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A45-Sperrung: Längere Fristen - Sprengung im Dezember wäre „Weihnachtswunder“

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Von: Jan Schmitz

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Wird die Talbrücke Rahmede noch vor Weihnachten 2022 gesprengt? Das erscheint nun mehr als fraglich. Die Autobahn GmbH gibt sich schmallippig.

Lüdenscheid – Mehr als drei Wochen nach dem ursprünglich anvisierten Vergabetermin Ende August ist der Auftrag für den Sprengabbruch der maroden Talbrücke Rahmede immer noch nicht vergeben. Das teilte die Autobahn GmbH Westfalen auf Anfrage mit. Die Brücke soll – so hatte es Bundesverkehrsminister Volker Wissing im Februar angekündigt – noch in diesem Jahr gesprengt werden. Die Hoffnung, dass das noch gelingt, schwindet.

Ein Grund für die wochenlange Verzögerung im Vergabeverfahren für den Sprengabbruch könnten Nachbesserungen in der europaweiten Ausschreibung sein. Nach Recherchen unserer Zeitung musste die Autobahn GmbH die ursprüngliche, am 9. Juni veröffentlichte Fassung nach Fragen oder Hinweisen von potenziellen Auftragnehmern noch einmal überarbeiten. Erst zwei Wochen später – am 24. Juni – wurde die sogenannte Berichtigung im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und damit in neuer Fassung gültig.

Nach allgemeiner Lesart verschieben sich damit auch die im Ausschreibungstext gesetzten Fristen entsprechend. Was aber musste korrigiert werden? Die Autobahn GmbH schweigt auf Anraten des Bundesverkehrsministeriums dazu sowie zu allen anderen Fragen in diesem Zusammenhang (siehe unten). Ein Abgleich der beiden Fassungen vom 9. und vom 24. Juni zeigt aber, dass in der berichtigten Fassung die Anforderungen für potenzielle Auftragnehmer heruntergesetzt wurden. Während Bewerber laut Ursprungsfassung den „Nachweis über mindestens drei Sprengungen der Kategorie Brücken von mehr als 250 Metern Länge und mehr als 50 Metern Höhe mit zu schützenden Bauwerken (Bebauung im Mischgebiet)“ erbringen mussten, reichen nun drei Nachweise für die Sprengung deutlich kleinerer Brücken aus (länger als 150 Meter und höher als 25 Meter). Ebenfalls neu im Ausschreibungstext ist die Ergänzung „Der Auftraggeber akzeptiert auch Referenzen, welche mehr als fünf Jahre zurückliegen.“

Die Talbrücke Rinsdorf auf der Autobahn A45 zwischen den Anschlussstellen Siegen Süd und Wilnsdorf wird gesprengt. Daneben steht ein Teil des neuen Brückensystems. 120 Kilogramm Sprengstoff haben die 500 Meter lange und 70 Meter hohe Talbrücke der Autobahn 45 erfolgreich zu Fall gebracht.
Die Sprengung der A45-Talbrücke Rinsdorf im Februar dieses Jahres (Foto) führte die Firma RL Liesegang im Auftrag der Autobahn GmbH durch. Das Spezialunternehmen hat laut Aussagen von Autobahn-Chefin Elfriede Sauerwein-Braksiek aus dem Januar zudem die Prüfung durchgeführt, ob eine Sprengung der Talbrücke Rahmede überhaupt möglich ist. Foto: Rene traut/dpa © Rene Traut/dpa

Wie berichtet, haben laut Autobahn GmbH drei geeignete Spezialfirmen ihren Hut in den Ring geworfen und warten nun auf den Zuschlag. Diesen erhält – sollten alle Voraussetzungen und Nachweise erbracht sein – laut Ausschreibung das preisgünstigste Angebot. Die Zeit für eine Entscheidung drängt, soll die Brücke tatsächlich noch wie geplant vor Weihnachten 2022 fallen. Mit Blick auf die zu erbringenden Leistungen scheint dies allerdings eher fraglich.

So muss das beauftragte Unternehmen noch vor der Sprengung unter anderem 1.350 Kubikmeter Leitungsgräben und 730 Meter Steinschlagzaun bauen, 5.000 Felsnägel mit einer Länge von vier Metern zur Rückverankerung einbringen, 40.000 Quadratmeter abgeholzte Waldfläche roden, 100 Tonnen Bewehrung aus Baustahlmatten einbauen und 35.100 Kubikmeter Schotter für Fallbetten liefern. Die Zeit für eine Entscheidung drängt aber auch noch aus einem anderen Grund: Die Bindefrist endet voraussichtlich am 14. Oktober. Nur bis zu diesem Datum sind die Firmen an ihren alten Angebotspreis aus dem Juli gebunden. Danach könnte teurer werden.

Im Wortlaut: Fragen unserer Redaktion an die Autobahn GmbH und die Antwort

Am 16. September stellte unsere Zeitung folgende Anfrage an die Autobahn GmbH im Bezug auf die Berichtigung des Ausschreibungstextes zum Sprengabbruch:

1. Was war im ursprünglichen Ausschreibungstext falsch, das eine Berichtigung erforderte? Wie wurde es berichtigt?

2. Wieso wurde die Berichtigung notwendig?

3. Entsprach die ursprüngliche Version der Ausschreibung vom 9. Juni 2022 nicht geltendem (EU-)Recht?

4. Wer bzw. welche Institution hatte die Berichtigung der ursprünglichen Fassung verlangt?

5. Haben sich durch die Berichtigung die in der Ursprungsversion gesetzten Fristen nach hinten verschoben? Wenn ja: Wie lauten die neuen Fristen?

6. Gegenüber dem Kollegen Thomas Machatzke gab die Autobahn GmbH an, dass der Termin für die Sprengung (gefragt war nach dem 18.12.2022) Teil der Ausschreibung sei. Im öffentlich zugänglichen Teil der Ausschreibung ist dieser Termin als spätester Sprengtermin allerdings nicht aufgeführt. Wo in der Ausschreibung ist dieser Termin aufgeführt? Bitte senden Sie uns den Wortlaut im entsprechenden Passus der Ausschreibung zu.

7. Wann wird die Vergabe an den Auftragnehmer – nach den Plänen der Autobahn GmbH – erfolgen?

8. Wann muss er aus Sicht der Autobahn GmbH spätestens erfolgen, damit die Sprengung im Dezember 2022 noch möglich ist?

Das ist die Antwort der Autobahn GmbH auf die gestellten Fragen: „Das Vergabeverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Informationen zum Inhalt des Verfahrens können darum noch nicht gegeben werden.“

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