Abfallentsorger umwirbt bundesweit Vereine

LÜDENSCHEID ▪ Für Vereine mit stets chronischer Geldnot klingt es verlockend: Die Wiesbadener Firma AbfallScout bewirbt derzeit bundesweit ihre „Vereinssammlungen“. Dabei stellen die Entsorger Behälter für Altpapier, Misch-Schrott oder Kabelreste zur Verfügung und holen sie nach der Sammelphase wieder ab.

Vergütet wird, so heißt es, für das Sammelgut nach aktuellem monatlichen Marktpreis je gesammelter Gewichtstonne. AbfallScout-Geschäftsführer Klaus Kögel findet: „Es gibt nur Gewinner dabei.“

Im Süden Deutschlands seien Sammlungen bei gemeinnützigen Vereinen üblich, erzählt Klaus Kögel. Es gebe keinen Grund, das Konzept nicht auszuweiten. Im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz, das im Juli in Kraft treten soll, seien die Vereinssammlungen auch verankert, sagt er. „Es ist vom Grundsatz her super einfach. Es ist nur nicht bewusst“ – ein Umstand, den AbfallScout nun ändern will. Da man nach eigenen Angaben über ein bundesweites Entsorger-Netzwerk verfügt und langjährige Erfahrung bei Abfallentsorgung und Recycling hat, fühlt sich das Unternehmen der logistischen Herausforderung gewachsen.

Mindestens einmal im Jahr, am besten im Frühjahr und im Herbst – dieser Rhythmus sei sinnvoll, haben die Wiesbadener festgestellt, „weil die Bürger dann räumen“. Das Angebot wird auf Metalle, Papier und Kabel begrenzt, damit habe man im Süden des Landes gute Erfahrungen gemacht. Interessierte Vereine setzen sich online mit dem Unternehmen in Verbindung und regeln die Zusammenarbeit vertraglich.

Wie die Vereine ihre Sammlungen organisieren, wie und welche Mengen man überhaupt zusammentragen kann – das ist nicht Sache von AbfallScout. Klaus Kögel beruhigt die, die finanzielle Risiken sehen: „Daß da ein Verein mit Minus rauskommt, kennen wir gar nicht.“ Auch Konfliktsituationen mit Kommunen kenne er nicht.

Sollten Vereinssammlungen in großem Stil auch in Lüdenscheid populär werden, könnte es die aber geben. Immerhin fließen die Erlöse aus den STL-Wertstoffsammlungen derzeit direkt in die Gebührenkalkulation des STL ein. „Das wäre nicht so ganz schön“, findet denn auch Heino Lange, stellvertretender Werksleiter vom Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb (STL) angesichts der Vorstellung, dass sich hier ein grundlegender Wandel anbahnen könnte: „Unsere Erlöse kommen dem Gebührenzahler zugute.“ Andererseits glaubt er aber auch, dass solche „Exoten“ keine Gewinne in nennenswerter Höhe abschöpfen könnten. Grundsätzlich seien solche Vorstöße „keine neue Erscheinung“, so Lange. „Wenn die Preise wieder im Keller sind, stellen die das Geschäft wieder ein.“ Bisher sei so etwas immer sehr kurzlebig gewesen: „Welche Mengen sollen denn da zusammenkommen?“

Weitere Infos: http://www.abfallscout.de

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