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A45-Sperrung: Brückenwächter würde Lkw zurückschicken - schon auf der Autobahn

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Von: Jan Schmitz

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Brückenwächter auf der A45 schicken den Lkw-Durchgangsverkehr zurück. Diese längst verworfene Idee erlebt nun ein Revival - an höchster Stelle.

Lüdenscheid – Das wäre eine echte Entlastung für die verkehrsgeplagten Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheider: Nach Informationen unserer Zeitung bereitet das Bundesministerium für Digitales und Verkehr von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) derzeit die Einführung von sogenannten Brückenwächtern auf der A45 bei Lüdenscheid vor. Das Ziel: Den Lkw-Transitverkehr schon auf der Autobahn abfangen und zurückschicken.

A45-Sperrung: Brückenwächter würde Lkw zurückschicken - schon auf der Autobahn

Eine offizielle Bestätigung aus Berlin gibt es bislang zwar nicht. Die Indizien sprechen allerdings dafür, dass das Bundesverkehrsministerium die bisher ablehnende Haltung der ihr unterstellten Autobahn GmbH kassiert hat und die Umsetzung des Brückenwächters – gegebenenfalls in abgeschwächter Form – vorantreibt. Wie berichtet, hat das Konzept des Brückenwächters die RWTH Aachen mit einer Softwarefirma entwickelt. Dabei werden mit Kameras Fahrzeugtyp, Fahrzeugklasse sowie das Kennzeichen erfasst. Fahrer von nicht zugelassenen Fahrzeugen werden dann an der letzten Möglichkeit zur Umkehr auf LED-Tafeln direkt angesprochen, indem dort das Kennzeichen angezeigt und auf das Durchfahrtsverbot verwiesen wird. Die Maßnahme wirkt. In einem Modellversuch in Witten hatten 80 Prozent der Lkw-Fahrer das Durchfahrtsverbot beachtet und waren umgekehrt.

Derzeit wird das Modell nach Informationen unserer Zeitung von den Verkehrsexperten im Ministerium intensiv geprüft. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer hatte sich zuvor vehement bei Verkehrsminister Volker Wissing, der kürzlich wegen der A45-Sperrung zu einem Besuch in Lüdenscheid war, dafür eingesetzt, dass das Konzept des Brückenwächters noch einmal gesondert betrachtet wird und die erneute Prüfung verlangt. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob der eigentlich zum Schutz von abgelasteten, maroden Brücken entwickelte Brückenwächter auch zur Entlastung einer Bedarfsumleitung eingesetzt werden kann und darf – und damit auf einer Bundesfernstraße.

Aufbau der Messstation für offizielle Schadstoffmessung an der Lennestraße
Die Lennestraße in Lüdenscheid ist stark belastet. © Cédric Olivier Nougrigat

A45-Sperrung: Brückenwächter könnte 3000 Lkw aus Lüdenscheid heraus halten

Die Stadt Lüdenscheid hatte sich schon kurz nach der A45-Sperrung für einen erneuten Modellversuch ausgesprochen. Sie rechnet bei einer Umsetzung damit, dass Lüdenscheid dadurch täglich um etwa 3000 Lkw entlastet würde. Noch im Mai hatte die Autobahn GmbH der Stadt in einer Stellungnahme zum Brückenwächter allerdings eine Absage erteilt. Darin hieß es: „Aus rechtlichen und praktischen Abwägungen heraus ist das vorgeschlagene System gleichfalls abzulehnen.“ Stattdessen hatte die Autobahn GmbH den Ausbau der B54 im Volmetal zur Ausweichstrecke favorisiert.

Nach Informationen unserer Zeitung sieht das Bundesverkehrsministerium inzwischen aber durchaus Chancen, den überregionalen Schwerlastverkehr aus Lüdenscheid herauszuhalten, ohne die Ausweichstrecken zusätzlich zu belasten. Auf Anfrage wird eine Sprecherin zum Brückenwächter zwar nicht konkret, bestätigte aber, dass das Verkehrsministerium „dem aktuellen Verkehrs- und Unfallgeschehen angepasste verkehrsbeschränkende Maßnahmen“ vorbereitet. Ziel sei es, „den Durchgangsverkehr auf der Umleitungsstrecke in Lüdenscheid weiter zu reduzieren und Lüdenscheid insbesondere vom Schwerlastverkehr“ zu entlasten. Das ist neu. Beschränkungen für den Durchgangsverkehr auf der A45-Umleitung, auf der es jetzt einen tödlichen Unfall gegeben hatte, hatte das Bundesverkehrsministerium bislang kategorisch abgelehnt.

Am Freitag sitzt Bürgermeister Wagemeyer im Lenkungskreis erneut mit Vertretern von Ministerium und Autobahn GmbH zusammen. Dann könnte es schon um die Brückenwächter für Lüdenscheid gehen.

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