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Autobahn 45: Einsturzgefährdete Talbrücke mit Gittern und Ketten abgeriegelt

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Von: Jan Schmitz

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An der Talbrücke Rahmede an der A45 besteht Einsturzgefahr. Sie ist nicht nur gesperrt, sondern abgeriegelt. Kein Fahrzeug darf auf die Brücke.

Lüdenscheid – Sie ist das Nadelöhr an der A45, das nun verschlossen ist. Noch vor wenigen Wochen fuhren mehr als 50 000 Pkw und Lkw am Tag über die Talbrücke Rahmede der A45. Seit Freitag steht fest, dass kein einziges Fahrzeug mehr auf dem 80 Meter hohen Bauwerk fahren darf. Andernfalls besteht Einsturzgefahr.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Nicht einmal für die Fachfirmen, die den Zustand der Brücke bis zuletzt untersuchten, wird eine Ausnahme gemacht. Sie mussten ihre Fahrzeuge abziehen. Bevor auch die Mitarbeiter der Autobahn GmbH abrückten, stellten sie Absperrgitter an den Zufahrten zur Talbrücke Rahmede auf – und ketteten sie provisorisch mit Vorhängeschlössern fest. Die Fahrbahn der Talbrücke ist seitdem ein verlassener Ort. Ein Lost Place.

A45-Sperrung: Risse an der Talbrücke Rahmede

Der Traum, dass die Brücke nach einer Not-Verstärkung der verformten Stahlwände im Frühjahr zumindest für Pkw wieder freigegeben werden kann, zerplatzte am Freitag. Es war für die Menschen im Märkischen Kreis die zweite Hiobsbotschaft innerhalb von fünf Wochen. Am 2. Dezember war die A45 wegen Schäden an der Brücke Rahmede gesperrt worden.


Die nun festgestellten Risse und Korrosionen am Längsträger machten aus Sicht der Verkehrsexperten und Statiker eine Wiederfreigabe unmöglich. Eine Sanierung der Brücke auch nur für Pkw würde aufgrund der neuen Schäden nach aktuellen Schätzungen etwa drei Jahre dauern, hieß es von der Autobahn GmbH. „Und ob das dann auch funktioniert, ist völlig offen“, erläuterte Elfriede Sauerwein-Braksiek, die Leiterin der Niederlassung Westfalen.

A45-Sperrung: Zeitgewinn durch funktionale Ausschreibung

Mit Hochdruck soll es nun daher nur noch um den Neubau an derselben Stelle und im selben Linienverlauf gehen. Um Zeit im Planungsprozess zu gewinnen, setzt der Bundes-GmbH auf eine sogenannte funktionale Ausschreibung von Abbruch und Neubau der Talbrücke Rahmede. Dabei wird dem Auftragnehmer auch die Planung und Umsetzung der geforderten Leistung übertragen. „Wir werden im Rahmen der Ausschreibung alle vorhandenen Vorentwürfe zur Verfügung stellen“, erklärte Autobahn-Sprecher Bernd Löchter. Er bestätigte, dass Planung und Umsetzung von Abriss und Neubau der Talbrücke nicht bei der Autobahn GmbH liegen sollen, sondern bei einem privaten Auftragnehmer. Löchter: „Wir setzen auf die Innovationsfreude der Unternehmen.“ Und die ist auch dringend notwendig.

Abgeriegelte Talbrücke Rahmede an der A45. Hier darf niemand mehr drauf.
Abgeriegelte Talbrücke Rahmede an der A45. Hier darf niemand mehr drauf. © Cedric Nougrigat

Die Krümmung der Linienführung, die Höhe der Pfeiler, die Erschließung im alpinen Gelände erfordern höchste Ingenieurskunst, ebenso der Abriss der Stahlträger und der Pfeiler. Denn: Wann die neue Brücke steht, hängt maßgeblich davon ab, wie die alte beseitigt wird. Experten der Autobahn GmbH halten trotz der direkten Nähe zur Bebauung eine Sprengung für möglich. Nur in diesem Fall könnte der Neubau – wenn überhaupt – in weniger als fünf Jahren fertig sein.

A45-Sperrung: Verkehr auf den Umleitungsstrecken soll weiter optimiert werden

Die A45-Sperrung bei Lüdenscheid ist inzwischen auf den höchsten politischen Ebenen angekommen. Alle Maßnahmen werden Bundes- und NRW-Verkehrsministerium abgestimmt, wie Elfriede Sauerwein-Braksiek deutlich machte: „Wir sind uns einig, dass die Brücke möglichst schnell gebaut werden muss. Und dass alles getan werden muss, um die Menschen in der Region zu entlasten, unter anderem durch eine Optimierung der Umleitungsstrecken.“

Lärmschutzwände an den Umleitungsstrecken werden geprüft

Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer und Landrat Marco Voge drängen nach der Hiobsbotschaft vom Freitag auf einen schnellen Abriss und Neubau der Talbrücke Rahmede. „Immerhin haben wir jetzt eine klare Perspektive, die wir als Chance sehen müssen“, sagte Wagemeyer. Er forderte erneut „umfassende und umgehende Unterstützung“ für die von der Vollsperrung besonders stark betroffenen Anwohner, die entlang der Umleitungsstrecken wohnen. Unter anderem wird geprüft, ob Lärmschutzwände an den Umleitungsstrecken möglich und sinnvoll sind.

In unmittelbarer Nähe der Talbrücke Rahmede befindet sich entlang der Altenaer Straße Bebauung. Dennoch halten Experten der Autobahn GmbH eine Sprengung der Brücke für möglich.
In unmittelbarer Nähe der Talbrücke Rahmede befindet sich entlang der Altenaer Straße Bebauung. Dennoch halten Experten der Autobahn GmbH eine Sprengung der Brücke für möglich. Bis zum Abriss soll die Altenaer Straße nicht gesperrt werden. Es bestehe durch die getroffenen Maßnahmen keine Einsturzgefahr der maroden Brücke, wenn die Brücke nicht belastet wird. © Cedric Nougrigat

Landrat: „Vollsperrung der A45 ist ein untragbarer Zustand“

Landrat Voge nannte die Vollsperrung der A45 einen „untragbaren Zustand“. „Dass die Autobahnbrücke Rahmede fünf Jahre lang nicht zur Verfügung stehen soll, ist für die Region, die heimische Wirtschaft aber auch für Pendler eine massive Belastung.“ Alle Plan- und Genehmigungsverfahren müssten beschleunigt werden. Auch andere Talbrücken an der A45 sollten so schnell wie möglich untersucht werden, fordert Voge.

Ein Ergebnis einer ersten Brückenprüfung mittels Laserscan konnte Niederlassungsleiterin Sauerwein-Braksiek am Freitag nennen. Die Schäden an der Talbrücke Brunsbecke in Hagen seien nicht so schwerwiegend wie befürchtet. Wie berichtet, waren die Neubauplanungen für die Talbrücke Brunsbecke 2017 in der Prioritätenliste vorgezogen worden – zu Lasten der schon damals als marode geltenden Talbrücke Rahmede. Seit 2014 warder Neubau immer wieder verschoben worden. Ursprünglich vorgesehener Baubeginn für die Talbrücke Rahmede: 2018.

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