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A45-Brücke: Grunderwerbsfragen geklärt, aber weiter kein konkreter Sprengtermin

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Von: Thomas Machatzke

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Das Objekt aller Diskussionen und Planungen: die marode Talbrücke Rahmede in Lüdenscheid. © Carsten Engel

Großer Bahnhof an der Lennestraße: Am Dienstag fand in Lüdenscheid das nächste A45-Spitzengespräch statt. Am Ende gaben sich alle Beteiligten Mühe, frohe Botschaften zu verkünden.

Lüdenscheid – Oliver Luksic, der Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr, kommt eigentlich aus dem Saarland und ist aus dem dortigen Schwarzwälder Hochwald durchaus Bergiges gewohnt. „Wir sind heute gemeinsam mit einigen Bundestagsabgeordneten durch alpines Gelände geklettert und haben uns alles genau zeigen lassen“, stellte Luksic am Dienstag gleichwohl ein wenig beeindruckt zum Auftakt der Pressekonferenz nach dem Spitzengespräch zur A45-Sperrung im Stadtwerkehaus an der Lennestraße fest, zu dem er als Vertreter des BMDV in die Bergstadt gekommen war.

Das „alpine Gelände“ unter der Talbrücke und die „Komplexität von Abriss und Neubau“ – darum sollte es also gehen. Und um frohe Botschaften, Tage von Spitzengesprächen sind keine Tage des Klagens.

„Alle Grundstücksverhandlungen sind am Wochenende zu einem Ende gekommen“, verkündete Luksic also die wahrscheinlich beste Nachricht des Tages, denn die Grunderwerbsfragen waren ja zuletzt als Hemmschuh für Sprengtermin und Baurechtserlangung ausgemacht worden. Für letzteren Fall kündigte der FDP-Mann an, dass man nun „bis Ende des Jahres die Unterlagen vervollständigen“ könne, sodass dann das Fernstraßenbundesamt in Leipzig eine Entscheidung treffen kann. Der Wunsch: Ein „Fall unwesentlicher Bedeutung“ soll es sein.

Alle Grunderwerbsfragen sind geklärt, aber weiter kein konkreter Sprengtermin

Warum aber braucht die Autobahn GmbH nun noch einmal bis Ende des Jahres, um die Unterlagen zu vervollständigen, wenn doch nun die letzten Zusagen beim Grunderwerb vorliegen? Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH, erklärte es auf Nachfrage: „Diese Änderungen müssen nun noch in einen landschaftspflegerischen Begleitplan eingearbeitet werden. Es geht da auch noch um den Ausgleich, es werden ja nun noch Bäume an den Hängen gefällt. Aber wir sind auf einem guten Weg.“

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Sebastian Wagemeyer, Bürgermeister Lüdenscheids und Bürgerbeauftragter für den Neubau der Talbrücke Rahmede. © Machatzke, Thomas

Luksic verwies derweil noch einmal darauf, dass bis zum 21. November die „Präqualifikation“ für mögliche Bewerber, die den Neubau der Brücke in Angriff nehmen wollen, abgeschlossen sein soll. Er stellte heraus, dass bei der Vergabe das Angebot mit der schnellsten und innovativsten Umsetzung den Zuschlag erhalten soll – das sei in Deutschland in dieser Form ein Novum.

Und damit zum Sprengtermin: Den gibt es weiterhin nicht konkret („Früh im neuen Jahr...“), und darüber zeigte sich Bürgermeister Sebastian Wagemeyer dann auch enttäuscht, hatte aber auch Verständnis. „Der Termin ist für uns vor Ort von wesentlicher Bedeutung, weil es um die Versorgung eines ganzen Stadtteils geht“, sagte Wagemeyer, „aber ich habe Informationen, weshalb dies noch nicht so genau zu sagen ist. Man schafft Vertrauen durch Transparenz, aber auch durch Verlässlichkeit.“ Verlässliches aber gibt’s nicht.

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Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn GmbH in Westfalen. © Machatzke, Thomas

Tatsächlich laufen die Arbeiten zur Sprengvorbereitung, sind aber nicht ganz unproblematisch, wie Stephan Krenz, Geschäftsführer der Autobahn GmbH, durchblicken ließ. „Hochkomplex“ nannte er die vielen parallel laufenden Arbeiten. Auf dem zuletzt erworbenen Grundstück laufen nun Fällarbeiten. Die Hänge müssen gesichert werden, im Tal wird dieser Tage gerade eine Gashochdruckleitung ersetzt, und die neue Bewässerung des Galvanik-Unternehmens unter der Brücke ist auch eine nicht ganz einfache Angelegenheit.

Dann sollen das Galvanik-Gebäude und das benachbarte Haus mit einer Wand aus 55 mit Sand befüllten Seecontainern abgeschirmt werden für die Sprengung. Bis das waagerechte Fallbett in sieben Meter Höhe über der Altenaer Straße aufgeschüttet werden kann (Krenz: „Dazu brauchen wie 5000 bis 7000 Lkw-Ladungen – 85 000 Tonnen Material), ist noch einiges zu tun.

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Oliver Luksic (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr. © Machatzke, Thomas

Neben Sprengung und Neubau aber ging es im Spitzengespräch auch um Entlastungen für die Anwohner. Dass Tempo-30-Zonen nun im Detail geplant und umgesetzt werden an den Bedarfsumleitungen, verkündete Wagemeyer nun offiziell. Was Durchfahrtsverbote für Lkw angeht, sprach er von „einer kleinen Arbeitsgruppe“, die dies prüfe und kurz vor dem Ziel sei. Wagemeyer betonte überdies, dass bei der Kompensation von Bund und Land in Form einer Strukturförderung für die gebeutelte Region die siebeneinhalb Millionen Euro fürs LernFabriksken erst der Anfang sein könnten.

Und noch eine Botschaft hatte er im Gepäck: Es gibt einen Nachfolger für Mario Bredow bei der Leitung des Büros des Bürgerbeauftragten. Der Nachfolger soll noch im November anfangen – den Namen aber verriet Wagemeyer noch nicht.

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Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH. © Machatzke, Thomas

So war es am Ende ein bunter Strauß an neuen Wasserstandsmeldungen, bei dem man im Zweifel eher nicht konkret werden wollte. Auf den konkreten Endzeitpunkt für den Neubau der Brücke angesprochen, gab Stephan Krenz zwar zu, dass so ein Zeitpunkt in der Ausschreibung als Zielmarke stehe. Das sei üblich. Dieser Termin – Elfriede Sauerwein-Braksiek hatte ihn im Verkehrsausschuss des Landtages benannt – ist der 30. September 2026 (wir berichteten). Krenz aber nimmt nicht einmal dieses Datum in den Mund. „Das wäre zum aktuellen Zeitpunkt nicht redlich“, stellte er fest. Und so blieben, als der Vorhang fiel, am Ende doch wieder die besonders spannenden Fragen offen.

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