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A45-Umleitung B54: Anwohner und Betriebe am Limit

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Von: Leon Malte Cilsik

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Auf der B54 in Brügge spielen sich tagtäglich ähnliche Bilder ab wie auf der Lennestraße.
Auf der B54 in Brügge spielen sich tagtäglich ähnliche Bilder ab wie auf der Lennestraße. © Cedric Nougrigat

„Es gibt eben nicht nur die Lennestraße“, sagt ein Sprecher der Bürgerinitiative A45 anlässlich einer geplanten Demonstration in Brügge diese Woche. Auch hier leiden die Anwohner und Gewerbetreibenden unter dem Umleitungsverkehr.

Lüdenscheid – „Ich schaue aus dem Fenster und sehe eine Straße, die eigentlich seit Jahren nicht mehr die technischen Anforderungen an eine Bundesstraße erfüllt. Eine Straße, deren Fahrspurbreite oft nur drei Meter beträgt – zu wenig für Lkw-Begegnungsverkehr. Eine Straße, auf der trotzdem tagtäglich tausende Pkw hinter Lkw-Kolonnen festhängen.“ So schildert uns ein anonym bleiben wollender Leser seine regelmäßigen Fahrten über die B54 in und um Brügge.

„Vor diesem Hintergrund finde ich es unverantwortlich, dass sich nach der Fahrbahnabsenkungen zukünftig wohl noch mehr Lkw durch das Volmetal quälen werden“, fährt er fort. Seiner Meinung nach werde durch die Maßnahmen eine Straße ertüchtig, die ihren Status als Bundesstraße längst nicht mehr verdiene. „Und damit wird eine Gefährdung der Bevölkerung billigend in Kauf genommen.“

Meinung wohl kein Einzelfall

Die zitierte Meinung sei kein Einzelfall, weiß Heiko Schürfeld, Sprecher der „Bürgerinitiative A45: „Es gibt eben nicht nur die Lennestraße, auch in Brügge sind die Menschen am Limit. In unserem Forderungskatalog beziehen wir das Volmetal daher explizit mit ein.“ Generell macht sich die Bürgerinitiative gegen den Durchgangsverkehr in Lüdenscheid stark.

Das gewählte Führungsteam der Bürgerinitiative A45 mit Sprecher Heiko Schürfeld (dritte von links).
Das gewählte Führungsteam der Bürgerinitiative A45 mit Sprecher Heiko Schürfeld (dritte von links). © Jakob Salzmann

Vor diesem Hintergrund erhofft sich Schürfeld eine rege Beteiligung an der für den kommenden Donnerstag, 6. Oktober, geplanten Demonstration, bei welcher es besonders um die B54 geht. „Natürlich wäre es super, wenn wir die 300 Teilnehmer knacken könnten“, sagt Schürfeld. Das wäre dann ein Rekord, den bislang die erste Demonstration an der Lennestraße hält.

Bürgerinitiative A45 demonstriert in Brügge

Für Donnerstag, 6. Oktober, zwischen 18 und 19.30, plant die Bürgerinitiative A45 ihre mittlerweile dritte Demonstration gegen den gegen den Durchgangsverkehr in Lüdenscheid und Umgebung, dieses Mal speziell auf der B54. Daher findet der Umzug auch in Brügge statt, die Versammelten ziehen vom Bahnhof in Richtung Sportplatz. Die Bürgerinitiative A45 ist über die E-Mail-Adresse info@bürgerinitiative-a45-lüdenscheid.de erreichbar.

Auch Gewerbetreibende leiden

Neben Wohnen und Autofahren ist mittlerweile auch das Arbeiten in Brügge schwierig geworden – mehrere Gewerbetreibende klagten gegenüber unserer Zeitung ihr Leid. Sie alle bekräftigen die Forderung der Bürgerinitiative, den überregionalen Umleitungsverkehr gänzlich aus Lüdenscheid zu verbannen. Darüber hinaus haben die Geschäftsinhaber teilweise aber auch konkrete Verbesserungsvorschläge für den Stadtteil und die B54.

Beispielsweise wünscht sich Silke Passmann, Inhaberin des gleichnamigen Hotels, dringend die Einrichtung eines Tempo-30-Limits nach den Vorbildern Dahl, Priorei und Hagen. „Zu den Stoßzeiten wackeln bei uns die Fenster, an den Ecken unserer Fassade bröckelt bereits der Granit. Die Zimmer an der Straße können wir nicht mehr vermieten – das ist für unsere Gäste nicht zumutbar.“ Letzteres betreffe rund 12 der insgesamt 28 Zimmer. Das Restaurant wurde im Hotel Passmann bereits in den hinteren Gebäudeteil, weg von der Straße, verlegt (wir berichteten).

„Trotzdem bemerken wir auch hier Umsatzeinbußen“, sagt Passman, die den Kundenrückgang auf etwa zehn Prozent schätzt. In Kombination mit der geringeren Auslastung im Hotel wird dies zunehmend zur finanziellen Herausforderung. Tempo-30 könnte laut der Hotelbetreiberin hinsichtlich der Lärm- und Schadstoffbelastung helfen.

