1. come-on.de
  2. Lüdenscheid

A45-Sperrung: Sprengmeister prüfen, ob Talbrücke Rahmede gesprengt werden kann

Erstellt:

Von: Jan Schmitz

Kommentare

Sprengung oder Abriss? Die Entscheidung, wie die marode Talbrücke Rahmede an der A45 beseitigt wird, könnte schon in den nächsten Tagen fallen.

Lüdenscheid – Mit der Prüfung beauftragt ist eine Spezialfirma, die am 6. Februar die Talbrücke Rinsdorf bei Wilnsdorf sprengen, wie Elfriede Sauerwein-Braksiek, Niederlassungsleiterin der Autobahn GmbH Westfalen, deutlich machte. Die Sprengmeister sollen bis Ende Januar eine Einschätzung vorlegen, ob auch eine Sprengung der Talbrücke Rahmede möglich ist. Dazu wurden Unterlagen zur Verfügung gestellt und ein Ortstermin durchgeführt. Das Unterfangen, die 453 Meter lange Talbrücke Rahmede aus bis zu 70 Metern Höhe punktgenau in ein möglichst schmales Fallbett stürzen zu lassen, gilt als schwierig. Sollten die Experten eine Sprengung für machbar halten, könnte die Talbrücke noch in diesem Jahr fallen und Platz für den Neubau machen.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Deutlich länger dauert es, wenn die Talbrücke abgerissen werden muss. Dann gehe man „voraussichtlich den anderen Weg“, sagte Sauerwein-Braksiek. „Bis wir abgebrochen haben, sind wir zwei Jahre älter. Und so lange müsste ich den Menschen erklären, dass wir noch keine neue Brücke brauen, das geht nicht. Die Zeit sollten wir dann nutzen, den neuen Überbau neben die alte Brücke zu setzen, also das umzusetzen, was ursprünglich geplant war“, erklärte die Niederlassungsleiterin. In diesem Fall würde ein Teilbau neben die alte Brücke gebaut, der dann später eingeschoben wird. Sobald der erste neue Brückenteil steht, könnte er für den Verkehr freigegeben werden.

Talbrücke bei Siegen wird gesprengt
Die Talbrücke Eisern fällt bei einer Sprengung in sich zusammen. Die Richtungsfahrbahnen nach Dortmund und Frankfurt liegen auf separaten Brücken. Bis zur Fertigstellung einer neuen Brücke Ende 2024 wird der Verkehr dann über die verbleibenden Fahrbahnen auf der anderen Seite geführt. © Bernd Thissen

Für den parallel laufenden Abriss müsste eine Brücke oder ein großes Gerüst unter die jetzige Brücke gebaut werden, über die das Bauwerk Stück für Stück abgetragen wird. Für diese Variante sind Baugrunderkundungen und Baustraßen erforderlich. Zudem muss das Gerüst geplant, statisch berechnet, ausgeschrieben und schließlich gebaut werden.

Kritik aus der Region an BUND-Festlegung zur UVP-Pflicht

Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer bittet den BUND zum Dialog. Der Umweltverband besteht wie berichtet auf einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Ersatzneubau der Talbrücke Rahmede. Wagemeyer forderte den Neubau „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu beschleunigen“. Dazu könne auch der Verzicht auf eine UVP gehören. Wagemeyer erinnerte an die immense Belastung für die Straßen im Stadtgebiet und deutlich mehr Lärm und Luftverschmutzung.

„Vor allem zu Stoßzeiten im Berufs- und Feierabendverkehr staut sich der Verkehr auf vielen Straßen. Daher bin ich mir sehr sicher, dass der Verzicht auf eine UVP, der schnelle Neubau der Talbrücke und die Wiederfreigabe der A45 für die Umwelt die deutlich bessere Entscheidung sind.“ Der heimische Landtagsabgeordnete Goran Dudas (SPD) lud den BUND-Geschäftsleiter NRW Dirk Jansen nach Lüdenscheid ein, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Gegenüber unserer Zeitung kündigte Jansen an, nach Lüdenscheid zu kommen.

Derweil warnte SIHK-Präsident Ralf Stoffels vor verhärteten Fronten beim A45-Brückenbau. Weder Wirtschaft noch Umweltverbände oder Anwohner könnten es sich in dieser außergewöhnlichen Situation leisten, „in übliche Reflexe zu verfallen.“ „Ich fordere alle Interessensvertreter auf, sich kurzfristig gleichberechtigt an einen Tisch zu setzen und gemeinsam abzuwägen, wie die Beeinträchtigungen durch die Sperrung möglichst gering gehalten werden können.“

Auch interessant

Kommentare