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A45-Sperrung: Autobahn GmbH registriert bis zu 20 Prozent mehr Lkw auf Umleitungen

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Von: Jan Schmitz

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Die Autobahn GmbH hat am Sonntag eine Pressemitteilung herausgegeben. Darin behauptet die für die A45-Sperrung bei Lüdenscheid zuständige Gesellschaft der Bundes, dass der Lkw-Verkehr auf den Umleitungsstrecken zwischen 5 und 20 Prozent gestiegen sei. Leider ist nicht angegeben, auf welchen Vergleichszeitraum sie sich bezieht. Auf Nachfrage konkretisierte die Autobahn GmbH, was sie mit Autobahn-Umleitungsstrecken meint.

Die Autobahn GmbH sperrte am 2. Dezember von jetzt auf gleich die A45, nachdem ein Schaden an der Talbrücke Rahmede festgestellt worden war. Wegen Gefahr im Verzug informierte die Autobahn GmbH nur nachrichtlich, erst am nächsten Morgen gab es das erste Gespräch mit Vertretern von Kommunen, Polizei, Feuerwehr und Wirtschaftsverbänden. Die Informationspolitik der Autobahn GmbH wurde anschließend von diesen scharf kritisiert. Es wurde maximale Transparenz versprochen.

Dass die Talbrücke Rahmede bei Belastung einsturzgefährdet ist, sagt die Autobahn GmbH allerdings nur indirekt. In Mitteilungen insinuierte das Unternehmen zudem, dass die Arbeiten für die Not-Verstärkung an der Talbrücke bereits begonnen hätten. Das wurde von vielen Vertretern von Kommunen und Wirtschaftsverbänden so interpretiert, dass bereits an der Brücke gearbeitet wurde. Stattdessen hatten Vorbereitungsarbeiten zur Beschaffung von Gerät und Material begonnen.

Dann ließ die Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek ihre Gesprächspartner im Unklaren, indem sie bei den anvisierten Zeiträumen für die neue Brücke - zumindest bezogen auf die bisherigen Planungen - unerwähnt ließ, dass sie keinesfalls die Fertigstellung der Brücke meinen konnte, sondern lediglich ein Teilbauwerk.

Insofern sollte man genau hinzuschauen, wenn sich die Autobahn GmbH und die Direktorin Sauerwein-Braksiek wieder via Pressemitteilung äußern.

Am Sonntag war es so weit. Zweieinhalb Wochen nach der A45-Sperrung und Wochen voller Verkehrschaos in Lüdenscheid und um Lüdenscheid herum, teilt das Unternehmen mit: „Die Autobahn Westfalen informiert Lkw-Fahrerinnen und Fahrer inzwischen auf unterschiedlichsten Wegen über die Sperrung der A45 bei Lüdenscheid.“

„Mit der Einrichtung der Vollsperrung wurden sofort die so genannten dWiSta-Tafeln aktiviert, die bereits weit im Voraus auf die Sperrung hinweisen.“ So sind schon im Kreuz Lotte-Osnabrück oder bei Frankfurt Umleitungen für den Lkw-Verkehr ausgeschildert. Allerdings nicht auf der A45 an den direkten Zufahrten auf das problematische Teilstück am Westhofener Kreuz und am Kreuz Olpe-Süd. Dort gibt es die dWiSta-Tafeln nämlich nicht.

„Dort, wo die großen Schilderbrücken nicht vorhanden sind, hat die Autobahn Westfalen Blechbeschilderungen oder auch mobile LED-Tafeln aufstellen lassen. So bekommt der Güterverkehr zum Beispiel vor dem Kreuz Olpe-Süd noch einmal den Hinweis, die A4 als Alternativroute zu nutzen.“ Die LED-Tafeln am Westhofener Kreuz wurden jedoch nicht sofort aufgestellt, sondern erst am 12. oder 13. Dezember.

