1. come-on.de
  2. Lüdenscheid

A45: Lüdenscheids Politiker bündeln ihre Forderungen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Machatzke

Kommentare

drei alte männer auf dem podium
Ein Teil des Podiums am Freitag: (von links) Dirk Stiepert (Autobahn GmbH), Ludger Siebert (Straßen.NRW) und Dr. Stefan Krause (Bundesministerium). © Thomas Machatzke

Nach dem Rat ist in Lüdenscheid zumindest im Monat Juni vor dem Rat: Bereits am nächsten Montag tagt der Rat der Stadt erneut (17 Uhr, Ratssaal), nur zehn Tage nach der Sondersitzung zur A45-Sperrung im Kulturhaus. Und natürlich steht auch die Sperrung dann wieder auf der Agenda – wenn auch nicht ausschließlich.

Lüdenscheid – Am Freitag im Rahmen der Sondersitzung wurde am Ende noch in aller Kürze eine Anregung der Bürgerinitiative A45 zum Umleitungsverkehr mit 34 Ja-Stimmen und einer Enthaltung angenommen, nach der der Bund dazu aufgefordert wird, „rechtlich und tatsächlich alles zu ermöglichen, den überregionalen Autobahnverkehr, insbesondere Lkw, aus dem Stadtgebiet Lüdenscheid herauszuhalten“. Ein Brückenwächter wäre ein Mittel der Wahl.

Am nächsten Montag steht ein sehr ähnlicher Antrag aller fünf im Rat vertretenen Fraktionen auf der Tagesordnung: „Der Rat fordert Land und Bund auf, unter Einbindung der durch die Sperrung der Rahmedetalbrücke betroffenen Kommunen und den Bürgerbeauftragten alles dafür zu tun, um eine spürbare Entlastung unserer Region zu erwirken“, heißt es im Antrag.

Und weiter: „Konkret müssen folgende Ziele zum Schutz der Region umgesetzt werden: Ein Durchfahrtsverbot für den überregionalen Schwerlastverkehr, ausgenommen Quell- und Zielverkehr, muss für folgende Streckenabschnitte eingerichtet werden:

A45: Lüdenscheids Politiker bündeln ihre Forderungen

Alternativ sollen andere Möglichkeiten geprüft und gegebenenfalls umgesetzt werden, die dazu dienen, den Schwerlast-Durchgangsverkehr zu reduzieren und zu kontrollieren. Eine Möglichkeit wäre die bereits mehrfach vorgeschlagene „Blockabfertigung“.

Weiträumige Umleitungen des überregionalen Schwerlastverkehrs, ausgenommen Quell- und Zielverkehr in der Region, müssten rechtssicher umgesetzt werden. Der Antrag zählt danach noch die Möglichkeiten auf, wie der Verkehr weiträumig umgeleitet werden kann.

Außerdem fordern die Fraktionen die „Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Neubau der Rahmedetalbrücke durch den Bund“ und die „Schaffung notwendiger lnstrumente für einen finanziellen Ausgleich der Schäden an Verkehrsinfrastruktur, sonstiger lnfrastruktur sowie an Gebäuden entlang der Umleitungsstrecken, beispielsweise durch einen Sonderfonds“. Kurzum: Ein Rundum-Paket mit fast allen Forderungen des Freitags.

Am Freitag zum Auftakt der Sondersitzung hatte Bürgermeister Sebastian Wagemeyer in Richtung Dirk Stiepert (Autobahn GmbH), Ludger Siebert (Straßen.NRW) und Dr. Stefan Krause (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) festgestellt: „Schwerlastverkehr über fünf Jahre in dieser Form zu dulden, ist keine Option. Wir werden uns als Lüdenscheider zur Wehr setzen.“ Das klang zunächst gut, aber der Ton, in dem er dies vortrug, war kein sehr kämpferischer. Auch im Nachgang war Wagemeyer mehr als Mediator zwischen aufgebrachten Bürgern und hochrangigen Gästen unterwegs denn als unerbittlicher Forderer. Wagemeyer setzt – das betonte er gleich an mehreren Stellen – auf Kommunikation.

Was in Füssen möglich ist, sollte in Lüdenscheid nach deutschem Recht doch eigentlich auch möglich sein!

CDU-Ratsherr Christoph Weiland

Doch was, wenn es mit dieser Kommunikation einfach nicht klappen will? Der Freitag warf genau diese Frage auf. Auf der einen Seite die Lüdenscheider, die sich genervt von Lärm und verpesteter Luft alles Mögliche vorstellen können. Auf der anderen Seite eine Riege gut gekleideter Gäste mit einem Ausredenbaukasten. Entweder setzt das Recht die Grenzen (wie bei der heiligen Kuh „Bedarfsumleitung“) oder aber der Markt bzw. die nicht zur Verfügung stehenden Fachfirmen – zum Beispiel beim Tunnel, aber eben auch bei den vielen Arbeiten, die zum Beispiel auf der Altenaer Straße noch unerledigt sind.

Ein Mann mit T-Shirt und Weste, der sich als „Staumelder Werner“ zu erkennen gab, berichtete davon, dass Lkw auf der Altenaer Straße eine Kuhle so umständlich umfahren müssten, dass allein dies den Verkehr aufhalte. „Die Kuhle wird immer größer. Wenn Sie ein Ruderboot haben, können sie drin rudern“, sprach Staumelder Werner Ludger Siebert direkt an. Der fand dies weniger witzig als das Auditorium, stellte aber fest, dass man nun endlich eine Baufirma habe, die eine „Sammelsanierung“ durchführen werde.

Unterm Strich blieb vieles unbefriedigend. Die CDU hatte das Füssen-Beispiel als Möglichkeit einer „Blockabfertigung des Verkehrs“ (als Alternative zum Brückenwächter) angeführt. Abgelehnt mit dem Hinweis, dass eine „Einengung der Bedarfsumleitung“ rechtlich nicht möglich sei. „Was in Füssen möglich ist, sollte in Lüdenscheid nach deutschem Recht doch eigentlich auch möglich sein“, stellte CDU-Ratsherr Christoph Weiland fest und schüttelte den Kopf.

So wie René Jarackas, der vor der Sondersitzung die Demonstration für die Bürgerinitiative A45 angemeldet hatte und im Kulturhaus eine Unterschriftenliste übergab. Jarackas berichtete vom Haus an der Umleitungsstrecke Im Grund, das er mit Anfang 20 von seinen Urgroßeltern übernommen hatte. „Nichts hat mehr Wert“, sagte er. Er sei enttäuscht, sprachlos, entsetzt und gekränkt. Und die Antworten des Tages? Auch da hatte Jarackas eine klare Meinung. „Ausweichend und ausflüchtend“ nannte er sie. Die Kommunikation, sie hat noch viel Luft nach oben.

Auch interessant

Kommentare