Tiefstpreise fürs Heizen mit Öl

Ab Januar wird es teurer: Run auf Heizöl im MK

Viele Kunden nutzen die niedrigen Preise aus: Ralf Straube liefert derzeit fast rund um die Uhr Heizöl aus.
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Ralf Straube liefert derzeit fast rund um die Uhr Heizöl aus.

Über einen der wenigen Vorteile der Corona-Pandemie können sich in diesem Jahr die Besitzer einer Ölheizung freuen. Dank reduzierter Mehrwertsteuer und einem Rohölpreis, der seit 16 Jahren nicht so niedrig war, lassen sich beim Auffüllen der Tanks derzeit hunderte Euro einsparen.

Lüdenscheid - Darüber freuen sich nicht nur die Verbraucher, sondern auch die hiesigen Anbieter des Brennstoffs. „Viele, die bereits Heizöl bestellt haben, tanken jetzt noch einmal nach, bevor im kommenden Jahr alles wieder teurer wird“, kann Heizölhändler Thomas Baumert beobachten. Er könne Besitzern einer Ölheizung deshalb nur raten, die Tanks noch einmal zu füllen, denn die werden sich so schnell wohl nicht mehr über solche Tiefstpreise freuen können. Mit Beginn des neuen Jahres komme zudem die neue CO2-Steuer, die Öl, Gas und Sprit in mehreren Stufen deutlich verteuern wird.

Die Gefahr, dass es durch die hohe Nachfrage zu Lieferengpässen kommen könnte, besteht laut Baumert nicht: „Die Betankung läuft das ganze Jahr über. Einen Stillstand gibt es nicht“. Die Zeit, in der das Tanken auf die Sommermonate verlegt wurde, weil dann die Preise am niedrigsten sind, sei längst vorbei, weiß der Fachmann. „Ich würde nur die Tagespreise vergleichen. Es gibt keine besonders günstigen Monate mehr“, rät er.

Börse bestimmt den Preis, nicht das Wetter

Das kann auch Arnt Richter vom gleichnamigen Heizölhandel bestätigen: „Der Preis ist nicht wetterabhängig, sondern wird an den Börsen in London und New York gemacht“, erklärt er. Manchmal sei der Preis im Januar niedriger, als in den Sommermonaten. „Öl ist einer der meist gehandelten Rohstoffe an der Börse. Der Preis reagiert sehr sensibel. Ereignisse, wie die Corona-Pandemie oder die Präsidentschaftswahl in den USA, beeinflussen das“.

Panisches Verschrotten der Heizungsanlage wegen der bevorstehenden CO2-Steuer ist laut Richter nicht sinnvoll: „Viele unserer Kunden haben bereits ihre Anlagen modernisiert auf Ölbrennwerttechnik“, weiß er. Das sei eine ganz hervorragende und zukunftssichere Technik: „Die Anlage hat einen Katalysator. Aus dem Kamin kommt fast nur noch Wasserdampf“. Dabei würde der Verbrauch um etwa 30 Prozent gesenkt im Vergleich zu älteren Anlagen.

„Mit den Einsparungen kann die Steuer locker ausgeglichen werden“. Sein Tipp: „Ein bis zwei Sonnenkollektoren anschaffen, die das Brauchwasser aufbereiten. Zusammen mit einer modernen Heizölanlage lässt sich einiges einsparen“. Damit sei auch der Betrieb über das Jahr 2025 hinaus gesichert. Ältere Anlagen ohne Niedertemperatur- und Brennwerttechnik müssten dann ohnehin modernisiert werden.

Gerd Holthaus vom Heizölhandel Ernst Witkop zieht einen Vergleich zur „Ölkonkurrenz“, dem Erdgas: „Der erste große Wärmeträger auf dem deutschen Energiemarkt ist Erdgas. Das ist auch billiger geworden. Davon kommt aber nichts beim Verbraucher an“, gibt er zu bedenken. Die zukunftssicherste Wärmequelle ist für den Experten immer noch das Öl. „Nach neuesten Berechnungen reichen die Ölvorkommen noch für mindestens 150 Jahre. Wahrscheinlich aber wesentlich länger. Hier besteht also eine solide Versorgungssicherheit“.

Blick in die Zukunft

Einen Blick in die Zukunft wagt Gerd Holthaus auch: „Ab 2030 sollen Heizungsanlagen mit einer erneuerbaren Komponente ausgestattet werden. Zum Beispiel einer kleinen Solareinheit oder einer zusätzlichen Wärmepumpe. Es wird momentan außerdem daran gearbeitet, Heizöl synthetisch herzustellen“. Das Vorhaben, ausschließlich mit regenerativen Energien ganz Deutschland zu beheizen, hält er für nicht umsetzbar. „Die moderne Brennwerttechnik ist bereits so ausgereift, dass die Emissionen extrem niedrig und in höchstem Maß umweltverträglich sind“.

Die Zukunft der Heizöl-Anlagen scheint gesichert. Um sie aktuell möglichst günstig nutzen zu können, empfehlen alle drei Fachleute, die günstigen Preise noch in diesem Jahr auszunutzen und die Tanks randvoll zu machen. Dank der seit Frühjahr beständigen günstigen Konditionen wird es auch zum Jahresende keinen Lieferengpass geben. Zu viel Zeit sollten sich Verbraucher jedoch nicht mehr lassen, denn Bestellungen, die kurz vor Jahresende eingehen, können vielleicht erst im kommenden Jahr ausgeliefert werden. In dem Fall muss wieder die normale Mehrwertsteuer zuzüglich der CO2-Steuer gezahlt werden.

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