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Nach A45-Sperrung überlastet: Lüdenscheid prüft Lkw-Fahrverbot

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Von: Jan Schmitz

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Verkehrschaos in Lüdenscheid durch die Sperrung der A45. Auf dem Bild versucht ein verirrter Lkw-
Verkehrschaos in Lüdenscheid durch die Sperrung der A45. Auf dem Bild versucht ein verirrter Lkw-Fahrer auf der Schützenstraße durchzukommen, ebenso ein Rettungswagen. © Cedric Nougrigat

Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer ist am Montag Gastgeber des sogenannten „Spitzengesprächs“, das eigentlich ein Krisengipfel ist. Zuvor beantwortete er die Fragen von Jan Schmitz zur Sperrung der A45 und den Folgen für seine Stadt.

Wie dramatisch ist die Situation in Lüdenscheid?

Sehr dramatisch. Man kann, ohne zu übertreiben, in mehrfacher Hinsicht von einer Katastrophe sprechen. Die Vollsperrung der Talbrücke und der A45 bedeuten enorme Einschränkungen für die Lebensqualität vor Ort. Das kriegen aktuell insbesondere die Menschen zu spüren, die an den Umleitungsstrecken wohnen und vor deren Haustür sich der Verkehr gerade zu Stoßzeiten eine gefühlte Ewigkeit staut. Aber auch in Nebenstraßen und verkehrsberuhigten Zonen, die leider immer wieder als Ausweichrouten benutzt werden, ist die Situation schwierig – und immer wieder auch gefährlich, weil einige Verkehrsteilnehmer sich hier nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit halten. Hinzu kommt natürlich, dass alle Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheider selbst jeden Tag befürchten müssen, im Stau zu stehen, selbst wenn sie nur eine kurze Strecke im Stadtgebiet zurücklegen. Ganz zu schweigen von denjenigen, die täglich zu ihrer Arbeitsstätte pendeln müssen, sowie den Schülerinnen und Schülern, die auf Busse angewiesen sind. Eine Katastrophe ist die Vollsperrung auch für die vielen Unternehmen, Dienstleister und Rettungskräfte, die alle eine funktionierende Infrastruktur benötigen. Auch den durch die Corona-Pandemie ohnehin schon stark gebeutelten Einzelhandel trifft diese Vollsperrung hart, denn viele Menschen werden sich jetzt zweimal überlegen, ob sie zum Einkaufen nach Lüdenscheid beziehungsweise in die Stadt fahren.

Wie wollen Sie die Lkw aus dem Stadtgebiet bekommen?

Die Lkw aus dem Stadtgebiet und insbesondere aus den Wohngebieten und Tempo-30-Zonen möglichst fernzuhalten, hat oberste Priorität. Dafür setzen wir auf mehrere Maßnahmen. Wir haben die Grünphasen der Ampelanlagen auf den Umleitungsstrecken angepasst. Das sorgt bereits für ein bisschen Entlastung. Wir arbeiten hier an weiteren Optimierungen. Außerdem wollen wir die Beschilderung der Umleitungsstrecken ausbauen und zusätzliche Hinweistafeln aufstellen.

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer mit dem damaligen SPD-Bundesfinanzminister Olaf Scholz und heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz im Lüdenscheider Brauhaus im vergangenen Jahr.
Bürgermeister Sebastian Wagemeyer mit dem damaligen SPD-Bundesfinanzminister Olaf Scholz und heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz im Lüdenscheider Brauhaus im vergangenen Jahr. © Cédric Nougrigta

Wir prüfen auch, ob wir mehr Straßen vorübergehend als Anliegerstraßen ausweisen oder sogar Fahrverbote für Lkw aussprechen können. Dafür müssen wir aber zunächst bürokratische und rechtliche Hürden überwinden. Wir stehen im Austausch mit mehreren Behörden. Ebenfalls wichtig: Polizei und Ordnungsamt kontrollieren bereits verstärkt den Verkehr in Wohngebieten und verkehrsberuhigten Zonen.

Was erwartet Sie von dem Gipfel am Montag?

Ich erwarte klare Signale, schnelle Reaktionen und eine umgehende und umfassende Hilfestellung – und zwar sowohl von der Autobahn GmbH als auch von der nordrhein-westfälischen Landesregierung und dem Bund. Wir sprechen hier über technische, organisatorische, strukturelle und auch finanzielle Hilfen. Wir werden das als Kommune nicht alleine schaffen. Und ich fordere eine klare, topaktuelle Kommunikation auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten.

Die Sauerlandlinie gilt nicht umsonst als „Lebensader“ unserer Region. Und deswegen ist hier jetzt rasches Handeln erforderlich. Da sind Land und Bund gemeinschaftlich in der Verantwortung, zumal der Neubau der Talbrücke Rahmede trotz des bekanntermaßen schlechten Zustands so lange hinausgezögert wurde. Außerdem erwarte ich, dass die Baustellen auf den Bundesstraßen 54, 229 und 236 und die Baustelle an unserem Tunnel jetzt mit Hochdruck fertiggestellt werden. Es kann und darf nicht sein, dass Lüdenscheid und der Märkische Kreis von der Außenwelt abgeschnitten und die Menschen hier alleingelassen werden.

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