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Rätselhafte Fledermaus-Zählung an Talbrücke Rahmede ist Hinweis auf UVP

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Von: Jan Schmitz

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Werden für den Neubau der Talbrücke Rahmede bereits Vorarbeiten für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt? Eine erneute Fledermaus-Zählung legt das nah. Die Behörden schweigen.

Lüdenscheid – Neue Fledermaus-Zählungen rund um die Talbrücke Rahmede legen die Vermutung nahe, dass die Autobahn GmbH des Bundes nun doch eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Ersatzneubau der Talbrücke vorbereitet. Die bisherigen Fledermaus-Kartierungen reichen dem Bundesverkehrsministerium und dem Fernstraßenbundesamt als Genehmigungsbehörde offenbar nicht aus. Auf Nachfrage zeigt sich die Autobahn GmbH zugeknöpft. Eine Antwort auf die Frage, wann der Winterschlaf der geschützten Haselmaus offiziell endet und woran man das festmacht, blieb zunächst aus.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Rückblende: Ende März hatte die Autobahn Westfalen einen ersten Erfolg vermeldet. Auf Basis der Fledermaus-Kartierungen von 2016 bis 2019 (1 148 Zwergfledermäuse, 52 Braune Langohren 52, 50 Große Abendsegler, 1-3 Zweifarbfledermäuse) habe man „weitere Untersuchungen durchgeführt und Umsiedlungskonzepte entwickelt“, heißt es in einer Mitteilung aus Hagen vom 24. März. Alle Maßnahmen würden mit den „zuständigen Behörden und auch den ehrenamtlichen Naturschutzverbänden abgestimmt“. Ganz konkret konnte auch schon das Ergebnis der Abstimmungen benannt werden.

„Geplant sind sieben Fledermaustürmchen, zwei Fledermaustürme als Pfeilerersatz, 40 Winterquartierkästen, 40 Sommerquartierkästen sowie Öffnungen von alten Bergbaustollen.“ Und der Landespfleger ließ keinen Zweifel daran, dass diese Ersatzmaßnahmen genau so umgesetzt werden. Dahinter steckt das Ansinnen der Autobahn Westfalen als Herr des Verfahrens Eingriffe in die Natur vorab auszugleichen, um ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung zu vermeiden und die Genehmigung über den „Fall unwesentlicher Bedeutung“ zu erreichen.

Mit Batcordern wird derzeit erneut der Fledermausbesatz an der Talbrücke Rahmede ermittelt – wohl als Teil einer UVP.
Mit Batcordern wird derzeit erneut der Fledermausbesatz an der Talbrücke Rahmede ermittelt – wohl als Teil einer UVP. © Cornelius Popovici

Recherchen unserer Zeitung an der Brücke förderten nun jedoch zutage, dass einen Monat nach Bekanntgabe der geplanten Ersatzmaßnahmen der gesamte Fledermaus-Bestand an der Brücke erneut erfasst wird – und zwar mit Bat-Detektoren, die über einen längeren Zeitraum automatisch den Fledermausbestand rund um die Brücke aufzeichnen, analysieren und auch nach einzelnen Arten aufschlüsseln. Da die Quartierskästen und Fledermaustürme noch nicht aufgestellt sind, kann es sich dabei nicht um ein Monitoring über den Erfolg der Ausgleichsmaßnahmen handeln.

Das bestätigt auf Nachfrage auch die Autobahn GmbH. Stattdessen fände derzeit eine Nachkartierung statt (siehe unten). Mit welchem Ziel und warum diese notwendig ist, lässt die Autobahn GmbH offen. Klar ist damit auch: Die bisher vorgestellten Ersatzmaßnahmen der Autobahn Westfalen dürften der Genehmigungsbehörde, mit der die Autobahn GmbH nach eigener Aussage im ständigen Austausch ist, nicht ausgereicht haben. Da diese Maßnahmen mit der unteren Naturschutzbehörde und den ehrenamtlichen Naturschutzverbänden vor Ort abgestimmt waren, muss die Anweisung zur Nachkartierung demnach aus Berlin gekommen sein.

IM WORTLAUT: Die Antworten der Autobahn GmbH des Bundes

Wofür ist die nochmalige Erfassung des Bestands der Fledermäuse zum jetzigen Zeitpunkt notwendig, wenn die Ausgleichsmaßnahmen noch nicht umgesetzt sind?

Es findet aktuell eine so genannte Nachkartierung statt, die die vorhandenen Daten aus den Jahren 2016/17 aktualisiert. Diese Ergebnisse sind wesentlicher Baustein für die weiteren Planungen.

Können je nach Ergebnis der Erfassung mehr oder weniger Ausgleichsmaßnahmen notwendig sein? Wovon hängt das ab?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Ergebnisse der Kartierung abzuwarten sind.

Ist die nochmalige Erfassung des Bestands Teil einer Umweltverträglichkeitsprüfung?

Die Nachkartierung dient dazu, die notwendigen Grundlagen für die Beurteilung erforderlicher Verfahrensschritte zu ermitteln.

Anfrage vom 20. April, 15.44 Uhr, Antworten vom 22. April, 17.22 Uhr

Wie berichtet, hat sich das Bundesverkehrsministerium beim Ersatzneubau der Talbrücke Rahmede noch nicht festgelegt, ob ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden muss oder nicht. Die Entscheidung, eine neue Fledermaus-Kartierung durchzuführen, spricht nun dafür, dass die Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung in Berlin nicht mehr ausgeschlossen wird.

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