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A45-Sperrung: So viele Tiere wurden für den Brückenneubau umgesiedelt

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Von: Thomas Machatzke

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Talbrücke Rahmede Lüdenscheid Sperrung
Steile Hänge mit einem hohen okölogischen Potenzial: Der Beirat der unteren Naturschutzbehörde wird eine Arbeitsgruppe bilden, die Ideen für die zukünftige Gestaltung des Umfeldes der neuen Talbrücke Rahmede entwickeln soll. © Cornelius Popovici

Der Neubau der Talbrücke Rahmede ist einer, der aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann. Der Beirat der unteren Naturschutzbehörde schaute am Montag vor allem auf das neue Umfeld der Brücke, auf seine ökologischen Potenziale.

Lüdenscheid – Am Donnerstag der vergangenen Woche haben sich die Mitarbeiter der Autobahn GmbH den ehemaligen Luftschutzbunker in der Nachbarschaft der Talbrücke Rahmede angeschaut. Es ist einer der Plätze, an dem sich die rund 1000 Zwergfledermäuse nun ein alternatives Winterquartier suchen sollen. Neben diesem Luftschutzbunker gibt es auch noch den „Römerstollen“ und den „Brauereistollen“. Und tatsächlich: Ein Braunes Langohr trafen sie an im Luftschutzbunker. Das entsprechende Foto gab’s am Montag bei der Präsentation für den Beirat der unteren Naturschutzbehörde im Kreishaus.

Eine Art Arbeitsnachweis – auch im Bierkeller waren vorher drei Braune Langohren angetroffen worden, wie der Landespfleger der Autobahn GmbH, Simon Söhnchen, berichtete. Ein Monitoring hilft den Verantwortlichen, die Population an den erhofften Stellen zu überwachen. Mit dem Kot der Tiere werden die Arten bestimmt. Das Große Mausohr oder der Große Abendsegler könnten sich mitunter auch ansiedeln.

Fotos hatte Simon Söhnchen auch von der Haselmaus mitgebracht, die nirgendwo mehr Aufmerksamkeit erfährt als dieser Tage in Lüdenscheid. Wobei: Wer sich das Bild genauer ansah, durfte eher von der Vermutung, dass es eine Haselmaus zeigte, sprechen. Auch hier gab’s positive Nachrichten: Vom so possierlichen wie bedrohten Tierchen wurden inzwischen 15 Exemplare umgesiedelt – und noch weitere Nisthilfen (Kobel) aufgebaut.

A45-Sperrung: So viele Tiere wurden für den Brückenneubau umgesiedelt

Ob die von der Autobahnbrücke vertriebenen Wanderfalken ihre neue Brutstätte gefunden haben, blieb offen. Wenn sie mögen, könnte sie nun in der Christuskirche heimisch werden. Es gibt aber auch Alternativen, die die Autobahn GmbH zum Schutz des Wanderfalken aber nicht so gerne öffentlich machen möchte. Dafür gibt es im Brückenkontext auch noch die Bachforelle. Bei der „Elektro-Befischung“ vor der Bachverrohrung der Rahmede gingen der Autobahn GmbH immerhin 280 Bachforellen ins Netz, die an anderer Stelle wieder dem Wasser zugeführt wurden. „Und dann haben wir gesehen, dass schnell die Verrohrung umgesetzt wurde, damit nicht in der Zwischenzeit eine neue Besiedlung stattfindet“, berichtete Söhnchen.

Quintessenz: Es wird viel getan für die Tierwelt. Was der Vortrag indes auch deutlich machte: Wenn über die Sprengung und den Neubau der Talbrücke gesprochen wird, über den Umleitungsverkehr und all die Unbill, die Anwohner und Pendler zu ertragen haben, dann gibt es immer auch andere Perspektiven. Die Perspektive der Mitglieder im Beirat der unteren Naturschutzbehörde war am Montag auch jene, die dieser Tage bei Brückendiskussionen von vielen als eher lästig oder ärgerlich empfunden oder gar belächelt wird.

Einer, der diese andere Perspektive lebt, ist Klaus Brunsmeier. Dass der BUND-Vertreter am Ende gar nicht erst mitstimmte für die Befreiung von den Verboten des Landschaftsplanes „Lüdenscheid“ (wir berichteten), war ein klares Zeichen. Brunsmeier ist nicht gegen den Neubau der Brücke, auch nicht dagegen, dass dieser so schnell wie möglich klappen soll. Er weiß, dass die Region leidet, der Schatzmeister des BUND NRW kommt selbst von hier, aus Heesfeld. Aber er ist dagegen, dass in diesem Kontext alles andere egal sein soll.

Talbrücke Lüdenscheid Beirat Naturschutz Humpert
Auch Hans-Georg Humpert, Vorsitzender des Beirats, wird der Arbeitsgruppe angehören. © Thomas Machatzke

Brunsmeier wünscht sich, dass es neben einer schnellen und guten Planung eines Brückenneubaus auch einen intelligenten Plan für das Umfeld der Brücke geben soll. Was geschieht mit den Kalamitätsflächen, die durch die für die Sprengung notwendigen großflächigen Rodungen entstehen? Es werden im Umfeld der neuen Brücke im Eggenscheider Bachtal Flächen entstehen, die ähnlich erschütternd aussehen werden wie viele Waldflächen, in denen zuletzt der vom Borkenkäfer zu Fall gebrachte Fichtenbestand entsorgt wurde.

„Diese Flächen haben ein hohes ökologischen Potenzial“, stellte Brunsmeier fest und sprach sich für eine natürliche Waldentwicklung aus – der Halveraner möchte, dass man die Gedanken und Ideen, die die Arbeitsgruppe des Beirats erarbeitet, offen in die Planungen aufnehmen soll. Dafür wünscht er sich die Flächenverfügbarkeit als Grundlage für die Arbeit – mit Parzellenaufstellung. Der BUND-Fachmann betonte zudem, dass man ähnlich wie beim Hausbau die Frage erneuerbarer Energien (zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen) und auch die Frage einer modernen Mobilität für Lüdenscheid ganz grundsätzlich mitbedenken müsse.

Die Arbeitsgruppe soll nun schnell zusammenkommen. Neben Brunsmeier wird auch der Vorsitzende des Beirats, Hans-Georg Humpert, der aus Hemer kommt und dort politisch in der Grünen Alternative Hemer aktiv ist, dabei sein. Außerdem sagte auch Regina Wetzig vom NABU im Märkischen Kreis ihre Mitarbeit zu. Ob noch weitere interessierte Mitglieder des Beirates dazukommen ist offen. Klar ist nur, dass die Gruppe schon bald ihre Ergebnisse vorlegen will – in der Hoffnung, dass diese dann auch maßgeblich in die Planungen für Fauna und Flora rund um eine neue Talbrücke einfließen.

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