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Unter der A45: 140.000 Tonnen schwere Erdmatratze in Arbeit

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Von: Georg Dickopf

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Unter der Autobahn wird die Straße Im Wiesental verbreitert für das Fallbett, das erst kurz vor der Sprengung auf der Altenaer Straße angelegt wird.
Unter der Autobahn wird die Straße Im Wiesental verbreitert für das Fallbett, das erst kurz vor der Sprengung auf der Altenaer Straße angelegt wird. © Dickopf

Es ist ein echtes Kontrastprogramm: Auf der einen Seite die riesige und menschenleere Rahmedetalbrücke und direkt daneben eine Armada an schweren Baufahrzeugen, Planierraupen, Baggern und Dumpern, denn unter der A 45 wird derzeit ein riesiges Fallbett für die geplante Brücken-Sprengung vorbereitet.

Lüdenscheid – Dreiachsige und sehr geländegängige Muldenkipper bugsieren die bis zu 25 Tonnen schwere Erdmassen eine steile Rampe direkt neben der A45-Autobahnbrücke hinab und kippen das Erdreich dann ab. Sekunden später nimmt sich eine 20 Tonnen schwere Planierraupe die Erdmassen vor und schiebt sie in Richtung Rahmedetal.

Während in den letzten Tagen viel geredet und diskutiert wurde im NRW-Verkehrsausschuss über den Verkehrsinfarkt in Lüdenscheid und die Umleitung des Schwerlastverkehrs und am Montag auch Ministerpräsident Hendrik Wüst nach Lüdenscheid kommt, wird neben und unter der Brücke mit Hochdruck gearbeitet. „Endlich!“, werden viele staugeplagte Sauerländer denken, die endlich Fortschritte sehen wollen. Dass die riesige Brücke mit ihren fünf großen Doppelpfeilern aus Beton und dem massiven Stahlunterbau so schnell wie möglich weg kommt, dafür will Henrik Radmann sorgen. Der groß gewachsene Prokurist der Firma Heitkamp ist Projektleiter und sorgt dafür, dass überall rund um das Bauwerk gearbeitet wird.

„Je besser so ein Projekt vorbereitet wird, desto besser läuft es dann draußen.“

„Je besser so ein Projekt vorbereitet wird, desto besser läuft es dann draußen“, sagt Radmann und zeigt neben der Brücke auf das Tal: „Ich finde, die vergangenen Wochen, in denen wir tätig sind, ist schon sehr viel passiert und ich lade sie gerne ein, kurz vor Weihnachten wiederzukommen, dann sehen sie, wie es weiter vorangekommen sind.“

Das vollmundige Versprechen von Bundesverkehrsminister Volker Wissing („Die Brücke wird dieses Jahr noch gesprengt“), will er lieber nicht kommentieren. Ob der Minister wusste, welche Dimensionen die wohl größte Erd-Matratze des Sauerlandes haben muss, die die Brücke „auffängt“, ist nicht bekannt.

Mit geländegängigen Muldenkippern (unten) wird Erde über die Autobahn angeliefert, für das Fallbett auf einer Rampe abgeladen und dann per Raupe verteilt.
Mit geländegängigen Muldenkippern (unten) wird Erde über die Autobahn angeliefert, für das Fallbett auf einer Rampe abgeladen und dann per Raupe verteilt. © Dickopf

Bekannt sind aber die Ausmaße des Fallbettes, auf das die Brücke nach der Sprengung irgendwann im nächsten Jahr hinabsinken soll. Rund 60 Meter breit, terrassenförmig unter der Brücke mit verschiedene Härtegraden angelegt und selbst in Höhe der Altenaer Straße noch sieben Meter stark.

Auftragssumme liegt bei 18 Millionen Euro

Die geländegängigen Dumper müssen in den nächsten Wochen riesige Erdmengen unter und neben der Brücke abladen, damit die Brücke weich fällt.
Die geländegängigen Dumper müssen in den nächsten Wochen riesige Erdmengen unter und neben der Brücke abladen, damit die Brücke weich fällt. © Dickopf, Georg

