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A45-Sperrung: Unternehmer beziffert volkswirtschaftlichen Schaden auf 1 Milliarde Euro

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Von: Thomas Machatzke

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Foto vom Gesellschafter der Firma Geck
„Man darf gar nicht darüber nachdenken, welcher volkswirtschaftliche Schaden entstünde in fünf Jahren, die Vorstellung ist unerträglich“, sagt Oliver Görlich. © Cornelius Popovici

Die A45-Sperrung trifft viele - auch die im Rahmedetal gleich mit mehreren Werken vertretene Geck GmbH. Gesellschafter Oliver Görlich errechnet durch die Sperrung einen immensen volkswirtschaftlichen Schaden.

Lüdenscheid – Wer eine Firma sucht, die das Rahmedetal bis heute prägt, landet quasi automatisch bei der Geck GmbH. Sieben Geck-Werke hat die Firma, zwei davon an der Rahmedestraße auf Altenaer Gebiet, zwei an der Altenaer Straße auf Lüdenscheider Gebiet, dazu eines in Grünewiese.

Wenn die A45 die Lebensader im Sauerland ist, dann ist die Hauptstrecke zwischen Lüdenscheid und Altena durchs Rahmedetal die Lebensader des Unternehmens, das Oliver Görlich als geschäftsführender Gesellschafter leitet und das ein international führender Hersteller von individuellen, ganzheitlichen Lösungen für den „Point of Sale“ ist.

Auch die Geck GmbH leidet unter der A45-Sperrung. Natürlich. „Mit direkten und indirekten Konsequenzen für das Unternehmen“, sagt Oliver Görlich, „da sind zum Beispiel die Dienstleistungen – die Spediteure erreichen uns nicht mehr so wie früher. Aber auch der interne Verkehr zwischen den Werken ist betroffen.

A45-Sperrung: Unternehmer beziffert volkswirtschaftlichen Schaden auf 1 Milliarde Euro

Zum Beispiel aus der Rahmede ins Versandlager. Wo wir bisher 20 Minuten gefahren sind, benötigen wir jetzt 15 Minuten mehr. Wir haben einen höheren Zeitaufwand von rund 85 Prozent in diesem Bereich ermittelt. Durch die neue Verkehrsführung, aber eben auch durch den Ausweichverkehr. Und wir haben sogar noch Glück, dass wir uns da in Richtung Nord orientieren. Die Unternehmen, die in Mitte auf die Autobahn müssen, haben es noch schwerer.“

Görlich stellt fest, dass die Spediteure es nur rechtzeitig schaffen würden, wenn sie eine Stunde früher losfahren. Die Ausweichstrecke über die A4 bedeute mitunter einen Umweg von 70 Kilometern. „Dann stellen sich manche doch lieber in den Stau“, sagt der Geck-Chef, „das heißt doch: Die Belastung auf den Ausweichstrecken bleibt bestehen. Das muss so schnell wie möglich gelöst werden.“

Ein Sofortbeginn der Baumaßnahmen ist alternativlos. Und ich will da gar nicht emotional herangehen, was sicher bei vielen Betroffenen auch berechtigt ist. Mir geht es um wirtschaftliche Aspekte: Es rechnet sich ganz einfach.

Oliver Görlich (Geschäftsführer der Geck GmbH)

Görlich macht eine Rechnung auf, bei der er zu Grunde legt, dass bis zur Sperrung 70 000 Fahrzeuge täglich über die Brücke gerollt seien, 55 000 Pkw, 15 000 Lkw. „Es ist eine Rechenaufgabe“, sagt er, „wenn das so wäre und man für einen Pkw 20 Euro und einen Lkw 30 Euro rechnen würde und eine halbe Stunde Zeitverlust – dann käme man täglich auf 775 000 Euro. Ich kenne die Baukosten nicht, 2014 war von 40 Millionen Euro die Rede, nun kann es deutlich teurer sein. Aber selbst wenn es heute doppelt so teuer wäre, hätte man bei den 775 000 Euro pro Tag nach vier Monaten eine Amortisation. Man darf gar nicht darüber nachdenken, welcher volkswirtschaftliche Schaden entstünde in fünf Jahren. Das wären 1,5 Milliarden Euro, die Vorstellung ist unerträglich.“

Immerhin: Was die eigenen Mitarbeiter angeht, so ist es bisher relativ unproblematisch. „Da, wo wir können, bieten wir aufgrund der Pandemie ohnehin Homeoffice an“, sagt Görlich, „viele kennen Schleichwege. Und bei der Frühschicht ist es ohnehin noch kein Problem.“ Trotzdem sagt der Geschäftsführer, einen oft gebrauchten Begriff aus der Merkel-Ära aufnehmend: „Ein Sofortbeginn der Baumaßnahmen ist alternativlos. Und ich will da gar nicht emotional herangehen, was sicher bei vielen Betroffenen auch berechtigt ist. Mir geht es um wirtschaftliche Aspekte: Es rechnet sich ganz einfach. Und deshalb sollte man sofort beginnen!“

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