Dann kommt Sauerwein-Braksiek zu Wort. Sie behauptet: „Wir haben aber auch abseits der Strecke alles getan, um die Informationen soweit wie möglich in der Branche zu streuen.“ In einer digitalen Konferenz mit dem Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) habe man nicht nur die VVWL-Mitglieder auf Stand gebracht. „Der Verband hat uns unterstützt, in dem unsere Informationen national und international weitergegeben wurden“, sagt Sauerwein-Braksiek und dankt dem Verband für die gute Zusammenarbeit. Darüber hinaus werde ein Flyer in sieben Sprachen digital und an Raststätten verteilt, um die wichtigen Informationen zu den weiträumigen Umleitungstrecken über die unterschiedlichen Autobahnen auch dauerhaft zu transportieren.

International ist zudem die direkte Ansprache an die Lkw-Fahrer, heißt es in der Mitteilung der Autobahn GmbH: Per CB-Funk werde auf den Zulaufstrecken auf die Sperrung der A45 hingewiesen. „Auch hier informieren wir in mehreren Sprachen“, so Sauerwein-Braksiek.

Was die Autobahn GmbH nicht sagt, die Konferenz fand erst am 14. Dezember statt. Bis dahin hingen die Spediteure und Logistiker in der Luft. Der VVWL äußerte sich nach der Konferenz auch. Horst Kottmeyer, Vorsitzender des VVWL NRW und Unternehmer aus Bad Oeynhausen resümierte laut Mitteilung:

„Die schlechte Nachricht war sehr deutlich: Die alte Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid wird nicht mehr für Lkw befahrbar sein, bis zum Neubau vergehen mindestens fünf Jahre. Hier rächen sich Jahrzehnte der Unterfinanzierung unserer Verkehrsinfrastruktur. Wir stellen jedoch fest, dass sowohl die Autobahn GmbH und Straßen.NRW als auch die Politik die Dramatik der Situation für die Betroffenen voll und ganz verstanden haben und gemeinsam mit uns an Lösungen arbeiten. Bereits jetzt sind die Ampelschaltungen und Vorfahrtsregelungen auf den örtlichen Umleitungsstrecken an die Sperrung angepasst und dort bestehende Baustellen zurückgebaut worden. Jetzt gilt es, in einem beschleunigten Planungsverfahren die Bauzeit so kurz wie möglich zu halten. Wir sehen hier insbesondere bei der Umweltverträglichkeitsprüfung Potenzial zur Zeiteinsparung – schließlich ist der Eingriff in die Natur bei einem Ersatzbau ein anderer als bei einem Neubauprojekt. Darüber hinaus ist auch die Klagemöglichkeit so zu gestalten, wie dies bereits bei der Rheinquerung bei Leverkusen gehandhabt wird, nämlich dass eine Klage keinen Bauaufschub mit sich bringt und in einziger Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht geführt werden kann. Über unseren Weltverband IRU haben wir bereits unsere europäischen Schwesterverbände informiert, damit der internationale Verkehr die Sperrung großräumig umfährt und so die regionalen Ausweichrouten entlastet.“

Laut Mitteilung der Autobahn GmbH vom Sonntag zeigten sich „bereits Anfang der Woche“ „erste Erfolge“ dieser Bemühungen. Insgesamt seit auf der A45 der Verkehr im Zulauf auf die Sperrung um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. Auf den Autobahn-Umleitungsstrecken habe der Lkw-Verkehr zwischen fünf und 20 Prozent (je nach Strecke) zugenommen.

Auf Nachfrage konkretisierte die Autobahn GmbH, dass es sich bei den Verkehrsmengen-Steigerungen auf Autobahn-Umleitungsstrecken nicht über die Lüdenscheider Umleitungsstrecken handelt, sondern um die Umleitungen AUF Autobahnen. So stieg der Lkw-Verkehr auf der A44 beispielsweise zwischen Lichtenau und Marsberg um 6,5 Prozent.

Die Pressemitteilung der Autobahn GmbH schließt mit einem Zitat: „Wenn die zusätzlichen Maßnahmen nun greifen, können wir die Bürgerinnen und Bürger in Lüdenscheid hoffentlich noch ein wenig mehr entlasten“, sagt Niederlassungsdirektorin Sauerwein-Braksiek.

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