Beruf komme für ihn aufgrund der Schmetterlingskrankheit nicht infrage. Zum Reifezeugnis selbst sagt er: „Meine Mutter hat drei Stunden geweint vor Freude. Es war immer ihr größter Wunsch, dass ich eine normale Schule besuche und mir die Zukunft offensteht.“ Das hat er nun geschafft. „Alle haben angerufen. Ich stand im Mittelpunkt. Ich bin dankbar, hier auf der Schule gewesen zu sein.“

Auch Michaela Knaupe und Anja Johannvordersielhorst sind stolz auf ihren ehemaligen Schüler. „Es erfüllt uns mit großem Stolz, dass Can das geschafft hat“, sagen beide. Die Schule sei froh, Kindern wie Can helfen zu können. „Die Schulgemeinschaft entwickelt sich dadurch. Man hinterfragt Selbstverständlichkeiten.“ Als Dankeschön brachte Can einen Porzellan-Schmetterling mit. „Dann können Sie sich an mich erinnern“, meinte er.

Wenn alles weh tut: Eine Mutter (38) aus Lüdenscheid kämpft gegen eine seltene Krankheit, die sie in den Rollstuhl zwingt.

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