Tankstelle als Abkürzung

Maik Klapperich, Inhaber der Aral Tankstelle in Brügge, hat zwar keine Umsatzeinbußen zu beklagen, dafür ist ihm aktuell die Ampelschaltung an der Kreuzung B54 / B229 ein Dorn im Auge. „Teilweise staut sich der Verkehr bis nach Brügge, Oberbrügge und zur Pöppelsheimer Mühle. Unser Gelände wird immer häufiger als Abkürzung genutzt, um die Ampel zu umgehen“, sagt Klapperich. Und da die Fahrer es dabei oft trotzdem noch eilig haben, sah Klapperich die Sicherheit seiner Kunden und Mitarbeiter gefährdet und entsprechend Handlungsbedarf: „Mittlerweile haben wir für mehr als 7000 Euro Geschwindigkeitsbegrenzer auf dem Boden installiert.“

Maik Klapperich sieht sich inzwischen gezwungen, das Abkürzen über sein Gelände mit Geschwindigkeitsbegrenzern zu erschweren.
Maik Klapperich sieht sich inzwischen gezwungen, das Abkürzen über sein Gelände mit Geschwindigkeitsbegrenzern zu erschweren. © Cedric Nougrigat

Doch das reiche nicht, Klapperich wünscht sich eine Anpassung der Ampeltaktung. „Wenn die aus Oberbrügge kommenden Rechtsabbieger keine Rotphase mehr hätten, würde das den Verkehr zumindest einseitig schon sehr entlasten.“ Und seine Tankstelle damit auch weniger attraktiv als Abkürzung machen. „Da die Kreuzung von Fußgängern kaum frequentiert wird, ließe sich das meiner Meinung nach auch problemlos umsetzen“, argumentiert Klapperich, „die Stadt sieht das leider anders.“

Nicht allein auf Brügge bezieht Holger Otto, Inhaber eines Fliesenfachbetriebs, seine Forderungen: „Anlieger frei-Straßen sollten für alle Ortsansässigen geöffnet werden oder zumindest sollte der Arbeitsweg als ein berechtigtes Anliegen gelten.“ Das würde auch ihm persönlich viel bringen. Otto hat sein Materiallager an der Talstraße und pendelt daher täglich mehrere Male zwischen dem Volmetal und seinen Baustellen.

Holger Otto muss täglich durch den Stau im Vplmetal zu seinem Materiallager.
Holger Otto muss täglich durch den Stau im Vplmetal zu seinem Materiallager. © Cedric Nougrigat

„Das ist kaum zu leisten, früher konnte ich drei und mehr Baustellen pro Tag bedienen, heute ist es nur noch eine.“ Und das in Zeiten des allseits propagierten Fachkräftemangels: „Einen Handwerker zu bekommen ist schwer genug – und wenn man in Lüdenscheid einen hat, dann kommt der nicht durch.“ Der Verkehr verhindere jegliche Planungssicherheit – sowohl für die Kunden als auch für Otto. „Ob ich mein Lager in Brügge halten kann, weiß ich nicht. Mittlerweile arbeite ich schon mit Zwischenlagern in leerstehenden Wohnungen überall in der Stadt.“

Keine Perspektive mehr in Brügge

Bereits mehr Gewissheit hat in dieser Hinsicht Marika Moga mit ihrem zentral in Brügge liegenden Reitsportgeschäft. Nach 12 Jahren möchte sie das Volmetal verlassen: „Unsere Umsätze sind seit vergangenem Dezember rapide zurückgegangen, Monat für Monat wird es weniger.“ Die Verluste beliefen sich mittlerweile auf fast die Hälfte der Einnahmen von 2021 – einem Coronajahr, wie Moga anmerkt.

Marika Moga sieht in Brügge keine Perspektive mehr für ihr Reitsportgeschäft. Sie möchte den Stadtteil verlassen und befindet sich aktuell auf Immobiliensuche.
Marika Moga sieht in Brügge keine Perspektive mehr für ihr Reitsportgeschäft. Sie möchte den Stadtteil verlassen und befindet sich aktuell auf Immobiliensuche. © Cedric Nougrigat

„Wir leben von unseren Stammkunden die früher teilweise extra aus Hagen, Iserlohn und Menden nach Brügge gekommen sind. Heute ist das für viele undenkbar, nicht auszudenken, wie sich die Situation während der kommenden Vollsperrung entwickeln wird“, führt Moga ihre Probleme aus. Bei einer passenden Immobilie sei ein Umzug daher sogar noch in diesem Jahr denkbar.

Dass es auch unter den Gewerbetreibenden Ausnahmen gibt, zeigt das Beispiel des Jagdausstatters Geier. Inhaber Valentin Geier verspüre bislang nur wenig negative Konsequenzen durch das erhöhte Verkehrsaufkommen. „Durch meine spezielle Zielgruppe leide ich weniger als Geschäfte, die auf Laufkundschaft angewiesen sind“, sagt Geier, der seinen Laden erst vor etwa einem halben Jahr eröffnet hat.

Valentin Geier ist weniger von dem hohen Verkehrsaufkommen betroffen. Er würde sich wieder für einen Laden in Brügge entscheiden.
Valentin Geier ist weniger von dem hohen Verkehrsaufkommen betroffen. Er würde sich wieder für einen Laden in Brügge entscheiden. © Cedric Nougrigat

„Im Märkischen Kreis gibt es wenig Alternativen, wenn es um das Thema Jagd geht. Und bevor meine Kunden nach Dortmund fahren, stellen sie sich lieber eine halbe Stunde in den Stau.“ Daher würde Geier sich auch mit dem heutigen Wissen wieder für eine Ladeneröffnung in Brügge entscheiden.

Der Tenor bleibt aber der Gleiche: Egal ob Fußgänger oder Autofahrer, Anwohner oder Gewerbetreibender, Brügge und speziell die B54 ist für sie alle mittlerweile ein gefährliches Pflaster.

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