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A45-Sperrung: „In fünf Jahren ist Lüdenscheid kaputt“

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Von: Monika Salzmann

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„Das, was da passiert, ist Körperverletzung!“ Ihrem Frust über Lärm, Abgase und eine Verkehrsführung mitten durch die Stadt machten Anwohner wie Peter Becker vom Buschhauser Weg am Mittwoch beim Nachbarschaftstreffen zur A45-Sperrung im Bürgerhaus am Lenneteich Luft.

Lüdenscheid – Nach verschwindend geringer Resonanz auf die Einladung des Brückenbauer-Büros in der Vorwoche konnte Büroleiter Mario Bredow beim zweiten Treffen vor Ort eine größere Runde begrüßen. Mehr als 20 von der Sperrung der Autobahn betroffene Anwohner – darunter auch Mitglieder der Bürgerinitiative A45 – nutzten die Gelegenheit, dem Leiter des Brückenbauer-Büros ihren Frust, ihre Enttäuschung und Wut mitzuteilen und Unterstützung einzufordern. Auch die Frage nach Sinn und Zweck der Nachbarschaftstreffen, die das Brückenbauer-Büro organisiert, stand im Raum.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Es brauche einen Schlachtplan, wie weiter vorzugehen sei. „Wir wollen Ihnen helfen, sich zu organisieren“, benannte Mario Bredow bei der Begrüßung die Aufgabe des Büros. Er habe in vielen Gesprächen gemerkt, was der 2. Dezember (Tag der A45-Sperrung) bei den Menschen angerichtet habe. „Wir kennen die Probleme vor Ort.“

Wie viel Frust, Ärger, Enttäuschung und Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht sich in sieben Monaten Autobahnsperrung bei betroffenen Anwohnern aufgestaut haben, erfuhr Bredow bei der Vorstellungsrunde. „Das Brückenbauer-Büro muss viel mehr tun“, forderte beispielsweise Peter Becker, der von Sattelschleppern am Buschhauser Weg berichtete und von Ausweichmanövern über sein Grundstück, wenn ein Bus entgegenkommt. Mit Blick auf die Gefahren, die Kindern drohen, wenn die Schule wieder beginnt, mahnte er: „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach zwölf!“ Das, was da passiere, sei Körperverletzung.

Die Befürchtung, dass Lüdenscheid in fünf Jahren Brückensperrung kaputt ist, stand beim Nachbarschaftstreffen im Bürgerhaus am Lenneteich im Raum.
Die Befürchtung, dass Lüdenscheid in fünf Jahren Brückensperrung kaputt ist, stand beim Nachbarschaftstreffen im Bürgerhaus am Lenneteich im Raum. © Jakob Salzmann

„Bitter enttäuscht über das, was bisher geschehen ist, richtig aggressiv und mit den Nerven am Ende“ zeigte sich Carsten Prillwitz, der an der Lennestraße wohnt. „Ich fühle mich wie jemand, der aus dem Krieg gekommen ist und alles verloren hat.“ Zig Politiker seien anfangs dagewesen und nichts sei geschehen. Auf die Gefahr, die durch durchfahrende Schadstoff-Lkw drohen, wies er hin.

Andere beklagten fehlende Planungsoffenheit und Transparenz sowie zu wenig Kommunikation. Befürchtungen wie „In fünf Jahren ist Lüdenscheid kaputt“, „Wir werden diese fünf Jahre als Stadt nicht durchstehen“ oder „Wir sehen zivilen Ungehorsam kommen“ standen im Raum. Unternehmen hätten Schwierigkeiten, Ingenieure und Facharbeiter zu bekommen. Um die eigene Gesundheit durch Abgase, Lärm und Verschmutzung, sichere Schulwege und den Zustand weiterer Brücken auf der A45 machten sich die Anwohner Sorgen.

„Die Politik muss nun in die Bresche springen“, forderte Michaela Harnisch-Müller. Ganz Lüdenscheid sei betroffen. Es sei sehr wohl möglich, zivilen Ungehorsam zu leisten. Auf eine Blockade durch Trecker spielte sie an. Als „die beste Sitzung bisher“ bezeichnete Dr. Walter Wortberg von der Bürgerinitiative A45 das Treffen. Er stellte eine Studie zur zusätzlichen Feinstoffbelastung und deren Auswirkungen in Aussicht. Einen Vortrag des Kinderarztes Christian Döring zum Thema am 10. August (18 Uhr) im Bürgerforum legte er den Teilnehmern ans Herz.

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