Den Auftrag für die Anlage des Fallbettes, die Sprengung, den Abtransport der Brückenreste und des Unterbaus bekam die Firma Heitkamp von der Autobahn GmbH. „Die Auftragssumme beträgt 18 Millionen Euro“, sagt Radmann auf Nachfrage. Und für diese Summe müssen gewaltige Massen bewegt werden. „Es geht um rund 140 000 Tonnen und so lange das Wetter mitspielt, sind wir hier mit Hochdruck dran. Sollte das Wetter kippen, wird es natürlich ungleich schwieriger für uns“, sagt Radmann und meint damit starke Regenfälle oder feuchte Witterung und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, die dafür sorgen können, dass die tonnenschweren Baufahrzeuge am steilen Hang ins Tal rutschen. Verantwortlich ist die Firma Heitkamp auch für die Sprengung, für die man Deutschlands bekanntesten Sprengmeister Michael Schneider verpflichtete, der schon die A45-Brücke bei Wilnsdorf punktgenau sprengte.

„Die Vorbereitungen und Absprachen dafür sind alle getroffen, so weit steht der Sprengung nichts mehr entgegen, Wir müssen nur arbeiten“, so Radmann.

20-köpfiges Team in der Vorplanung

Wie lange es noch dauert, bis das Fallbett perfekt liegt, ließ Radmann ebenso offen wie Michael Neumann, Projektleiter der Autobahn-Westfalen-Außenstelle Hagen. Gemeinsam mit seinem rund 20-köpfigen Team habe man bei der Vorplanung Rücksicht auf die ohnehin schon angespannte Verkehrslage genommen, denn für die riesigen Materialmengen seien tausende Lkw-Fahrten notwendig. Das Erdreich werde dazu über die gesperrte Autobahn angeliefert.

Neumann dazu: „Wir haben drei Entnahmestellen, das sind die Gewerbegebiete Rosmart und Wibschla und wir können auch Material aus dem Norden bekommen von der Anschlussstelle Lüdenscheid Nord. Ziel war es, möglichst kurze Wege zu haben, um das untergeordnete Netz, also die Umleitungsstrecken nicht zusätzlich zu belasten und das Material schnell an die richtige Stelle zu bekommen.“

Gewehr bei Fuß steht auch das Team des Steinbruchs Werdohl-Kleinhammer, das sich in Werdohl und Plettenberg die Genehmigung einholte, nötigenfalls auch in den Nachtstunden Abraum-Material zur nahegelegen Brückenbaustelle zu transportieren. Noch ist der Auftrag dazu aber nicht vergeben, da in erster Linie Erdreich genutzt werden soll. „Schotter ist dafür eigentlich zu wertvoll“, sagt Radmann.

Unter der Autobahn wird die Straße Im Wiesental verbreitert für das Fallbett, das erst kurz vor der Sprengung auf der Altenaer Straße angelegt wird.
Unter der Autobahn wird die Straße Im Wiesental verbreitert für das Fallbett, das erst kurz vor der Sprengung auf der Altenaer Straße angelegt wird. © Dickopf

Der Projektleiter lobt in dem Zusammenhang die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit den beteiligten Kommunen – insbesondere mit der Stadt Lüdenscheid. Es werdevor allem im verkehrsrechtlichen Bereich nach schnellen und pragmatischen Lösungen gesucht. „So etwas dauert sonst wesentlich länger, aber man merkt, wie alle hier dieses Projekt vorantreiben wollen“, sagt der im Ruhrgebiet wohnende Radmann, der selbst genervt sei von der Sperrung der Autobahn.

Nach der Brückensprengung – ein möglicher Termin wurde auf mehrfache Nachfrage stets offen gehalten – sei es das Ziel, die Altenaer Straße schnellstmöglich von den Brückenresten und dem Fallbett zu befreien und dann mit Hochdruck das Baufeld vorzubereiten für den Bau der neuen Brückenpfeiler.

Brücken kann die Firma Heitkamp übrigens auch selbst bauen, „aber die hier ist eine Nummer zu groß für uns. So etwas kann nur eine Handvoll Firmen in Deutschland“, sagt Radmann. Passend dazu hat die Autobahn GmbH drei Unternehmen ausgewählt, die sich an der Ausschreibung für den Brückenbau beteiligen.

Wie Michael Neumann abschließend betonte, liege man weiter im Zeitplan. Während die Ausschreibung und der Neubau vorgeplant würden, arbeite man mit Hochdruck an der Beseitigung des Bauwerks. Wann die A45 wieder befahrbar wird, dazu äußerte sich Neumann abschließend nicht.

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