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Einsturzgefahr an der Talbrücke: A45 gesperrt - immer mehr Schäden entdeckt

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Von: Jan Schmitz

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Die Talbrücke Rahmede hätte jederzeit einstürzen können. Im Licht der Ausführungen der Autobahn GmbH im Landtag wird deutlich, warum die Bundesbehörde die A45 bei Lüdenscheid unverzüglich sperren ließ - und warum niemand mehr auf die Brücke darf.

Die A45 bleibt zwischen Lüdenscheid und Lüdenscheid-Nord für Pkw mindestens drei weitere Monate voll gesperrt, für Lkw für immer. Die Nachricht, die Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn GmbH, am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Landtags verkündete, löste in Lüdenscheid und Umgebung Frust und Entsetzen aus. Der Schock sitzt tief.

AutobahnA45
Länge257 km
BundeslandNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer sprach am Abend von einer „Katastrophe“ und forderte mit Nachdruck, „dass die Stadt sämtliche Unterstützung von den zuständigen Behörden und vom Land NRW erhält, um schnell eine Lösung für Pendler, Anwohner und Unternehmen umzusetzen.“

A45-Sperrung: Weitere Schäden an Talbrücke Rahmede entdeckt

Unterdessen gingen auch am Mittwoch die Untersuchungen an den Stahlträgern der Talbrücke Rahmede weiter. Dort war in der vergangenen Woche bei Laser-Scans an einer Stahlwand eine Verformung festgestellt worden, die auf eine zu hohe Belastung sowie Risse in den Schweißnähten hindeutete. Daraufhin wurde die A45 am Donnerstag aus Sicherheitsgründen unverzüglich gesperrt. Ein Ingenieur der Autobahn GmbH verteidigte im Landtag den unpopulären Schritt. Demnach bestand die Gefahr, dass die Brückenträger mit ihnen die Fahrbahn ohne Vorwarnung hätten einstürzen können.

Der Experte, dass bei einem der entdeckten Schäden die Verformung zwischen 12 bis 17 Millimeter liegt - und damit dreifach höher als die zulässige Verformung von 5 Millimetern. Durch den Schaden wird eine Schweißnaht massiv belastet.
Der Ingenieur sprach davon, dass sich die Talbrücke Rahmede in einem „labilen Gleichgewichtszustand“ befinde. Der Schaden würde sich nicht langsam weiter vergrößern, sondern es würde zu einem schlagartigen Versagen kommen. „Es knallt und dann ist das unten“, sagte der Experte im Landtag. Vorhersehbar sei solch ein plötzliches Versagen nicht. Daher gab es keine Alternative zur sofortigen Sperrung.

Beulen im Stahl an der Talbrücke Rahmede.
Beulen im Stahl an der Talbrücke Rahmede. © Autobahn GmbH

An den folgenden Tagen wurden weitere „Beulen“ in den Stahlwänden gefunden, die den bestehenden Verdacht erhärteten, dass die Brücke den Verkehr auf der A45 nicht mehr tragen kann. Zur Veranschaulichung verglich der Experte die Stahlkonstruktion der Brücke mit einer Coladose. Ist die Dose intakt, trägt sie auch das Gewicht eines Menschen. Gibt es aber nur eine minimale Verformung in der Seitenwand der Alubüchse, bricht sie unvermittelt ein. Klaus Voussem, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, taufte die Talbrücke Rahmede daraufhin „Coladosen-Brücke“.

Mit einer Not-Verstärkung soll die Brücke bis zur Fertigstellung des Neubaus zumindest für Pkw wieder befahrbar sein. Dazu werden von außen Stahl-Laschen an die verbeulten Stahl-Elemente angebracht, um die Tragfähigkeit zu erhöhen. Im günstigsten Fall sind die Arbeiten nach drei Monaten abgeschlossen. Mit Blick auf die kalte Jahreszeit könne es aber auch länger dauern.

„Fakt ist, die Tragfähigkeit wird durch die Verstärkung nicht wieder so hergestellt, wie sie ursprünglich war“, sagte Sauerwein-Braksiek im Ausschuss. Mit der Freigabe der Brücke für Pkw wird eine Schrankenanlage errichtet, die die Zufahrt auf die Brücke regelt. Lkw werden die Brücke nie wieder befahren dürfen. Sie sollen künftig weiträumiger um Lüdenscheid umgeleitet werden. Ob es Ausnahmen für die Feuerwehr geben kann, ist unklar.

A45-Sperrung durch kaputte Talbrücke Rahmede: die Chronologie der Fehler
A45-Sperrung durch kaputte Talbrücke Rahmede. © Cedric Nougrigat

Der inzwischen für 2026 vorgesehene Brücken-Neubau soll vorgezogen und die bereits 2016 vergebenen Planungen zügig intensiviert werden. Das neue Bauwerk soll parallel zur bestehenden Brücke entstehen – und zwar deutlich schneller als die Lennetalbrücke in Hagen (acht Jahre). „Wir brauchen ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren“, forderte daher Sauerwein-Braksiek im Ausschuss. Auf eine mögliche Bauzeit wollte sie sich aber nicht festlegen lassen. Man spreche bereits mit Anwohnern und Waldbesitzern des neuen Brückenstandorts im Rahmedetal über Grunderwerb, der insbesondere für die Anlage von bis mindestens sieben Baustraßen erforderlich ist.

In Teilen kann die Autobahn GmbH auf Pläne von Straßen.NRW aus den Jahren 2015 und 2016 zurückgreifen. Damals hatte der Landesbetrieb den aktuellen Stand der Planungen für einen Neubau der Rahmedetalbrücke im Bau- und Verkehrsausschuss der Stadt Lüdenscheid vorgestellt. Im Juli 2015 kündigte Straßen.NRW den Baubeginn für 2018 an. Bauzeit: drei Jahre. Im September 2016 hieß es dann, dass der Bau 2019 startet und vier Jahre dauert. „Nach neuesten Berechnungen dürfte das Bauwerk spätestens 2025 nicht mehr leistungsfähig sein“, sagte seinerzeit der zuständige Projektgruppenleiter Karl-Hermann Metz. Dennoch wurde 2017 später der Neubau der Talbrücke Rahmede zugunsten anderer Bauprojekte zurückgestellt.

Dadurch verzögerten sich auch die Neubauprojekte der Talbrücken Schlittenbach, Kattenbusch und Bremecke, die im Anschluss geplant waren. Sie sollten ursprünglich bis 2026 durch neue Bauwerke ersetzt sein. Terminierter Baubeginn jetzt: frühestens 2029.

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