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A45-Sperrung: Der erste neue Brückenpfeiler steht - für Fledermäuse

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Von: Jan Schmitz

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Noch bevor die Rahmedetalbrücke gesprengt und neu gebaut wird, steht der erste Brückenpfeiler - für Fledermäuse. Sie sollen sich hier wie zuhause fühlen.

Lüdenscheid – Das ging schnell. Weniger als sieben Monate nach der Sperrung der A45 ist das erste Bauwerk für den Neubau der maroden Talbrücke Rahmede fertig. Mehrere hundert Meter von der Brücke entfernt hat ein Bauunternehmen im Auftrag der Autobahn Westfalen einen Pfeiler gebaut, der niemals eine Brücke tragen wird – für Fledermäuse.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Auf einer Fläche von vier mal vier Metern ragt der Turm acht Meter in die Höhe. Das Gebäude hat unten eine Tür für Menschen und oben Einfluglöcher für Fledermäuse. Ansonsten erinnern die schmucklosen Betonmauern an der Altenaer Straße eher an eine militärische Anlage als an ein Naturschutzprojekt. Dabei ist die Optik gewollt und zwischen Autobahn GmbH und Naturschutzverbänden abgestimmt, denn Fledermäuse lieben kargen Beton – so wie an der Rahmedetalbrücke.

Wachturm im Wald? Die Autobahn Westfalen hat für Fledermäuse einen Turm errichten lassen, dessen Optik an einen Brückenpfeiler erinnern soll.
Wachturm im Wald? Die Autobahn Westfalen hat für Fledermäuse einen Turm errichten lassen, dessen Optik an einen Brückenpfeiler erinnern soll. Im Hintergrund ist die Talbrücke Rahmede zu sehen. © Cornelius Popovici

Zählungen an und in dem Lüdenscheider Brückenbauwerk ergaben Nachweise für mehr als 1 200 Tiere. Weil alle Fledermausarten streng geschützt sind, müssen vor Sprengung und Neubau der Talbrücke die nacht- und dämmerungsaktiven Säugetiere als Ausgleich für den Eingriff in die Natur umgesiedelt werden. Die Zeit drängt, denn die marode Brücke soll noch in diesem Jahr gesprengt werden. Dann darf sich kein Tierchen mehr in dem Bauwerk befinden.

Zwergfledermäuse fliegen manchmal durch das gekippte Fenster ins Zimmer - dann sollte man Ruhe bewahren und dem Tier helfen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn
Die Zwergfledermaus nutzt die Rahmedetalbrücke als Winterquartier. Sie gelangt durch 1,5 Zentimeter große Löcher ins Innere. Diese sind nun verschlossen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn © Karl-Josef Hildenbrand

Die Autobahn GmbH bietet den Fledermäusen daher nun gleich mehrere Alternativen an: Alte Bergwerksstollen in der Umgebung wurden geöffnet, 80 Winter- und Sommerquartierskästen an Bäumen aufgehängt, sieben hölzerne Fledermaustürme gebaut und zwei Betontürme als Pfeiler-Attrappen geplant.

Der zweite Fledermaus-Turm wird in der Nähe der Talbrücke Rahmede im Wald entstehen. Das Fundamt ist bereits gegossen.
Der zweite Fledermaus-Turm wird in der Nähe der Talbrücke Rahmede im Wald entstehen. Das Fundamt ist bereits gegossen. © Cornelius Popovici

Der erste steht, ein zweiter befindet sich im Wald unweit der Brücke noch im Bau. Die Standorte hält die Autobahn GmbH geheim, damit die geschützten Tiere beim Umzug nicht gestört werden. Ökologen kontrollieren die neuen Behausungen engmaschig. Die Ersatzmaßnahme gilt dann als Erfolg, wenn die Fledermäuse die Angebote annehmen.

Mehr als 1 000 Zwergfledermäuse

Bei den Fledermaus-Kartierungen an der Talbrücke Rahmede in den Jahren 2016/2017 waren 1 148 Zwergfledermäuse, 52 Braune Langohren, 50 Große Abendsegler sowie ein bis drei Zweifarbfledermäuse nachgewiesen worden. Laut Autobahn Westfalen handelt es sich um eine überregional bedeutende Population von Zwergfledermäusen. Sie überwintern in den Pfeilern der Brücke.

Es wird den Tierchen kaum etwas anderes übrig bleiben, denn ein Zurück in die Brücke gibt es nicht. Wie Autobahn-Sprecherin Susanne Schlenga erklärte, hätten in der vergangenen Woche Industriekletterer die nur 1,5 Zentimeter breiten Schalungslöcher in allen Brückenpfeilern verschlossen. Zudem wurde Rauch in die Hohlräume geblasen und Buchenholz-Teer an den Einfluglöchern aufgebracht, um die Tiere zu vergrämen.

Damit sie keine Fledermaus übersehen, haben die Umweltexperten in die Pfeiler sogenannte Bat-Corder eingebaut, die die Ultraschalllaute der Tiere aufzeichnen. Schlägt das Detektor an, folgt die immer gleiche Prozedur: Ein Mitarbeiter öffnet die Tür im Brückenpfeiler – und wartet bis die Fledermaus den Weg ins Freie findet.

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